Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 7.1912

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BESPRECHUNGEN. 329

»knowledge through controh. Nachdem also durch das angedeutete Ausschließungs-
verfahren das Ergebnis gewonnen ist, das die meisten Leser vorausgesehen haben
werden, sucht Baldwin der Eigenart des Ästhetischen näher zu kommen durch eine
Zergliederung jener zwei Fähigkeiten, die wir Phantasie und Einfühlung zu nennen
pflegen. Leitend bleibt der Vergleich mit der Seinsform des Spiels, ein Vergleich,
der auch den Unterschieden gerecht wird. Das Spiel idealisiert nicht, es setzt
Werte ganz willkürlich an, es personifiziert Dinge, ohne sie mit dem Ich des Er-
lebenden zu verschmelzen; nimmt man das Gegenteil dieser Feststellungen, so hat
man ebenso viele Kennzeichen des Ästhetischen. Das Gesamtergebnis verbindet
die zuerst erwähnten Untersuchungen mit diesen letzten und läuft auf folgende
Charakteristik des Ästhetischen hinaus: it includes truth, because the sort of sem-
blance is not that of mere fancy or play; it is that of an idealization of the System
of truth. It also includes the good, because it is an actual embodiment of worth for
the seif the fulfilment of the motives of inner control and realization.

Es folgt eine an Lipps erinnernde Untersuchung über die ästhetische Negation,
nämlich das Herausheben des ästhetischen Gegenstandes aus seiner natürlichen
Umgebung oder das Abstoßen alles dessen, was nicht durch Einfühlung belebt ist,
und über das negativ Ästhetische, nämlich das Häßliche, d. h. dasjenige, was wegen
seiner formalen Beschaffenheit z. B. wegen unrhythmischer oder dissonierender Art
nicht idealisiert werden kann und was als völlig unpersönlich das Sympathisieren
unmöglich macht. Baldwin verläßt dann den Kreis der unwillkürlich auftretenden
ästhetischen Erfahrung und wendet sich dem ästhetischen Urteil zu, innerhalb
dessen er drei Formen unterscheidet, und dem Begriff der »Kontrolle«, der in seinem
System überhaupt eine große Rolle spielt. Den Beschluß bilden einige Kapitel über
as Kunstwerk, die mir nüchtern und ertraglos zu sein scheinen, während den vor-
ausgehenden Erörterungen, so abstrakt diese auch sind, eine gewisse Bedeutung
zuerkannt werden muß.

Berlin. Max Dessoir.
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