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8. Das Frühneolithikum (Karten 1 u. 2)

8.1 Vorbemerkung
Die Funde, die das Vorhandensein der in dieser Arbeit zum Frühneolithikum gerechneten Kulturen, näm-
lich der Linienbandkeramik, der Stichbandkeramik und der Rössener Kultur im Arbeitsgebiet belegen sol-
len, bilden den kleineren Anteil des gesamten zur Verfügung stehenden Materials.
Fundstellen mit der materiellen Hinterlassenschaft von nur einer der genannten Kulturen ohne Vermi-
schung mit jüngerem neolithischem Material kommen mit zwei Ausnahmen bisher nicht vor.

8.2 Siedlungen
Siedlung Eime, Assumer Feld
Die Siedlung Assumer Feld in der Gemarkung Eime (100) liegt auf nach Nordwesten geneigtem Gelände
auf stark ausgeprägter Parabraunerde aus Löß über Sand und Kies der Mittelterrasse, 83 m ü. NN. Eine 1960
durchgeführte Bodenschätzung (Nachschätzung) ergab bei Zustandsstufe 3 eine Boden- und gleichlautende
Ackerzahl von 786. Der auch im Umfeld für den Ackerbau sehr gut geeignete Boden ist in Hangrichtung
schwach erodiert. Etwa 230 m nördlich der Fundstelle verläuft ein Bach.
Der Siedlungsplatz wurde 1931 von W. BARNER teilweise untersucht7. Ein Grabungsbericht oder Gra-
bungspläne liegen nicht vor. Von K. WEHRBERGER und vom Verfasser 1979 und 1980 bei Oberflächenbege-
hungen aufgelesene Funde erbrachten kein eindeutig neolithisches Material8 9.
Zu den von W. BARNER geborgenen Funden gehört u. a. ein bandkeramischer Kumpf (Taf. 25, 100/12f.
Er hat eine dreiviertelkugelige Form und weist ein eingeritztes Winkelmotiv auf, das in Abständen mit je
zwei nebeneinander angebrachten Einstichen versehen ist. In das Ziersystem mit einbezogen sind drei ober-
halb der größten Gefäßweite angebrachte Knubben, von denen eine nur noch im Ansatz vorhanden ist. Die
Winkelbänder haben geschlossene Bandenden.
In Abständen angebrachte Stichpaare kommen auf Winkel- und Mäandermotiven sowie als Zwickelfüllung
im südlichen Niedersachsen häufig vor, wie etwa in Rosdorf, Landkreis Göttingen (ZIMMERMANN 1966,
Abb. 11, 1, Taf. 7, 10), in Diemarden und in Mengershausen, Landkreis Göttingen (MAIER 1971, Taf. 3,
7, Taf. 11, 1), in Strodthagen, Ldkr. Northeim, Fdst. 3 (GROTE 1975, 14 Abb. 7, 4.7.8.9) oder in Gieboldehau-
sen, Landkreis Göttingen, Fdst. 1 (GROTE 1977, 13 f. Abb. 6, 2.8; 7, 2; 8, 1). Auch auf einem nicht vollstän-
dig erhaltenen Kumpf aus Bründeln, Landkreis Peine, ist eine solche Bandfüllung angebracht (POTRATZ
1941, 55 Abb. 25). Im hessischen Raum scheint diese Verzierungsart nicht so zahlreich vertreten zu sein.
Sie tritt z. B. vereinzelt auf der Keramik von Griedel, Kreis Friedberg, auf (MEIER-ARENDT 1966, Taf. 42,
1, 47, 1) oder auch auf einer Scherbe aus Metze, Kreis Fritzlar-Homberg, FP. Flur „Schwarze Erde” (GA-
BRIEL 1979, Taf. 70, 471.9,2). Auf Keramik der Siedlung Langweiler 9 auf der Aldenhovener Platte kommen
Einzelpaare von Einstichen als Zwickelfüllung vor (STEHLI in: KUPER u. a. 1977, Taf. 30, 455.1). In Thürin-
gen sind die in Abständen angebrachten Stichpaare ebenfalls als Bandfüllungen zu finden (BUTSCHKOW
6 DGK 5 BG Elze Süd.
7 Die von W. Barner gemachte Aussage, daß er die Fundstelle „im Winter 1934” entdeckt habe (BARNER 1935, 114), steht im Ge-
gensatz zu den Aufzeichnungen in den Fundakten des Alfelder Museums. Dort findet sich unter dem Fundort Eime, Wüstung
Guidingen (= Assumer Feld), unter dem die hier interessierenden Funde aufgeführt sind, der Hinweis: „Fundumstände: Ausgra-
bung 1931”.
8 Es konnten aber in der näheren Umgebung der Siedlungsstelle drei eisenzeitliche Fundplätze lokalisiert werden.
9 Mehrere linienbandkeramische Scherben, die ohne Fundortangabe neben dem Kumpf in einer Vitrine des Alfelder Museums la-
gen, müssen unberücksichtigt bleiben, da sie nicht mit Sicherheit dem Fundkomplex Assumer Feld zugewiesen werden können.

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