Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 40,2.1927

Seite: 143
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nichk germges, herter sLimmendes Vergnügen. Gemessener, doch auch das Grau-
sige und „FürchLerlich Schöne" berührend sind die BerichLe des Grasen Fried-
rich Leopold zu SLolberg, der von Savoyen über den Ceuis, nichk selLen an
phankastischen Felsenwänden hinabrei'Lend, in das liebliche PiemonL strebke und
alle seine an wildesten Gebirgsgemälden haskenden KindheiLserinnerungen be-
stätigk sand; dennoch geben diese SeiLen, die Hannibals Andenken beschwören,
einen großen Begrisf von seinem elemenkarischen Landschafkserlebnisse, und die
Gedanken, in denen er sich, die blendende Alpenreihe im Rücken, dem Geiste
der klassischen Welt beugk, sind seiner wahrhast würdig. In dem Gebirgs-
wanderer endlich, den Karl RiLker an den schneebeladnen Alpenstock des MonL-
blanc heransührt, sind alle individuellen Züge gekilgk, und das majestäkische
Felsmassiv LriLL, im Aufbaue wie in immer neuen, immer großarkigeren Ansich-
ten gezeigk, als ungeheurer selbstischer Koloß allein in Erscheinung. Die klassi-
sche Darstellungskunst hat uichts MächLigeres hervorgebracht, die romantische
(bei Görres, und noch bei dem surchtsamen Kinde GoLthels) wirsL über diese
leuchtenden, vor eine Liesdunkle Lust gerückken Massen Schleier und wolkige
Gespinste.

Bemerkung: Die Mehrzahl der angezogenen Beispiele vereinigt daS Werk „Oer Deutsche in
der Landschaft" (Derlag dec Bremer Presse, Munchen).

Von A. Halm in Wickersdors

Man sei der ernsten und reichen Musik noch so gewogen, n,n
so inehr oielleicht wird inan in einzelnen Skunden oou dem
Gegenstück derselbcn überwunden, bezaubert und sast hinweg-
geschmolzen; ich meine: oon jenen allereinsachsten italienischen
LDpern-Melismen, welche, troy aller rhythmischen Einförmig-
keit und harmonischen Kinderei, uns mitunter wie die Seele
der Musik selber anzusingen scheinen. Gebt es zu oder nicht,
ihr Pharisäer des guten Geschmacks: es > st so.

^Pzwar durchaus nicht bloß, und nicht einmal in der HaupLsache, um einen
GesprächsparLner zu ärgcrn oder zu reizcn; auch nicht bloß aus Lust an einer
boshasten Formulierung, sondern im Grund mit allem Ernst und auch in der
Meinung, damit wirklich etwas von Belang zu sagen: das nämlich, daß BeeL-
hoven zwar das Triviale nicht immer verschmähk, ja sogar Rkeigung zu ihm
zeigk, zuglcich aber Meister gcnug ist, es damit wagen zu dürsen.

Man liest nichk selten, unsere großen Meister häkten gern aus das Bolkslicd
zurückgegrissen und sich von dieser Quelle wieder KräsLe geholt. Fch glaube,
daß dies aus dasselbe hinausläusk; denn die Volkslieder sind zumeist Lrivial
oder sie beherbergen Trivialitäken, die sie ebcn auch, in den besten Fällen, durch
Kunst überwinden; die guken Volkslieder sind nämlich künstlerische Gebilde.
Der Begriss TrivialiLäL ist an sich neukral, was Lob und Tadel anbelangt.
Trivinm ist dcr dreisache Weg der Bildung im mitLelalterlichen Schulwesen;
gemeint waren damit die Fächer: Granuuatik, MaLhematik und RhcLorik.
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