Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

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Die internationale AuSstellung von Arbeiten aus edlsn Metallen zu Nürnberg.

Orients ein. Japanischs Bronzen und
Schwertteile köstlichstcr Art hat die bekannte
Berliner Firma R. Wagncr (H. Pächter) aus-
gestellt; dagegen treten an Quantität die chine-
sischen Arbeiten zuriick, während die alt-indischen
Arbeitcn an Zahl und Qualität einen hervor-
ragenden Platz behnupten. Diese prächtige Kol-
lektion erlesener Stiicke, ausgestellt vom ethno-
graphischen Museum zu München, scheint ein
Teil der Sammlung Ujfalvy in Paris zu sein.
Persische und tiirkische Arbeiten reihen sich weiter
an. Von occidentalischen Arbeiten sind
antike Bronzegeräte nur in beschränkterZahl vor-
handen, besonders stattlich präsentireu sich die
Sammlung Trau aus Wien und die Schätze
des bayerischen Gewerbemnseums. l§s ist er-
klärlich, daß unter den Arbeiten des Mittelalters
und der Rcnaissance hier wiederum eine ganze
Reihe Gegenstände paradircn, die bereits auf an-
deren Ausstellungen zn sehen waren; es sind viel-
fach alte Bekaunte, denen man hier begegnet,
großenteils bereits pnblizirt oder beschrieben, so
daß an dieser Stelle ein kurzer Hinweis genügt.
An Kirchengerätcn sind einzelne ganz her-
vorragende Stücke neben den landläufigen Ar-
beiten vorhanden. Alle überragt an Größe und
Schönheit die prachtvolle Monstranz aus Kloster
Heiligkreuz zu Donauwörth vom Jahre 1513,
ein Meisterwerk der ausgehenden gotischen Silber-
schmiedekunst. Von gleicher Oualität ist ein köst-
liches Ciborium desselben Besitzers, Fürsten von
Öttingen - Wallerstein. An zahlreiche Reli-
quiare verschiedener Form, Aguamanilien, Nauch-
fässer und kleineres Kirchengerät schließen sich
die Kelchc an, nnter denen die „Kollektiv-
ausstellung der evangelischen Landeskirche Augs-
burger Bekenntnistes in Siebenbürgeu" das nieiste
Jnteresse erregt. Dic Siebenbürger hatten sich
im vergangenen Jahre an der unvergleichlichen
Silberschmiedeausstellung zu Budapest nicht be-
teiligt, sv daß fiir die Besucher jener Ausstellnng
diese Gruppe in Nürnberg ergänzend eintritt.
Was ich früher an anderer Stelle (Knustchronik
XIX, Nr. 35) über die ungarischen Silberarbeiten
gesagt habe, wird dadurch nicht niodifizirt: die
schönen Filigrankelche, die Kannen und Humpen
eines Sebastian Han und anderer begegnen uns
auch hier. — Unter den späteren norddeutschen
Arbeiten ragt eine vorzügliche Altarkanne aus
Lübeck, 1631 in die Klosterkirche von S. Anna
daselbst gegestiftet (Fig. 1), hervor; zu den edel-
sten Arbeiten kirchlicher Silberschmiedekunst aus

dem Beginn des 18. Jahrhunderts zählt die
Tauskanne und Schüstel der Ägidienkirche zu
Nüruberg, ursprünglich unzweiselhast zu prosa-
uem Gebrauch bcstimmt, wie dic eigentümliche
Form der Kanne sowohl, als die getriebenen
Darstellnngcn der Schüssel lehrcn.
Gotisches Profansilber ist in geringer Zahl
vertreten: die bekannten Hörner und der schöne
Krystalldoppelbecher des Großherzogs von Baden
dürfen als die Hauptstücke gelten. Dagegen sind
Silberschmiedearbeiten der Renaistance und der
folgenden Perioden in großen Mengen vorhandcn,
zum Teil wicderum viele bekannte Stücke, zugleich
aber manches, tvas hier zum erstenmal erscheint.
Es ist erklärlich, daß nnter dieser Fülle manchcr-
lei Mittelgut sich sindet; vieles auch, was wir
hier übergehen, könnte übrigens demjenigen, der
nicht fortwährend mit diesen Dingen zu thun hat,
wichtig genug erscheincn, um einzcln angesührt
zu werden; es genügt aber dnrchaus, hier auf
dasjenige hinzuweisen, was aus der Menge des
Alltäglichen hervorragt.
Trotz aller Plünderung und Verschleude-
rung birgt Nürnberg in seinen Manern noch
manches alte köstliche Silberstück: Private, Kir-
chen nnd Stistungen haben hier ihre Schätze
zur Schau gestellt, und mag man auch den Ver-
lnst so mancher herrlicher Arbeit bcklagen, das
Schlechteste ist nickt hier geblieben! Billig be-
ginnen wir hier niit der einzigcn Arbeit des
Wenzel Jamnitzer, welche die Ansstellung zicrt:
es ist ein Pokal mit glattem Elfenbeinkörper anf
hohem Fuß, dcsten Kuauf identisch ist mit dem
des Pokals im Besitz des deutschen Kaisers; der
Deckel wie eine Krone mit vier hohen Bügeln ge-
bilvet, unter dcneu sich zicrlich in Holz geschnitzt dic
Burg Malmsitz (in Böhmen) bcfindct. Der Deckcl
ist offcnbar älter als der Pokal, lctzterer schcint
als eine Art Untersatz dazu gcarbeitet — ein
Werk von so eigenartiger Schönhcit, daß ich
uicht anstehe, es für das bedeutendste Stück dcr
ganzen Abteilung zu erklären. Die kleineren
Pokale der Gesellschaft Kolleg, dcr v. Peyer-
schen Stistung, die goldcncn emaillirtcn Pokale
der Pfinzingschen und Löfsholzschen Stiftnng,
endlich die schönen Agleybechcr der Stadt Nürn-
berg schließen sich dem Werk Jamnitzers würdig
an. Das herzogliche Museum zu Gotha hat
eine Auswahl seiner Schätze eingesandt, die ge-
nügend bekannt sind. Das kleinc goldcmaillirte
Brevicr erregt natürlich wieder das gewaltige
Staunen der Menge, da jeder Händler, in der
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