Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 25.1931

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BESPRECHUNGEN.

Zwischengebiete zwischen den traditionellen Disziplinen, in deren Kategorien seine
Eigenart sich nicht einordnen läßt. Denen aber, die nur eins kennen: das schöne
Werk, liegt sie offen zutage.

*

Wir schulden Herrn Glöckner Dank dafür, daß er Vater und Sohn in ihren
Rang eingesetzt hat, daß er ausgesprochen hat, wieviel Junges und Bleibendes ihre
Werke enthalten. Dies Werk wird immer die anziehen, die kraftvolle Reflexion und
eine ausdrucksvolle Sprache lieben. Friedrich Vischer vererbte Robert Vischer eine
Lebensauffassung und die geistige Spannkraft, die aus ihr entspringt. Wir wollen
die mühevollen Untersuchungen der Kunstpsychologen, der Historiker, der Anthro-
pologen der letzten 50 Jahre durchaus anerkennen. Aber wenn wir am Schluß ihrer
Untersuchungen gelernt haben, wie ein Kunstwerk entsteht, welchem Bedürfnis es
entspricht, welches Streben es erfüllt, was sein Entstehen begünstigt oder stört, so
wissen wir darum noch nicht, warum es groß ist oder mittelmäßig, ergreifend oder
langweilig. Dann denken wir wieder an Gehalt, an Persönlichkeit, an Format. Und
zur Klärung so wesentlicher Fragen wird es wohl einmal nötig sein, daß die Ästhe-
tik ihre Arbeit dort wieder aufnimmt, wo Friedrich und Robert Vischer sie ver-
lassen haben.

Paris. Oswald Hesnard.

Paul Plaut: Die Psychologie der produktiven Persönlich-
keit. Ferd. Enke, Stuttgart 1929.

Der Verfasser, der in seinem früheren Werke „Prinzipien und Methoden der
Kunstpsychologie" sich grundsätzlich mit den Problemen der Psychographie aus-
einandergesetzt hat, behandelt in dem vorliegenden bedeutenden Werke auf Grund
eines überaus reichen Materials, das durch eine Rundfrage bei zeitgenössischen
Künstlern und Forschern gewonnen wurde, die Psychologie der produktiven Per-
sönlichkeit. Daneben freilich weiß er auch das von der Geistesgeschichte gelieferte
Material zu nutzen. Das geschieht besonders im ersten Teil, der das Genieproblem
und das Intelligenzproblem behandelt. Er weist dabei als Hauptfehler der bisheri-
gen Theorien über das Genie nach, daß man nicht von der gestaltenden Persönlich-
keit ausging, sondern von außerpersönlichen Kriterien, die man dem Wert Genie
zugrunde legte. Bei den Theoretikern des Intelligenzproblems weist Plaut dagegen
den umgekehrten Fehler nach, daß sie nämlich die Persönlichkeit in elementare Be-
standteile auflösten. Ohne die Bedeutung jener Forschungswege ganz zu ver-
kennen, will der Verfasser doch einen andern Weg gehen, indem er die „produktive
Persönlichkeit" gestaltmäßig zu erfassen sucht, was im zweiten Hauptteil
des Werkes entwickelt wird. Plaut fragt nach der Möglichkeit produktiven Schaf-
fens innerhalb eines gerichteten Denkbereichs, nach dem Zusammenhang der imma-
nenten Teleologie und der in ihr wirkenden Persönlichkeit. So werden zunächst für
die wissenschaftliche Persönlichkeit die Wesenselemente und Kri-
terien ermittelt. Stets wird das Problem in seiner ganzen Komplexhaftigkeit im
Auge behalten und betont, daß es letzthin immer die erlebende Persönlichkeit ist,
die aus der ihr eignen Artung und Erlebnisfähigkeit heraus der Idee ihren wissen-
schaftlichen Gehalt abringt und darüber hinaus zu einem auch ästhetischen Erlebnis
formt. In ähnlicher Weise wird auch das Problem der künstlerischen Per-
sönlichkeit behandelt, indem erst das Gesamtbild des künstlerischen Schaffens
auf den verschiedenen Kunstgebieten gezeigt wird, dann das künstlerische Erlebnis
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