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(1967, 98) wahrscheinlich mit der Trichterbecherkultur verknüpft werden können. Zu dieser Beilform sind
auch die Einzelfunde aus Wetteborn (144) (Taf. 33, 144) und aus Heyersum (181) (Taf. 45, 181) zu rechnen.
Letzteres Beil lag auf degradierter Schwarzerde aus Löß, das zuerst genannte auf Pseudogley-Parabraunerde
aus Löß. Das Heyersumer Exemplar (Taf. 45, 181) wird von K. H. BRANDT der Gruppe der dünnackigen
Flint-Ovalbeile, Variante b, zugeordnet. Aufgrund des Querschnittes halte ich eine Zuweisung zu den dünn-
nackigen Flint-Rechteckbeilen für eher gerechtfertigt.
Doppeläxte sind aus dem Arbeitsgebiet nur zweimal belegt. Von beiden Exemplaren ist nur eine Hälfte der
im Schaftloch zerbrochenen Geräte vorhanden. Das eine Bruchstück wurde bei Barfelde (76) (Taf. 15, 76)
auf Parabraunerde aus Löß gefunden. Es ist aus makroskopisch nicht näher bestimmbarem schwarzem, kri-
stallinem Felsgestein gefertigt worden. Das andere Doppelaxtbruchstück lag in der Gemarkung Irmenseul
(162) (Taf. 35, 162) auf Rendzina. Basalt diente als Rohmaterial zur Herstellung des Gerätes.
Das Nackenteil aus Barfelde (Taf. 15, 76) läßt sich zu den Doppeläxten mit flachrechteckigem Querschnitt
(= Fredsgaardtyp) Gruppe A, Form Al, Variante b nach K. H. BRANDT (1967, 33) stellen. Chronologisch
und kulturell kann die Doppelaxt wahrscheinlich mit der Trichterbecherkultur zusammengebracht werden.
Während die Doppelaxt der Form A1 in Schleswig-Holstein, Dänemark und Schweden aus Siedlungs- und
Grabfunden der Stufe MN la belegt ist (BRANDT 1967, 39), tritt sie im mitteldeutschen Raum im geschlos-
senen Grabverband mit Keramik der Salzmündener Kultur auf (BEHRENS 1973, 87 Abb. 31a—c). Etwa
gleichzeitig mit dem mitteldeutschen Fund dürfte auch das Barfelder Doppelaxtbruchstück eingestuft wer-
den. Das Fragment aus Irmenseul (fTaf. 35, 162) gehört nach K. H. BRANDT innerhalb der gleichen Gruppe
der Form A2 an und weist wie */s der in Nordwestdeutschland aufgefundenen Äxte mit Doppeltülle eine
Außenverzierung auf. Auf der Lochseite verläuft eine Leiste. Eine Parallele dieser auch unter der Bezeich-
nung „Streitaxt vom Hannoverschen Typus” bekannten Beilform (JACOB-FRIESEN 1924, 36) kommt z. B.
auch im Inventar der Dümmer Siedlung Hunte 1 vor (REINERTH 1939, Abb. 14). Auch das Irmenseuler
Exemplar ist wie das Barfelder Bruchstück möglicherweise im trichterbecherzeitlichen Rahmen zu sehen
(Brandt 1967, 42).
Der Rest einer Doppelaxt ist meines Erachtens auch in dem aus grobkristallinem Diabas bestehenden Bruch-
stück aus Heyersum (180) (Taf 45, 180) zu erkennen. Das im Schaftloch zerbrochene Stück lag auf degradier-
ter Schwarzerde. Es ist stark bestoßen. Auffällig sind die noch erkennbaren drei Ritzlinien auf den Außensei-
ten und die vier Linien auf den Lochseiten. Aufgrund dieser Verzierung kann das Fragment mit Doppeläxten
aus der Salzmündener Kultur verglichen werden. Einige mitteldeutsche Doppeläxte besitzen z. B. drei einge-
ritzte Linien auf den Außenseiten (BEHRENS 1973, 93). Sie unterscheiden sich nur in der Verzierung der
Lochseiten. Nicht nur wegen dieser Motive, wie dem Kreis, dem Tannenzweig- oder dem Hufeisenmuster,
bringt sie H. BEHRENS (1973, 87) mit südosteuropäischen Kupferäxten mit Ringmarken in Verbindung.
Obwohl diese Doppelaxtform mit Ritzdekor aus dem nordwestdeutschen Raum bisher nicht bekannt ist,
erscheint mir ein Vergleich mit den verzierten mitteldeutschen Exemplaren und eine entsprechende zeitliche
Einordnung berechtigt zu sein.

10. Das Spätneolithikum (Karten 4 u. 5)
10.1 Vorbemerkung
Zum Spätneolithikum rechne ich die Becherkulturen. Unter diesen Oberbegriff werden von mir im Sinne
von H. Behrens die schnurkeramische Kultur, die Einzelgrabkultur und die Glockenbecherkultur zusam-
mengefaßt. Die von H. BEHRENS (1973, 127) noch mit aufgeführte Schönfelder Kultur ist im Arbeitsgebiet
nicht vertreten.

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