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C. Die Ahrensburger Gruppen

Die Fundkomplexe, die den Stielspitzengruppen zuzurechnen sind, hat auch für den Braun-
schweiger Raum zuletzt W. TAUTE (1968) behandelt. Im einzelnen wurde auf die Fundstellen (9)
Äbtissinberg, (15) Rösekenbrink, (30) Asse, Burgberg, (42) Rieseberg, (93—98) Klein-Vollbüttel,
(68) Didderse und (136) Eyßelheide eingegangen.
Einige davon sind Einzelfunde (9, 30, 42); andere wurden als Bestandteil vermischter Fund-
komplexe aufgefaßt (15, 93), nur wenige stammen aus unvermischten Fundkomplexen (107, 136).
Einige der Plätze ließen sich einer der herausgearbeiteten Untergruppen zuweisen. So gehören die
Funde dieser Zeit von (93—98) Klein-Vollbüttel in die Eggstedt-Stellmoor-Gruppe und die von
(68) Didderse und von (136) Eyßelheide in die Didderse-Lavesum-Gruppe, die nicht von Stielspitzen,
aber um so mehr von schrägretuschierten Klingen und schiefen Trapezen charakterisiert wird.
Nur wenige l^C-Daten aus anderen Gebieten erlauben es, die zuerst genannte Gruppe um 8350
± 350 v. Chr. (OVERBECK 1975, S. 396) zu datieren, was einem Zeitansatz in die jüngere Dryas-
zeit entspricht, während für die Didderse-Lavesum-Gruppe ein jüngeres Alter vermutet wird. Man
rechnet damit, daß sie in den Übergang und die erste Hälfte des Präboreals zu stellen ist (TAUTE
1968, Abb. 53).
Fundplätze der Ahrensburger Gruppen wurden sowohl im Gebiet nördlich der Lößgrenze als
auch auf lößüberwehtem Gelände gefunden. Dort wählten diese Jäger und Sammler ihren Standort
mit Vorliebe auf Berghängen und auch -kuppen, wie die Plätze (8) Greene, Burgberg, (9) Äbtissin-
berg, (15) Rösekenbrink, (25) Sudmerberg und (26) Sudmerberg, Probsteiburg sowie (27) Sudmer-
berg, Probsteiburg-Nord ebenso wie die Anhöhen (28) Ösel, (30) Asse, Burgberg und (42) Rieseberg
deutlich zeigen. Nach Osten ist diese Reihe von Fundstellen durch den Hessenberg bei Westerhausen
zu ergänzen (zuletzt TAUTE 1968, S. 65 f.), dem weitere, erhöht liegende Plätze entsprechen, von
denen allerdings innerhalb des Fundmaterials aus Flint noch keine eindeutigen, datierenden Formen
bekannt sind (SCHIRWITZ 1958).
Die Mehrzahl der Funde trägt eine porzellanartige, weiße Kalkpatina, die sich seifig anfühlt
und meist so tief eingedrungen ist oder die Stücke völlig durchdrungen hat, daß sogar die retu-
schierten Kanten teilweise nur noch undeutlich erkennbar sind. In dieser Art patinierte Stücke
gingen wohl auf stark kalkhaltigem Boden (Muschelkalk?) verloren.
Fundstellen mit den typischen Ahrensburger Formen wie Stielspitzen, Klingenschabern und
Sticheln oder auch schiefen Trapezen und kurzen-, schrägretuschierten Klingen kommen im Gebiet
nördlich der Lößgrenze ebenfalls wiederholt vor. Mehrere Sammelgebiete, die auch Ahrensburger
Stielspitzen erbrachten, liegen in dem wiederholt aufgesuchten Gebiet um Klein-Vollbüttel: (92)
Druffelbeck, (93) Klein-Vollbüttel V. Weiter nördlich liegt der Platz (132) Gifhorn-Ise, Brorner
Straße.
Westlich der Oker kommen Stielspitzen von den Stellen (73) Didderse V, (193) Päse, (190) In der
Bünte und (176) Röbbeckenbleckskamp. Der Einzelfund von (203) Langlingen ist zugleich die
einzige Chwaligobowice-Spitze in diesem Gebiet. Sie wurde vermutlich wie die übrigen Stielspitzen
in Wassernähe und auf sandigem Untergrund gefunden. Über die Lage des Fundplatzes liegen
keine Angaben vor. Die meisten dieser Funde stammen von Fundstellen, die außerdem auch eine
deutliche spätmesolithische Beimischung zeigten (Oldesloer Stufe mit Kerngeräten: 92, Boberger
Stufe mit Mikrolithen allein: 73, 93, 190, 176) oder vor allem in diesen späteren Zeitabschnitt zu
datieren sind.
Neben bereits der Didderse-Lavesum-Gruppe zugeordneten Plätzen (68) Didderse und (136)
Eyßelheide ist auch das Fundmaterial von einigen anderen Sammelplätzen in diese Untergruppe
einzuordnen. Möglicherweise rechnet dazu auch (92) Druffelbeck. Die im Braunschweigischen
Landesmuseum vorliegenden Stielspitzen, die angeblich von dieser Fundstelle stammen, haben

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