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Einzelfunde oder Einzelstücke abweichender Datierung innerhalb ansonsten einheitlichen Fundma-
terials wird man mit ihm den geringsten Aussagewert zusprechen (TAUTE 1968, S. 160—168).
Vor diesen methodischen Überlegungen und dem inzwischen angewachsenen Fundgut, daß im
Verlauf von Grabungen systematisch geborgen werden konnte, läßt sich die Zuweisung des im
Braunschweiger Gebiet angefallenen Materials von Oberflächenfundplätzen durchführen.
Nicht minder wichtig wie die Frage, in welchem Maße die zeitliche Zuordnung eigentlich ge-
sichert sei, sind Überlegungen, was der Anteil einer Form am Gesamtbestand der vorhandenen
Geräte und Abfälle von einer Fundstelle aussagt. Diese Anteile sind zahlenmäßig sowohl für die
Fundkomplexe von Grabungen als auch für solche von Oberflächenfundplätzen, die allerdings über
einen langen Zeitraum hin systematisch abgesammelt sein sollten, leicht zu bestimmen. Die Zahlen
lassen sich durch Vergleiche ordnen. Doch welche Schlüsse lassen sie zu?
Es wäre gefährlich, sogleich chronologische Abweichungen oder kulturelle Besonderheiten
(Sonder- oder Untergruppen) erkennen zu wollen. Das würde nämlich bedeuten, daß der wechselnde
Anteil verschiedener Formen jedenfalls kultur- oder gruppenspezifisch sein müsse, während sich
zunächst aus einer unterschiedlichen Verteilung an Geräten nur ergibt, daß es für die Menschen galt,
an verschiedenen Punkten im Gelände unterschiedliche Arbeitsgänge durchzuführen, wozu sie
sich bestimmter Flintgeräte bedienten. Andererseits ist aber auch der Schluß nicht zulässig, daß in
dem wechselnden Anteil am Formenbestand eine beliebige und völlig zufällige Kombination
vorläge, die keine Auswertung zuließe (GRAMSCH 1962, S. 50).
Ebenso wie sich die von einem Fundplatz geborgenen Überreste — stammen sie nun von einem
systematisch erfaßten oder bloß von einem Oberflächenfundplatz — zeitlich bestimmen und zum
Teil auch differenzieren lassen, wenn die oben genannten Gesichtspunkte berücksichtigt werden,
läßt sich auch der zahlenmäßig wechselnde Anteil der vorhandenen Formen erklären. Er muß
begriffen werden als Ausdruck zielgerichteten Handelns jener Menschengruppe, die ihn hinterließ
(TAUTE 1968, S. 160 f.). Auf dem Wege, ihren Motiven auf die Spur zu kommen, wird man sich
derselben Vorsicht bedienen müssen wie bei der formalen und chronologischen Zuordnung. Es
muß möglichst das gesamte Fundmaterial oder wenigstens ein umfassender Bestandteil des
Fundguts des behandelten Platzes bekannt sein. Die Ausdehnung und Begrenzung des Fundgelän-
des sollte erfaßt sein. Auch zur Klärung dieser Frage sind systematisch und bei Grabungen erfaßte
Fundkomplexe von größerem Gewicht als die von Oberflächenfundplätzen. Doch lassen sich auch
im Rahmen letzterer Gruppierungen im Formenbestand erkennen, die mit aller Vorsicht
analysiert werden können. Inzwischen hat man auch erste Versuche unternommen, die erkennbare
Formenauswahl oder -beschränkung, die an verschiedenen Fundplätzen beobachtet wurde, zu
deuten (NEWELL 1973, S. 404 f.).

II. Die Oberflächenfundplätze im Braunschweigischen

Alle diese Einzelheiten sind wissenswert, wenn die Sammelfunde aus dem Braunschweiger Land
eingeordnet werden und ihr Stellenwert innerhalb eines größeren Zusammenhanges bestimmt
werden soll.
Welche Aussagen lassen sich mit ihrer Hilfe und zu ihnen im einzelnen machen?

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