Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 24.1930

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BESPRECHUNGEN.

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des 18. Jahrhunderts (S. 66) und unter Vergewaltigung des Textes bei Dioskurides
meinte (S. 20), sondern ein fester, nicht mehr emulgierbarer Körper (Eibner,
Laurie S. 20). Der Schimmer ist wiederum technisch zu erklären, d. h. „durch die
Art der Behandlung des Mörtelgrundes, auf den gemalt wurde, sowie durch die
Behandlung der fertigen Malerei ... (S. 23 oben), durch nachträgliche Glättung
unter Druck" (S. 23 unten), durch Spachtelpolierung, wie sie auch Böcklin kannte,
in dem der Verfasser mit Recht einen der größten Maltechniker des 19. Jahrhun-
derts sieht (S. 67). Diesen Sinn glaubt der Verfasser auf Grund seiner technischen
Versuche in der Stelle: coloribus cum politionibus inductis (ohne Quellenangabe)
gefunden zu haben, die Berger als eine besondere Schwierigkeit für die Vertreter
der Freskotheorie betrachtete (S. 23).

In der Frage Enkaustik, über die sehr wenig bekannt ist (S. 12), sieht der
Verfasser die Lösung in der Feststellung: Die eigentliche reine Enkaustik bestand
ihrem Haupttyp nach (S. 90) in der Bemalung mit heißflüssigen Wachsfarben
(S. 67, 70, 80 f.) als Deckfarben (S. 86) unter Anwendung des Pinsels (S. 70, 86.
Verbesserungen durchs Wachslasuren S. 86 f.).

Berger hingegen, der in dieser Frage, abgesehen von Bestimmungen im einzel-
nen (S. 67, 78), mit Donner von Richter übereinstimmt (S. 87), hatte sie als Wachs-
temperatechnik (S. 87 f., 77 mit Namen zur Geschichte der Theorie) erklärt, bei
der nicht der Pinsel verwendet wurde, sondern ein löffelartiges Instrument (cau-
terium) zum Aufgießen und Ineinanderverarbeiten der Wachsfarben (S. 67, 78).
Der Verfasser vermerkt, daß Berger wenigstens bei der ersten Anlage die Ver-
wendung des Pinsels zugab (S. 79 f.) Gegen Berger macht der Verfasser geltend:
seiner Auffassung liege auch hier der Irrtum zugrunde, das punische Wachs sei
eine Emulsion oder Verseifung (S. 66 ff.); das Malen mit einer Wachsemulsion
widerspräche der Charakteristik der Enkaustik als tarda picturae ratio (Plinius,
S. 78); besonders technische Gründe sprächen gegen die Wachsemulsionstempera
(S. 88 f.). Ganz besonders sucht der Verfasser die Griffeltheorie, aus der sich
das cauterium Bergers herleitet (S. 67), als den Tatsachen widersprechend (S. 78 ff.
Vor allem: Ohne Pinsel ist eine wirkliche Malerei überhaupt nicht denkbar S. 79),
und als auf eine falsche Auslegung von Plinius XXXV 58 beruhend (S. 76 f.) zu
erweisen (die Hauptstelle XXXV 149).

Bei seiner Forschung ging der Verfasser nicht von Textstellen aus und nicht
vom Farbmaterial, sondern von den antiken Farbresten (S. 91. Unter anderm
spätägyptische Mumienporträte, soweit sie nicht Temperabilder; zahlreiche Reste
griechischer Architekturbemalung, z. B. Parthenon, Theseustempel S. 70). Es galt
die gleiche Qualität der aufgetrockneten Farbe in allen ihren Eigenschaften, wie sie'
die antiken Funde ausweisen, herzustellen. Das gelang durch Malen mit heißflüs-
sigen Wachsfarben und darauffolgendes Einbrennen (S. 91). Dazu kam dann
noch die äußerst schwierige Arbeit, die technische Anwendung zu ermöglichen
(S. 93 Ii). Die Versuche führten den Verfasser zu dem vollen Verständnis der Pli-
niusstelle: Ceris pingere ac picturam inurere (XXXV 122), das ihm hinwiederum
seine Versuche förderte. Eine Bestätigung seiner Enkaustiktheorie sieht der Ver-
fasser in der Analyse der Mumienporträte durch den Ägyptologen Petrie (S. 80,
ohne genaue Quellenangabe) und in den Funden der Malergräber von St. Medard-
des-Pres sowie von Herne-St. Hubert (S. 91 ff.).

Eine Stellungnahme zum Ganzen der Frage, ob die Schrift ihren Titel „Fresko
und Enkaustik auf antiker Grundlage" mit unanfechtbarem Recht trägt, kann ich
nicht einmal versuchen. Ich muß mich auf einzelne Bemerkungen beschränken. Me-
thodisch ist es unbedingt richtig, daß bei technisch-künstlerischen Fragen, auch
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