Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 34.1940

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Besprechungen

Drei neue Arbeiten zum Manierismus-Problem

Hans Hoffmann: Hochrenaissance, Manierismus, Frühbarock;

Die italienische Kunst des 16. Jahrhunderts. Zürich-Leipzig

1938. (Verlag A. G. Gebr. Leemann & Co.)
Hugo Kehrer: Greco als Gestalt des Manierismus. München 1939.

(Neuer Filser Verlag.)
Günther Rehbein: Malerei und Skulptur des deutschen Früh^

manierismus. Würzburg-Aumühle 1939. (Verlag Konrad Triltsch.)

Die Erkenntnis, daß aus der Renaissance sich nicht sogleich das Barock ent-
wickelt hat, sondern daß das 16. Jahrhundert in Italien einen eigenen Stil hervor-
brachte, der weder klassisch im Sinne der Renaissance, noch dynamisch im Sinne
des Barock ist, und daß dieser Stil, der sich zu europäischer Bedeutung ausweitete,
nicht ein rein formales Geschehen, sondern eine gesamtgeistige Bewegung darstellt,
hat seit Dvofäks grundlegenden Untersuchungen zum Stilbegriff des Manierismus
geführt. Ungefähr 100 Jahre — etwa von 1520 bis rund 1620 — herrscht dieser
durchaus selbständige Stil in der europäischen Kunst, der den Obergang zwischen
Renaissance und Barock vermittelt. Hans Hoffmann macht es sich nun in seinem
Buche „Hochrenaissance, Manierismus, Frühbarock" zur Aufgabe, dieses Stil-
phänomen in der italienischen Kunst formalhistorisch zu untersuchen. In methodisch
einwandfreier und klarer Darstellung werden die einzelnen Stilerscheinungen auf
prägnante Begriffe gebracht und dabei wird — abgesehen von einigen wenigen Vor-
arbeiten1) — zum ersten Male in diesem Zusammenhange der Architektur besondere
Aufmerksamkeit geschenkt. Dies ist schon deshalb besonders berechtigt, weil die
bisherige Erkenntnis des manieristischen Stilphänomens eigentlich einzig auf Unter-
suchungen von Malerei und Plastik gestellt waren.

Hoffmann sieht den Manierismus — was schon aus dem Titel des Buches hervor-
geht — als Zwischenglied zwischen Spätrenaissance und Frühbarock und bemüht
sich, hier die Gegensätze herauszuarbeiten. Im Vordergrunde der Betrachtung steht
das Raumproblem. An Architektur und Plastik erweist sich hier deutlich die
Gegensätzlichkeit zwischen dem in sich ausgewogenen „R u h e r a u m" der Re-
naissance und der in die Tiefe orientierten „R a u m f 1 u c h t" des Manierismus,

J) Luise Hagelberg: Die Architektur Michelangelos in ihren Beziehungen zu
Manierismus und Barock. Münchner Jahrb. d. bild. Kst. N. F. VIII, 1931, S. 264 ff.
— Ernst Michalski: Das Problem des Manierismus in der italienischen Architek-
tur. Ztschr. f. Kstgesch. Bd. II, 1933, S. 88 ff. — Hans Hoffmann: Läßt sich in
der Architekturgeschichte eine Epoche des Manierismus begründen? Resumes des
XIV. kunstgeschichtlichen Kongresses 1936, S. 163.
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