Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 7.1912

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528 BESPRECHUNGEN.

gäbe auch des völlig Veralteten zu ermüden. Die »Ungekannte« wird durch dies

Buch nicht besser bekannt werden, das die feinsinnige Aristokratin fast nur als
Büchergelehrte zeigt.

Berlin. R. M. Meyer.

Karl Woermann, Von Apelles zu Böcklin und weiter. Gesammelte kunst-
geschichtliche Aufsätze, Vorträge und Besprechungen. Eßlingen a. N., Paul
Neff Verlag (Max Schreiber), 1912. — I. Bd.: gr. 8°, VIII u. 286 S.; II. Bd.:
gr. 8°, VIII u. 315 S. Jeder Band enthält je ein Titelbild und zwei Kunst-
beilagen in Lichtdruck.
Karl Woermanns Name ist mit unserem Kunstleben so innig verknüpft durch
die vielen Verdienste, die er sich als Museumsleiter, Forscher und Anreger er-
worben hat, daß wir diese umfangreiche Sammlung seiner kunsthistorischen Auf-
sätze, Vorträge und Besprechungen schon aus diesem Grunde mit dankbarer Freude
und verehrungsvoller Achtung begrüßen: um so mehr da es sich hierbei nicht um
einen bloßen Nachdruck von Arbeiten handelt, die bereits an anderer Stelle er-
schienen sind, sondern in den meisten Fällen hat sich der Verfasser der Mühe einer
nochmaligen Durchsicht unterzogen und die neuesten Forschungsergebnisse berück-
sichtigt. Wenn auch das meiste des hier Gebotenen weniger an die Vertreter der
Ästhetik und allgemeinen Kunstwissenschaft sich richtet, und ich aus diesem Grunde
auf eine eingehendere Besprechung Verzicht leisten muß, so werden doch die Leser
dieser Zeitschrift gar manches finden, das ihrem regen Interesse begegnet. Ich will
mich nun damit begnügen, den vielseitigen Inhalt der beiden Bände ganz kurz zu
kennzeichnen: den Anfang bilden zwei Aufsätze über »Apelles« und die »Land-
schaftsmalerei bei Griechen und Römern«. Es folgen ausführliche Untersuchungen
»zur Kunst der italienischen Renaissance«. Der dritte Abschnitt gilt der älteren
deutschen Kunst. Den zweiten Band eröffnen Beiträge zur belgischen, holländischen,
französischen und spanischen Kunst des 17. Jahrhunderts. Von der deutschen Kunst
des 18. und 19. Jahrhunderts handeln die folgenden Stücke. Der sechste und letzte
Abschnitt ist den deutschen Sammlungen gewidmet, wobei naturgemäß Dresdener
Zustände und Galerieverhältnisse besonders ausführlich zur Sprache kommen. Wenn
nun auch gar vielfach meine eigenen Kunstanschauungen wesentlich von denen
Woermanns abweichen — ich würde z. B. sicherlich nicht Raffael als den »Urquell
der Schönheit« bezeichnen, als einen Genius der Schönheit, »der sich nur alle paar
tausend Jahre einmal so rein und restlos offenbart«, und ich würde auch nicht in
eine Darstellung Thomas Angriffe gegen andere Richtungen einflechten — so möchte
ich doch über alles Trennende hinweg auf den Wert dieses Werkes nachdrücklichst
hinweisen, in dem sich reichstes Können, echt wissenschaftliche Behutsamkeit und
Gründlichkeit glücklich paaren mit einer schönen, wohlwollenden und kunstfreudigen
Menschlichkeit, deren Hauch uns allenthalben erwärmend und erfrischend umfängt.

Rostock.

Emil Utitz.
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