Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

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Vcm Max Höhne.

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höchsten Erlaß dem Stadt- und Polizeidirektor
Schwindt drei Blatt Entwürfe zu Kasfeekannen
und Milchtöpfen mit dem Befehle übersandt,
von jedem Mnster fünf Dntzend anfertigen zu
lassen; die in antikem Stile gehaltenen Vorlagen
>varen von Prof. Bach gezeichnet. Schwindt
berichtete an den König, er werde die Gefäße
von dcm einzig dazu gecigneten Töpfer Gott-

Jahrhundcrtcn beibehaltenen Formen, sondern
stellte auch die schon 1763 vergeblich versuchte,
dem Porzellan sehr ähnliche Masse her, welche
er höchst geschmackvoll zn dekoriren verstand.
Durch die Feinheit seines durchscheinenden Mate-
rials wurde er von selbst auf andere, edlere
Formen hingeleitet, wobei er sich zumeist den
Zeichnungen Schinkels anschloß. Besonders edel


Fig. S. Kandelaber von Altmmm in Bnnzlau.

hardt anfertigen lassen; denn die übrigen Töpfer
aus dem alten Schlendrian zu bringen, halte
er für unmöglich. Die Bestellung wurde aus-
geführt, es fehlen aber Nachrichten, ob die
Vorlagen weiter benutzt wurden, was nicht an-
zunehmen ist. — 1809 fing Töpfermeister
Gotthardt an, aus Thon Röhrcn zn Wasser-
leitungen zu machen, die sich auch bewährten.
Der hervorragendste aller Bunzlauer Töpfer
war der schon oben erwähnte Johann Gottlieb
Altmann, geboren den 26. Oktober 1780. Er
emanzipirte sich nicht nur von den seit fast drei
Kuustgcwcrbcblatt. i.

ist die Form seiner Tassen, welche cr denen in
der Berliner Porzellanmannfaktur nach Schinkels
Zeichnungen gefertigten nachbildete.
Altmanns braune Glasur kommt der in
China, Meißen und Berlin üblich gewesenen fast
gleich. Das feinere Geschirr dekorirte er zumeist
mit weißen Reliefs mpthologischer und religiöser
Darstellungen, welche sein geschickter Modelleur
Wiepf musterhaft formte^). Auch ganz weiße

1) Ein Paar sehr schöne Kandelaber besitzt das
kgl. Kunstgewerbemuseuni zu Berlin. (Fig. 3.)
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