Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 15.1918

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DER KUNSTMARKT

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Niederländischer Meister um 1490. Maria mit dem Kinde
39X32- (Sammlung Schweitzer)



Franciabigio. Maria mit dem Kinde und dem kleinen Johannes
76X60. (Sammlung Schweitzer)

nen, ohne daß ich wagen möchte, nach Friedländers hypo-
thetischem Vorschlag den Bartholomäusmeister selbst als
Autor in Anspruch zu nehmen. Die Tafel müßte dann jeden-
falls noch ein gut Teil vor die Zeit seinerJugendstücke in
Sigmaringen, Brüssel, München (Neuerwerbung der Alten
Pinakothek) und der ehemaligen Sammlung Hainauer gesetzt
werden. Auf der Grenze zwischen kölnischer und hollän-
discher Kunst, genauer bezeichnet etwa zwischen dem
Bartholomäusmeister und Oeertgen tot Sint Jans, steht eine
anmutig hellfarbige Maria, die eine alte Inschrift auf der
Rückseite nach Limburg weist; wenn wir der Aussage trauen,
findet sich damit wieder einejLückejinserer Kenntnis früh-
nordniederländischer Art glücklich ge-
schlossen. Von geläufiger holländischer
Frühkunst erwarb Schweitzer eine Auf-
erstehung Christi des Jakob Cornelisz,
eine eigenhändige Arbeit des Meisters,
in den Stifterbildnissen an die Votiv-
tafel des Berliner Galeriedepots erin-
nernd; amüsant namentlich die kleinen
Genreszenen des Hintergrundes. Eine
säugende Madonna.um 1490 im Spät-
stil Gerard Davids gemalt, entstammt
gewiß der nahen Umgebung des Mei-
sters; die Komposition geht — wie
Friedländer schon vor langem nach-
gewiesen hat — auf den Kreis Rogier
van der Weydens, letzten Endes auf
Rogiers Lukasmadonna zurück. Eine
andere Kopie nach berühmtem ver-
schollenen Urbild bietet eine Kreuzab-
nahme: sie wiederholt —- in einem Stil,
der gleichfalls der Davidschule zu ge-
hören scheint — das Mittelstück des
Haupttriptychons des Meisters von
Flemalle, das sich in seiner Gesamtheit
in Liverpool kopiert findet (andere
Teilnachbildungen beispielsweise in
der breiten Tafel der Passionsdar-
stellungen von St. Sauveur in Brügge

und auf einem Stich des Bandrollenmeisters). Die nieder-
ländische Kunst des 17.Jahrhunderts ist numerisch schwach
vertreten, doch findet sich unter ihren Dokumenten ein
vortreffliches Werk des Dirk Hals, dem schönen Budapester
Stück nahe verwandt: die beweglichen langgestreckten Ge-
stalten mit den kleinen Köpfen scheinen einen letzten Nach-
klang manieristischer Bildungen des ausgehenden 16. Jahr-
hunderts zu geben, die Farben sind bunt und glänzend
auf den dünnen graulichen Grund gesetzt, die Modellierung
ist breit und frisch. Ein Eislauf von van Ooijen, merk-
würdig als Beispiel seiner frühesten Zeit, und eine der
seltenen Bauernszenen des pikanten Brouwerschülers Arent
Diepraem, echt signiert, schließen die
Reihe derSchweitzerschenGemäldeab.
Von den Bildwerken der Samm-
lung, unter denen die deutschen Holz-
skulpturen überwiegen, interessiert vor
allem die Anna selbdritt eines trefflichen
süddeutschen Meisters, dessen Stil uns
aus zwei Beispielen der Sammlung
Benoit Oppenheim geläufig ist: noch
einmal einer Anna selbdritt und einer
Maria — vermutlich aus einer Marien-
krönung —, auf deren lang nachschlep-
pendem Gewand augsburgische Re-
naissanceengel sich tummeln. Wenn
mich die Erinnerung nicht täuscht, gibt
es weitere Arbeiten der gleichen Hand
im Schloß zu Sigmaringen. Die frän-
kische Kunst vertreten zwei tüchtige
Apostelfiguren, die Heiligen Petrus und
Andreas, den Stil Riemenschneiders
weist ein dem Meister zum mindesten
ganz nahe stehender hl. Papst. Erfreu-
lich durch die gut erhaltene alte Fassung
eine hl. Ottilie, als deren Entstehungs-
land der Katalog vermutungsweise den
Elsaß angibt. Eine schön und inner-
lich empfundene Madonnenstatue von
steil frontaler Haltung — laut Katalog


Fra Giovanni £Angelo Montorsoli Moses
Ton, 45 cm hoch. (Sammlung Schweitzer)
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