Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

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Zur iimslimischen Ksramik.

lichen Brunnen im Hofe des Niirnberger Nat- der Universität Altdorf" berichtet, iiii Jahre
hauses, das Werk des Pankraz Labenwolf, des 1576 im Hofe des in den Jahren 1571—1575
Vaters unseres Künstlers. neu erbauten Kollegien-Gebäudes der kurz vor-
Dieser Brunnen wurde, wie Will in seiner her gegründeten Nürnbergischen llniversität zu
Festschrift „Gedächtnis Les Kollegien-Gebäudes Altdorf aufgestellt.
Nürnberg. R. Bergau.

Zur umslimischen Rermuik.

?.— Unter diesem Titel giebt Prof. Karabacek
in der „Östsrreich. Monatsschrift für den Orient" einen
hochwichtigen Beitrag zur Geschichte der Keramik; es
ist nötig, an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinzu-
weisen, da diess verdienstvolls und vortreffliche Zeit-
schrist noch längst nicht die Vsrbreitung genießt, ivelche
sie verdient. Der Verfasser, dessen Verdienste um dis
Geschichte der Kunst des Jslam hinreichend bekannt
sind, bezeichnet sebst als Ziel seiner Durchforschung
morgenländischerQuellen: das Kunstgeiverbs. Er weist
zunächst an der Hand urkündlichen Materials und
im Gegensatz gegen andrs Forscher nach, daß in der
Kultur des Jslam vortreffliche Vorbedingungen fllr
die Entwicklung der Keramik gegeben ivaren, sucht dann
die keramische Terminologie fsstzustellen und ivendet
sich dann der vielumstrittsnen Fmge zu: Jst auf isla-
mitischem Gebiet jemals Porzellan erzeugt worden?
Er beantwortet disselbe bejahend, indem er auS litte-
rarischsn Quellen beweist, daß bereits im 1». Jahr-
hundert in Persien, in der Gegend von Thüs
(nordöstlich von Nischabür) Porzellan fabrizirt ssi! Er
weist serner nach, daß in Jndien zu Kulam (Quillon)
an der Küsts von Malabar, im l ll. Jahrhundert Por-
zellan verfertigt und in dis muhammsdanischen Länder
versandt ssi. An Wichtigkeit steht diesen überraschen-
den Nachweisen die Entdeckmig ebenbürtig zur Seits,
daß die alten grünen (Seladon) Porzellane, die meist

in Form großer Schüsseln, aber auch in anderer Ge-
stalt vorkommsn, in Martabün (Pegu) in Hinterindien
— daher Martabüni genannt — gemacht und schon im
14. Jahrhundert nachiveisbar sind. Ausdrücklich wer-
den diese indischenSeladonsineinermuhammedanischen
Quelle des 17. JahrhundertS den chinesischen gegen-
übergestellt: diess seien reicher und besser ornamentirt,
jsne aber „ungemein fest und stark".
Sehr wichtig auch für den praktischen Zweck der
Herkunftsbestimmuiigen ist sodann die umfassende Be-
handlung der „muslimischen Faience", aus ivelche hier
einzugshen der Raum verbietet. Nur ein hochinteres-
santer Punkt mag hier hervorgehoben iverden: die
Frnge der sog. Rhodus-Faiencen. Der Verfasser be-
streitet, wie ich glaube mit sehr gewichtigen Gründen,
die Existenz einer spszifischen rhodischen Ware und
nimmt die unter dem Namen der Rhodus-Faiencen
stehenden Geschirrs als persisch-türkischs Ware in An-
spruch. Rhodus war nur wie Chios, Konstantinopel
und nndere Stüdte Stapelplatz dieser Ware. So
wirft der Berfasser viel altes keramischeS Gerümpel
über den Haufen und bringt neues wichtiges Mate-
rial bei — für alles verdient er den lebhaften Dank
aller Forscher und Sammler auf dem Gebiet der Kera-
mik: ist er doch der erste, welcher speziell fllr die mus-
limische Keramik eine ernst zn nehmende Arbeit ge-
liefert hat.


Bacchmitiii. Tcrracottli voii Clodion.
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