Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

Page: 119
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstgewerbeblatt1885/0129
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Bücherschau.

119

auch nur 25 Muster briiust, ist uur ganz großcn
Ateliers vder Biblivtheken zugäuglich.
Dic erziehliche Bedeutuug dicser Tafelu ist
aber so groß, daß die beteiligteu Kreise ernsthast
daran deuken svllten, dieselbe für sich zu gewinnen.
Wenn es nicht anders geht, so uiögen uiehrere
Werkstellen, die iu den Blichern Vvn Meurer und
Teirich das Material vvn Musteru besitzen, sich

in die Tafeln des Bvde'scheu Wcrkes teileu. Die
bestehenden Bercine Vvn Bildschnitzeru u. s. w.
nivgen svlche Verteilung in die Hand nehmeu, sie
werden sicherlich uiit der Verbreitung dieser Drucke
eiuen Nutzen schaffen, welcher dem Besitze der un-
erreichbaren Originale so nahe kommt, wie wir
es bis jetzt Vvn einer Nachbildung kaum mvglich
gehalten hätten.

Bücherschau.

VIII.
Lrinnii, A., Deutsche Medailleure des 1ü.
und 17. Jahrhunderts. Mit 11 Tafelu.
Berliu, Weidmaunsche Buchhandluug 1884.
Mk. 6.
Wiewvhl die Bedeutung dieses Buches auf
eiuem ganz anderen Gebiete liegt, so habcn wir
nicht blvß ein Recht sondern svgar die Pflicht,
auch an dieser Stelle darauf hinzuweisen. Es
enthälts eiue gauze Reihe wichtiger Beiträge zur
Geschichte der deulscheu Goldschmiedekunst, sv-
wohl neue Eutveckuugcn des Bcrfassers, als
auch ältere, bisher an wenig bckannten Orten
publizirte Augaben, die hier beguem zugänglich
gemacht nuumehr eudlich enigewurzelte Jrrtümer
beseitigen dürften. Jn letzter Hinsicht erinnere
ich nnr an die Medaillen des Valentiu Maler,
die crst kürzlich wieder für Wenzel Jamnitzer
ausgegeben sind, an die Arbeiten des Hans
Reinhardt, der noch immer als mhthischer Hein-
rich Reiz umherwandelt, u. a. m.
Ein grvßer Teil der deutschen Gvldschmiede
ivaren Medailleure vder uiugekehrt: die Mehr-
zahl der Medailleure waren Goldschmiede; und
zwar begeguen wir unter ihnen den erlauchte-
sten Namen, leruen die großen Meister hier noch
vvn einer besondereu Seite kenneu. Wuuder
uehuieu wird das niemand, der mit der Geschichte
der Goldschmicdekuust näher vertraut ist; denn
fortwährend stvßt man hier auf Punkte, welche
den innigen Zusaiumenhang der Medailleur-
und Goldschmiedekunst erkennen lassen. So
kvmmt es, daß Neferent im stande ist, der sehr
dankenswerten Arbeit Ermans in einigen Punk-
teu kleine Ergänzungen hinzuzufiigeu; es sind
einige gelegentliche Funde bei Bearbeitung eines
ganz anderen Feldes, die ein Numismatiker eben
nicht machen konnte.

Die Medaille des Kaspar Enderlein
(S. 79) findet sich nicht selten unter den großen
Zinuschüssclu, die aus des Meisters Werkstatt
hervorgegangen sind. Diese Schüsseln zeigen iu
der Mitte eine erhöhte Platte, unter welcher am
Bodeu die I. o. beschriebene Medaille ange-
bracht ist. Nur steht stets Lenlxsbsck 6usbur
Lnäsrlsin, d. h. das Verbum vor dem Nameu.
Das Kunstgewerbemuseum zu Berlin besitzt so-
gar einen Fehlguß aus des Meisters Werkstatt,
auf der Nllckseite cines einzelnen Mittelstücks mit
der bekannten Temperantiafigur. — Daß der
Medailleur F. Briot (S. 65) und der Zinn-
gießer Frauhvis Briot eine uud dieselbe Persvn
ist, scheint mir zweifellos. Unter den Zinn-
schüsieln des letzteren — die bekanutlich mit
deneu des Enderlein Vvllig idcntisch sind —
findet sich an der gleichen Stelle wie bei Ender-
lein das Pvrträt des Meisters u. r. mit
der Umschrift 8enlpsbn1 Ursnsisons Lrioi.
(Abgeb. OoUsolion LunvgZsot 'U. 43). Er zeich-
nct gleichfalls U. U.; die Medaillen, soweit ich
sie kenne, staiumen von derselben Hand wie der
Zinnguß, der E. unbekauut geblieben ist. Die
Bezeichnuug Binders, Friedrich Brivt, dürfte
somit wohl auf einem Jrrtum beruhen.
Als ein Erman unbekannt gebliebener
Medailleur ist Jobst Camerer zu Halle a/S.
anzuführeu, welcher 1558 deni Rat der Stadt
Köln a/RH. als Geschenk eine von ihm gefertigte
Bronzemedaille mit dem Porträt Karls V. über-
schickt. (Bergl. Eunen: Zeitschr. f. bild. K. VII,
143). Endlich ist hier Anton Eisenhoit aus
Warburg zu nennen, von deni mir drei Me-
daillen bekannt geworden sind, deren zwei be-
reits beiLessing (Die Silberarbeiten des A. Eisen-
hoit) beschrieben sind, die dritte sirnd sich auf
der Ausstellung in Düsseldors 1880; ich stelle sic
hier zusammen,
loading ...