Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 24.1930

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BESPRECHUNGEN.

Weiterhin baut Küpper seine Erkenntnis des Wuz durch Vergleiche mit dem
Glücksideal bei J. P. Uz und J. J. Rousseau aus. Besonders einprägsam unter-
streicht das überragende Können Jean Pauls die Betrachtung von Uzens „Versuch
über die Kunst stets fröhlich zu sein", die Jean Paul nach einer Entdeckung F. J.
Schneiders wahrscheinlich als Anregung zu seinem Versuch benützt hat. Küpper
versteht es darzutun, wie Jean Paul aus einer bloßen angebildeten und nachempfin-
denden Rederei ein ganz ursprüngliches echtes Erleben zu machen weiß. Im leben-
digen Bereich des Wuz müssen dann auch alle satirischen Äußerungen anders auf-
steigen als bei den Moralsatirikern der Aufklärung- und die Grundlagen des Humors
(auch im Vergleich zu Hippel und Sterne) sich wandeln. Mit Untersuchungen über
diese Fragen schließt Küpper seine Arbeit ab.

„Wenn es dem Verfasser gelungen ist, der richtigen Einschätzung des Wertes
der Jean Paulschen Idylle innerhalb des Gesamtwerkes des Dichters den Weg ge-
ebnet zu haben ... so hat er die sich gestellte Aufgabe erfüllt" — mit diesen Worten
hat Küpper sich das Ziel seiner Aufgabe gestellt; er hat es zweifellos erreicht.

München. Johannes Alt.

Wilhelm Böhm: Schillers Briefe über die ästhetische Er-
ziehung des Menschen. Max Niemeyer, Halle a. S. 1927.

Das Interesse an Schillers ästhetischen Schriften, das lange Zeit vorwiegend
vom Gesichtspunkt systematischer oder historischer Fragen der Philosophie diktiert
wurde, während es bei der Beschäftigung mit Schillers Gesamtpersönlichkeit gegen-
über den Dichtungen stark in den Schatten trat, ist in den letzten Jahrzehnten mehr
und mehr in den Mittelpunkt der Schillerforschung gerückt. Daß Sch.s Wesen und
Bedeutung gerade von hier aus zu fassen ist, diese Einsicht hat sich immer stärker
der Heutigen bemächtigt. So werden wir einer Untersuchung, die die größte und
gewichtigste philosophische Schrift Sch.s, die „Briefe über die ästhetische Erziehung
des Menschen", in ausführlicher Einzelanalyse behandeln will, wie es Wilhelm Böhms
Buch unternimmt, mit besonderer Aufmerksamkeit gegenüberzutreten haben.

Auch Böhms Abhandlung stellt freilich in ihrem Ergebnis Sch.s kunstphilo-
sophische Ansichten mehr in den Zusammenhang der allgemeinen philosophischen
Entwicklung, als daß sie sie zuvörderst aus ihrer Stellung in Sch.s gesamtem Werk
und ihrem Wert für dieses Werk zu deuten unternähme und erst von hier aus die
geistesgeschichtliche Eingliederung versuchte. Wenn auch gerade auf den Resul-
taten der philosophischen Einreihung, wie wir noch sehen werden, der Hauptwert
der Böhmschen Arbeit beruht, so werden doch gleichwohl seine Folgerungen uns
die Frage nahelegen, ob nicht solche Betrachtungsweise eine Isolierung und Ver-
engung enthält, die das letzte Verständnis von Sch.s Standpunkt verbauen kann.
Darauf wird noch zurückzukommen sein. Denn daß B. seine Untersuchung aus-
drücklich nur als „Vorarbeit für die Betrachtung des gesamten Zusammenhangs der
philosophischen Schriften Schillers" bezeichnet, hebt diesen prinzipiellen Einwand
nicht auf. Es handelt sich eben um die Frage, wieweit ein solches Ausgehen vom
einzelnen statt vom Ganzen in diesem Fall möglich ist. B.s Verfahren gibt sich als
„eine von Absatz zu Absatz fortschreitende Analyse des Schillerschen Textes". Eine
solche Analyse vermißt er in der bisherigen Literatur über Sch.s Philosophie —
mit der er sich in einem Anhang kritisch auseinandersetzt — und wirft ihr in der
Einleitung eine nur „impressionistische" Prüfung des Textes vor. Dementsprechend
ist die „Erörterung", die den Hauptteil der Arbeit ausmacht, zunächst genaue Inter-
pretation jedes einzelnen Briefes, der dann eine zusammenfassende Gesamtbetrach-
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