Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

Page: 189
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Aus den sächsischsn Archiven.

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kauft, und 1608 Kaspar Schultze. Ferner
werden »vchgenanntMartin Kvhler in Anna-
berg, dessen ich bereits in einer frühercn Notiz
(dergl. obcn S. 158) als Versertigers des im
Dresdcncr Kunstgewerbeniuseum befindlichen An-
naberger Krnges gedacht; Martin Stil in
Sitzcnrode, welcher 1572 Holz geschenkt erhielt;
Georg Gope in Anuaburg, der 1580 ein
Haus zu bauen und Meister zu werden beabsich-
tigt, jedoch schon 1583 Schulden halber im
Gefangnis sitzt. Schließlich liefert Jeremias
Schnlteißen in Pegau 1583 die Tiegel in
das Probirhaus Kurfnrst Augusts und Bal-
thasar Schumann in Zeitz sogar Geschirr mit
dem geschnittenen Wappen des Kurfürsten an
dessen Hof. Derselbe hatte die hierbei verwen-
deten Formen auch für Handelswaren verwendct,
was ihm Kurfürst August 1584 verbot (Oop.
492, lot. 200).
Auch Görlitz lieferte Töpferwaren nach
Dresden. Der Kursiirst sendet an seincn Be-
amten Caspar Am Ende am 29. März 1585
eincn in dem Schreiben mit bezeichneten
Krug und auf Papier drei Abrisse sowie einen
Abriß „etlicher Abscis(?)scherbenen". Am Ende
soll bei dem Görlitzer Töpfer, der die „Ver-
glasten Jnstrument pflegt zu machen", ein Schock
solcher inwendig wohlzuverglasender Töpfe, die
cine Hälfte so groß als das Muster, die andere
halb so groß bestellen. Zchn Krüge davon
braucht Augnst eilig. Am 2. April schvn er-
hält dcr Tvpfer, dessen Name leider nicht ge-
uannt wird, 10 Thaler und cine weiterc Be-
stellung auf 2 Schvck Tvpfe.

Jntcressant ist ein Pvstbrief, welchen August
1573 dcn Waldenbnrger Töpfern ausstellte,
damit dieselben ihr Geschirr nach München
ausführen könnten. Manche bemerkenswerte
Notiz bergen anch noch die Chroniken der kleinen
sächsischen Städte längs der Mnlde. Nament-
lich Penig, anscheinend ein hervorragender Ju-
dustrieplatz in der Keramik, dllrfte eingehendcm
Studium zu empfehlen sein. Noch erhielt sich
hier eine „der Topfanger" benannte Vorstadt,
sowie bei einem Chronist von 1549 die Kunde
von einem mächtigen Topfe, einem vier Faß
Bier haltenden Meisterstücke, welcher erst zer-
trümmert wurde, als Herzog Heinrich dcr
Fromme (f 1541) als junger Herr in den-
selben hineingestiegen war, um ihn von innen
zu besehen. Denn als er untcr dem Gelächter
seiner Hofleute vergeblich versuchte, wieder aus
deni Topf herauszukommen, lief er mit aller
Gewalt gegen die Wände, wie es heißt, bis er
zerbrach. Doch fcrtigten die Tvpfer einen nenen
nngebrannten Topf, der in besonderem Häus-
chen verwahrt wnrde. Es dürfte sich svmit
nachweisen lassen, daß die keramische Fabrika-
tion an viel mehr Orten bestand, als meist an-
genommen wird, daß mithin Bczeichnungen
wie „Hirschvogel", „Kreussen" wohl eine Spc-
zies, nicht aber genau den Versertiger oder Ent-
stehungsort bezeichncn. Daß die eigentllmlich
geformten Flaschen (Krausen), welche der Stadt
Kreussen den Namen gegeben oder umgekehrt,
auch anderwärts verfertigt wurden, beweist der
Umstand, daß man beispielsweisc auch vvn Pe-
niger Kreussen sprach, es sind also in Krcussener
Art an der Mulde Arbciten ausgesührt worden.
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