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Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 25.1931

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https://doi.org/10.11588/diglit.14174#0222
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208

BESPRECHUNGEN.

Einzelfigur, der Gruppe, des Bildabschlusses, und des Verhältnisses von Figur und
Umgebung gleichmäßig auszubilden. Gleichzeitig reinigt sich seine künstlerische
Absicht, Menschen darzustellen, die heroisch und durch das Gleichgewicht von
Körper und Seele und durch ihre Würde bedeutend sind. Hier liegt seine Ver-
knüpfung mit Winckelmann und selbst mit Mengs, der freilich durch das gleich-
zeitige Streben nach „Grazie" das eigentliche Ziel verfehlt. Um 1796, besonders
in den 24 Blättern des Argonautenzuges, hat Carstens den Höhepunkt erreicht;
seine Körper sind im ganzen gesehen, aber organisch festgefügt, voller Feierlich-
keit und Gehaltenheit des Gefühls. Jetzt sind gezügelte Leichtigkeit der Phantasie
und — besonders hervorzuheben — des technischen Schaffens erreicht.

• Und auch darüber führt die letzte Komposition des 1798 Gestorbenen noch hin-
aus: im „Goldenen Zeitalter", wo Gruppen und Landschaft, wie bisher noch nicht,
in einer Konzeption entstanden sind, eins vom anderen nicht zu trennen ist.

Überall zeigt sich in diesen Untersuchungen ein selbständiges Urteil, dessen
Reife der Durchgang des Verf. durch eine andere Wissenschaft mit erklärlich macht;
daß hier und da Wichtiges und Unwichtiges nicht genügend getrennt sind, fällt nicht
ins Gewicht. Kunstgeschichte und Geistesgeschichte werden auch mit dem Schluß-
abschnitt über Carstens' Nachfolge sich beschäftigen müssen. Klarer als Referent
s. Zt. in dem Buche über den Stuttgarter Maler G. Schick (Leipzig 1914), sieht
H. in manchen Schöpfungen des Jüngeren ein Weiterwirken Carstensschen Gutes,
wenn dies auch in Einzelnem schwer zu fassen ist. Einen legitimen Erben aber
erkennt er in Cornelius, in seinem Fresko der Casa Bartholdy: der „Wiedere ken-
nung" aus der Geschichte Josephs. So erfüllt noch Cornelius, der „Hauptmann"
der römisch-nazarenischen Schar, das Winckelmannsche Ideal einer neuen Menschen-
würde. Doch diese Gedanken weiterzuspinnen, ist hier nicht der Ort.

Frankfurt a. M. Karl Simon.
 
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