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sanduhrförmiger wie mit zylindrischer Durchbohrung vor. Eine nach diesem Merkmal differenzierte
Kartierung ergibt, daß sich nördlich der Lößgrenze fast ausschließlich sanduhrförmig durch-
bohrte Geröllkeulen fanden, während solche südlich von Braunschweig seltener sind, stattdessen
jedoch öfter Stücke mit zylindrischer Bohrung vorkommen.
Eine Geröllkeule stammt von dem mesolithischen Fundgebiet bei Bevenrode, drei weitere von
Barwedel, vom mesolithischen Fundplatz selbst. Da man auch in anderen Gebieten auf Geröll-
keulen im Gelände mesolithischer Stationen stieß (GRAMSCH 1973, S. 29; GROTE 1976, S. 111),
wird die Vermutung bestärkt, es lägen zumindest in der Mehrzahl mesolithische Felsgesteingeräte
vor. Über Schäftung und Verwendung ist nichts genaues bekannt. Doch weiß man, wie ent-
sprechende Geröllkeulen in Neu Guinea — mit sanduhrförmigem Querschnitt — hergestellt wurden
(BLACKWOOD 1950, S. 36).
Dort benutzte man sie ausschließlich, um Feinde durch einen Schlag auf den Kopf zu töten.
Ein Stein wurde aus dem Flußbett eines größeren Flusses ausgewählt “...having selected his stone
the worker begins by piercing the hole for the haft. To find the best place to begin, the stone is
balanced in the fingers, and a mark is scratched on the surface where each end of the hole should
begin. The perforating is done by pecking with a pointed stone — often the end of an old adze blade —
some care being taken to begin the pecking at the spot marked ... The pecking is done alternately on
both sides, the stone being turned so that the depth of the hole on each side is kept approximately
equal. As it gets deeper a reaming movement is used to enlarge the outer part so that the pier-
cing-implement can reach the centre. The finished Perforation is smaller at the centre than at the
periphery (lhour-glass‘-shaped), like that of ancient stone-Age clubs.“

H. Zusammenfassung
1. Im Braunschweiger Gebiet sind alle Kulturen des ausgehenden Paläolithikums und das
Mesolithikum vertreten.
2. Es lassen sich zwei Landschaften deutlich voneinander abgrenzen. Im Norden der Stadt Braun-
schweig erstreckt sich ein durch eiszeitliche Geschiebe verflachtes Gelände mit Sandaufwehungen,
vielen inzwischen versumpften oder verlandeten Seen und kleinen Wasserläufen, das für Jäger und
Sammler ein Eldorado gewesen sein muß. Südlich von Braunschweig liegt das leicht bewegte
Harzvorland, das in weiten Gebieten lößüberdeckt ist. Bis auf die Hamburger Kultur kommen alle
Kulturgruppen in beiden Regionen vor.
3. Es lassen sich deutliche Präferenzen bei der Auswahl der Rast- oder Lagerplätze fassen. Wichtig
ist in jedem Falle die Nähe zum Wasser, gleichgültig, ob es als Quelle, Bach- oder Flußlauf oder
Sumpf und Wasserloch vorhanden war.
Im Lößgebiet wurde ein geologischer Untergrund bevorzugt, der wie Muschelkalk Wasser nicht
staute und nicht zu dicht bestockt war. Weniger wesentlich war die Bodenart.
In den Gebieten nördlich der Lößgrenze wurden die sandigen Böden aufgesucht, vermutlich,
weil auch bei diesen die Entwässerung gut ist, die Erwärmung durch die Sonne sehr schnell vor
sich geht und auch auf diesen nur lichte Waldbestände angenommen werden können.
4. Das Braunschweiger Gebiet erweist sich in verschiedenen Zeiten als Übergangszone: die süd-
lichsten Fundplätze der Hamburger Kultur liegen etwa auf einer Linie (Uetze — Ohof —
Klein-Vollbüttel — Rieseberg). Nicht sicher nachzuweisen, jedoch zu vermuten ist die Fortsetzung
der Kontaktzone zwischen mitteldeutschem Magdalenien und den Federmessergruppen Nord-
deutschlands, die östlich des Arbeitsgebietes greifbar ist.

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