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spätmesolithischen mikrolithischen Formen auch andere Elemente, z.B. Kerngeräte aus Flint, vor.
Die Plätze gehören also in die Oldesloer Stufe. Daneben überraschen auch die verhältnismäßig
großen Klingen innerhalb des Abfalls dieser beiden Stellen. Auf dem Platz (77) Didderse 2 wurden
daneben auch einige Rechteckformen und ein Federmesser sowie kurze Klingen- und Doppelscha-
ber gefunden. Dort ist also die Vermischung zweier zeitlich differenzierbarer Komplexe
wahrscheinlich. Sollten die deutlich übereinstimmenden Längenanteile der Klingen beider Fund-
stellen dafür sprechen, daß auch am zweiten — (72) Didderse 1 — eine solche Vermengung stattfand,
obwohl keine eindeutig datierbaren Formen dies belegen? Oder stammen alle Klingen aus dem
späten Mesolithikum? Die erste Erklärung wirkt einleuchtender, zumal die Klingenverteilung auf
einem nur von einer Oldesloer Gruppe aufgesuchten Fundplatz, (193) Päse 7, derjenigen auf den
rein bobergzeitlichen (172, 196) entspricht.
Auch die Diagramme, die die Klingenanteile auf Fundplätzen der Boberger Stufe erfassen, ent-
sprechen sich weitgehend (172, 176, 194, 196). Einige dieser Plätze wurden vermutlich nur ein
einziges Mal als Rastplatz benutzt (172, 196). Auf anderen könnten nach den datierbaren Funden
abweichender Datierung auch Verschiebungen der Längenanteile bei den Klingen vorhanden sein
(Ahrensburger Stielspitzen: 176, 194). Doch es fallen keine derartigen Veränderungen ins Auge.
Die Stielspitzen sind also vermutlich als Einzelfunde aufzufassen.
Nicht so deutlich mit den übrigen stimmen die beiden Diagramme (84) Seershausen und (188)
Kreuzkrug überein. Von beiden Plätzen kommen neben den datierenden Mikrolithen keine Formen
vormesolithischer oder neolithischer Datierung vor. Von (188) Kreuzkrug liegt allerdings neben
einer Dreiecksspitze mit durchlaufend retuschierter Kante auch ein breites, gleichschenkliges
Dreieck vor, nicht aber Trapeze und ungleichschenklig schmale Dreiecke. Sollte sich hier in Über-
einstimmung mit der andersartigen Klingenverteilung der Klingenlängen ein Fundplatz der Halter-
ner Stufe oder eines frühen Abschnitts der Boberger Stufe fassen lassen? Von dem Fundplatz (84)
Seershausen ist zur Datierung ins Mesolithikum lediglich ein Kerbrest heranzuziehen. Gehört dieser
Fundplatz, wie die Längenverteilung der Klingen anzudeuten scheint, ebenfalls in einen Zeitab-
schnitt vor der Spätstufe des Mesolithikums?

F. Nachmesolithische Flintgeräte
Neolithische Flintgerätbeimengungen tauchen besonders im Lößgebiet immer wieder auf, doch
kehren neolithische Formen auch auf Fundplätzen nördlich der Lößgrenze immer wieder. Dort be-
schränken sie sich im Gegensatz zu den Fundplätzen weiter südlich in der Regel auf wenige
Formen wie Querschneider und andere neolithische bis bronzezeitliche Pfeilspitzen verschiedener
Form. Es liegt also nahe, daß diese Plätze, die einst mesolithischen Gruppen zur Rast dienten, so
günstig, unweit von Wasserstellen, an dem Wild zur Tränke kam und Wasservögel brüteten, lagen,
daß sie dem seßhaften Menschen, wenn er auf die Jagd ging, ebenso sichere Beute versprachen wie
den Jägern des Mesolithikums, die sich vorwiegend durch die Jagd ernährten.
Neben den neolithischen Beimischungen in mesolithischem Fundzusammenhang sind zahlreiche
Fundkomplexe bekannt, die teils erst wenige Stücke umfassen, teils nur noch unvollständig vor-
liegen, so daß kein klarer Eindruck von ihnen mehr zu gewinnen ist. Viele von diesen sind wieder-
holt als Argument für die Anwesenheit einer mesolithischen Bevölkerung in Anspruch genommen
worden. Ohne diese Frage im einzelnen klären zu wollen oder zu können, überwiegen in allen
größeren Fundkomplexen, die nicht sicher datierbar sind, Klingen von z.T. recht beachtlicher
Größe. Neben Schabern verschiedener Form und Ausführung kommen vielfach kantenretuschierte
Klingen vor. Vielfach wirkt die Retusche flach, muschelig und flächig abgedrückt. Mit einem
Wort, die meisten dieser bearbeiteten Stücke machen einen neolithischen Eindruck. Gelegentlich ist

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