Kunstnachrichten — 3.1913-1914

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KUNSTNACHRICHTEN

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III. JAHRG., No. 11 ~ 1. März 1914

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Die Berliner Galerie.

Von Dr. Albert Giesecke.

Der eitrige und verständnisvolle Förderer
künstlerischer Bestrebungen der Berliner Stadtge-
meinde, Bürgermeister Dr. Reicke, ist kürzlich im
..Berliner Tageblatt" erneut für die Gründung einer
Berliner Galerie eingetreten und hat in
einem beachtenswerten Aufsatze alle Einwände gegen
diesen Gedanken, den alle Berliner Künstler und
Kunstpfleger mit Freude begrüßen müssen, zurück-
gewiesen.

In der Tat sind die ihm gemachten Einwände
gegen eine Berliner städtische Gemäldesammlung
nicht haltbar. Mindestens der nicht, daß durch sie
zur Nationalgalerie ein Parallelunternehmen ge-
schaffen werde. Im Gegenteil: Die künftige Ber-
liner Galerie könnte recht gut eine Ergänzung, ja
sogar eine Art Entlastungssammlung für die Na-
tionalgalerie darstellen. Diese ist, über ihren ur-
sprünglichen Plan hinaus, zu einer Kunstsamm-
lung geworden, in der die besten Werke deutscher
Kunst unserer Zeit gezeigt werden sollen, sie ist nicht
mehr und kann nicht mehr eine rein preußische
oder gar besonders Berliner Sammlung sein, und
es wird von ihren Leitern nur als eine Abnahme
von Verpflichtungen gegenüber der Künstlerschaft,
die berechtigte Ansprüche, in der Nationalgalerie
vertreten zu sein, zu haben glaubt, angesehen
werden, wenn die Stadt Berlin eine eigene Kunst-
sammlung beginnt. Nicht anders liegt es mit dem
Einwand, für die berlinische Kunst sei das Mär-
kische Museum da. Dieses ist in erster Linie ein
historisches und kulturgeschichtliches Museum, die
Kunst ist hier nur in zweiter Linie vertreten. Und
hier, wie dort müßten, um der Berliner Kunst eine
hinreichende und dauernde Stätte bieten zu können,

große Anbauten unternommen werden, und in
beiden Fällen verbieten dies die Geländebedingun-
gen. Auch der Hinweis darauf, daß Berlin eine
große Anzahl Privat-Sammlungen zeitgenössischer
Kunst habe, bleibt wirkungslos. Solche Privat«
Sammlungen kommen und gehen, sie sind schwer
zugänglich und können somit nicht als Bildungs-
mittel für das Volk gelten, und ein solches soll doch
die Berliner Galerie sein. Auch wenn die Stadt das
Glück hat, daß ihr eine solche Sammlung gestiftet
wird, erhält sie oft damit nur ein Danaer-Geschenk;
denn oft genug ist eine solche Stiftung mit der-
artigen Klauseln betreffs Aufstellung usw. versehen,
daß man im Interesse der Stifter selbst Bedenken
tragen muß, sie anzunehmen — es empfiehlt sich
dann schon, die Form eines Fideikommisses zu
wählen — zu leicht werden solche Sammlungen, die
als Ganzes bestehen bleiben sollen, zu toten, unwirk-
samen, antiquarischen Erinnerungen. Dr. Reicke
hat nun neben dem Bildungszweck, der leichte Zu-
gänglichkeit und stete Oeffentlichkeit voraussetzt,
die Aufgabe im Auge, die Stadt Berlin zum Pfleger
der Künste, zum freigebigen Mäcen zu machen und
den Tendenzen der Berliner Künstlerschaft und der
Berliner Kunstgeschichte einen ständigen Schau-
platz zu bieten. Das muß man dankbar anerkennen.

Berlin hat hinsichtlich einer städtischen Galerie
noch eine Ehrenpflicht zu erfüllen. Während die
meisten großen Stadtgemeinden Deutschlands aus
eigener Kraft zu sammeln und Museen zu gründen
begonnen hatten, hat Berlin diese Aufgabe dem
Staate überlassen. Nicht anders war es bis in die
jüngste Zeit in Wien, wo man schließlich doch das
Bedürfnis zu einer städtischen Kunstsammlung ge-
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