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E. Datierungsfragen

1. Untergliederung des späten Mesolithikums
Eine Trennung verschieden datierbarer Abschnitte ist innerhalb der Boberger Stufe mit
Hilfe sich ausschließender Formen, die für die Charakterisierung dieser Zeitspanne herangezogen
werden, durchaus sinnvoll. Die Kriterien müssen allerdings immer wieder sorgfältig überprüft werden.
Auch innerhalb eines Zeitraums wie der Boberger Stufe ist eine Vermischung mehrerer Fund-
komplexe theoretisch wahrscheinlich, zumal die Boberger Stufe die häufigste Kulturgruppe im
Braunschweiger Gebiet überhaupt ist und vermutlich über Jahrtausende Bestand hatte.
Es stehen den 22 Fundplätzen, an denen Dreiecksspitzen und Dreiecke wie auch Trapeze
vorkommen, immerhin 34 solche, die keine Trapeze ergaben, gegenüber. An 13 Stellen kamen nur
Trapeze vor, und an weiteren vier Plätzen wurden Trapeze zusammen mit Dreiecken gefunden.
Dieser Befund soll nicht überbewertet werden, zumal eine Reihe der Fundkomplexe als unvollstän-
dig betrachtet werden muß und andere sehr wenige datierende Formen enthalten, so daß jeder neue
Fund die Einschätzung eines solchen Fundplatzes stark verändern kann. Deutlich wird jedoch, daß
sich Trapeze und Dreiecksspitzen oft ausschließen. Diese Beobachtung bestätigt die Annahme, daß
Dreiecksspitzen, zumal solche mit retuschierter kurzer Seite, innerhalb des späten Mesolithikums
älter seien als die anderen typischen Formen (GRAMSCH 1973, S. 21), vielleicht gar an den Über-
gang vom mittleren zum jüngeren Mesolithikum zu stellen sind.
2. Spätpaläolitische Einzelfunde oder mesolithische Sonderformen
Auf den in das späte Mesolithikum zu datierenden Plätzen kehren wiederholt Einzelfunde steil
kantenretuschierter Klingen wieder, die an Rechteckformen des Magdalenien erinnern, in der Regel
aber recht klein und vielfach auch nur fragmentarisch erhalten sind. Mit Kerngeräten des Mesoli-
thikums wurden sie an den Fundstellen (755) Auf der Horst, (158) Eigenskamp, (160) Eigensweg
gefunden. Mikrolithen der Boberger Stufe sind zusammen mit diesen Funden von (27) Sudmerberg,
Probsteiburg-Nord, (75) Heuers Berge bei Hillerse, (77) Volkse und (80) Dalldorf II, (88) Rötges-
büttel, Rahmen, (141) Winkel (x), (142) Brenneckenbrück, (144a) Kästorf I, (163) Barbeskamp, (171)
Uetze, (176) Röbbeckenbleckskamp, (179) ,,Im See“, (185) Südlich von Schellenhorst, (190) In der
Bünte gefunden worden.
Diese steilretuschierten Formen sind oft auffallend klein und nur vereinzelt innerhalb der
Fundkomplexe. Werden sie nicht von einigen anderen Gerätformen wie kurzen Klingenschabern
und Sticheln begleitet (27, 75, 77, 142, 144a, 155, 158, 160, 163), so läßt sich schwer entscheiden,
ob eine Vermischung unterschiedlich alter Fundkomplexe, ob Einzelfunde divergierender Datierung
oder ob mesolithische Sonderformen in diesen Stücken vorliegen. Entsprechende Beobachtungen
wurden auch für andere Gebiete gemacht (GRAMSCH 1959/60, Katalog; SCHWABEDISSEN
1944, S. 180 f.; TAUTE 1963, A. 93 f.).
Auf vielen dieser Fundplätze liegen keine anderen Geräteformen, wie z. B. kurze Klingenschaber,
Stichel verschiedener Form und Klingen mittlerer Längenmaße vor, die anzeigen, daß die
Rechteckform mit steiler Retusche zwar das datierbare Gerät sei, aber in einem Komplex
zusammen mit anderen Werkzeugen auftauche, die auch in das späte Magdalenien gehören. Sind
diese Funde in solchen Komplexen Einzelfunde?
Innerhalb mesolithischer Fundkomplexe kommen solche Einzelstücke immer wieder vor
(GRAMSCH 1959/60, Katalog), so daß sie möglicherweise mesolithischen Alters sind. Auffällige
Besonderheiten wie die andersartige Tönung des Flints, aus dem solche Stücke gefertigt sind, sollten
allerdings sorgfältig registriert werden (HANITZSCH 1960, S. 92 f.), da sie gelegentlich eine diver-

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