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werden. Sie läßt auf ein kaum minder breites Spektrum in früherer Zeit schließen. In den vorhan-
denen Gräbern ist die Verwendung von reichlich Rötel oder Ocker ein Zeichen, daß man versuchte,
die Blässe des Todes zu verbergen. Die Beigabe von Geräten — bei Frauen wie Männern fand man
Schaber, Klingen, Abschläge und gelegentlich auch Jagdutensilien — ist ein Hinweis, daß man
irgendeine Form des Weiterlebens für wahrscheinlich hielt. Tierbeigaben sind recht selten, setzen
jedoch eine starke Bindung des Menschen an das Tier voraus. So läßt sich der Befund eines
kleinen Kindes deuten, das in die Arme seiner Mutter gebettet war und von einem Raben oder
rabenähnlichen Vogel begleitet war, dessen Schnabel auf seiner Stirn lag (NABER 1975). Der
Schmuck, besonders aus epimesolithischen Gräbern, die der Zeiteinstellung zwar neolithisch, der
Ausstattung jedoch eindeutig jägerisch sind, besteht vielfach aus aufgezogenen Tierzähnen oft
großer und dem Menschen an Kraft überlegener Tiere, wie Wolf, Bär, Elch. Daneben sind auch
Schildkrötenpanzer beigegeben worden (BICKER 1936). Ob die Kraft, die jenen Tieren inne-
wohnte, auf den Träger übergehen sollte, oder ob dieser Schmuck nur Zeichen eines stolz zur
Schau gestellten Jagderfolges war, bleibt offen.

C. Archäologische Grundlagen
1. Die Rohstoffversorgung
Das Ausgangsmaterial für die Steingeräte und Geräteteile aus Stein bot sich dem Menschen des
späten Paläolithikums und des Mesolithikums in den Feuersteinknollen, die in den Moränenge-
schieben aus der Eiszeit auch im Braunschweiger Raum bis nahe an den Harzrand vorkommen. Es
ist nicht wahrscheinlich, daß man in diesem Gebiet den Flint aus Gegenden, wo er ansteht,
heranschaffte, wenn auch Gruppen, die ihren Standort wechselten, sobald Wild, Fisch und
Sammelfrüchte nicht mehr reichhaltig genug vorhanden waren, mittlere Entfernungen ohne
Schwierigkeiten überwanden. So zeigte ARORA (1973, S. 13—16), daß Gesteinsmaterial verschie-
dener Qualität, das im Raum zwischen Rhein und Weser verbreitet ist, einem unterschiedlichen
Verteilungsmodus durch den Menschen unterlag. In diesem Gebiet verläuft die Südgrenze der nor-
dischen Geschiebe etwa 20 bis 40 km im Süden der Lippe. Nordischer Flint wurde aber bis zu 30
km südlich dieser Grenze verwendet. Doch nutzte man auch die örtlich vorhandenen schlechteren
Kieselschiefer. Waren beide Rohstoffquellen, die bessere und die schlechtere, nicht örtlich
vorhanden, so legte man zugunsten der besseren Qualität auch weitere Strecken zurück und griff
nur recht sporadisch auf den näheren Kieselschiefer zurück (Flint 80 % — Kieselschiefer 20 °7o).
Entfernungen über 30 km wurden jedoch nur selten zugunsten der Beschaffung guten Gesteinsma-
terials zurückgelegt, und 70 km südlich der Geschiebegrenze waren noch 10 % des Gerätebestandes
aus Flint hergestellt. Diese Angaben lassen auf den Radius der Wanderbewegungen schließen — die
mesolithischen Jäger und Sammler werden durchschnittlich einen Bereich von 40 bis 50 km in einer
Richtung durchmessen haben.
Die Gruppen endglazialer Jägerkulturen brachten dagegen ihren Rohstoff auch über weitere
Strecken zu ihrem Lagerplatz. So ließen sich die mesolithischen und spätpaläolithischen Geräte von
dem Fundplatz Tarnöwa, Pow. Wrzesnia in Polen, nach Art des verwendeten Feuersteins bereits
unterscheiden. Während die kleinen Geräteteile des Mesolithikums aus dem örtlich vorhandenen
nordischen Feuerstein hergestellt waren, arbeiteten die Jäger und Sammler der spätpaläolithischen
Gruppe ihre Werkzeuge aus oberastartischem Feuerstein des Malm, wie die Analyse der im Abfall
gefundenen Knollenrinde ergab. Dieser stammt aus dem Gory Swietokrzysky (Heiligkreuzgebirge)
in etwa 270 km Entfernung (TAUTE 1963, S. 85; 1968, Karte 12). Vereinzelt kennt man Spuren
eines vorneolithischen Bergbaus, z.B. aus dem Szeletien (um 30000 v. Chr.) auf Limonit, der
seiner roten Farbe wegen zum Abbau reizte, wie die Knochen- und Steingeräte in einer solchen
Grube bei Lovas am Balaton (Plattensee) beweisen. Aus dem Mesolithikum sind Steinbrucharbei-

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