Zeitschrift für christliche Kunst — 11.1898

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1898.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 12.

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Baume der Erkenntnifs, und darum ist das
Bild nicht als die Voraussetzung des Erlösungs-
werkes aufzufassen,47) mit dem ja auch die
Disputa nichts zu thun hat. Eva reicht dem
Adam die verlockende Frucht, die das „Wissen

,«) So Bellori p. 11; Passavant I, 144;
Springer S. 212; Crowe and Cavalcaseile
II, 17.

von Gut und Bös" bringen soll. Es ist das
erste Hervorbrechen des menschlichen Triebes
nach religiöser Erkenntnifs, der in der Theologie
erst seine wahre Befriedigung findet. Das Er-
kennen vollzieht sich unter dem Bilde des
Essens, gerade so wie nach Dante und Rafael
das theologische Erkennen.

Bonn. Heinrich Schrörs.

Bücherschau.

Der Backsteinbau romanischer Zeit be-
sonders in Oberitalien und Norddeutsch,
land. Eine technisch-kritische Untersuchung von
O. Stiehl, Regier.-und Stadtbaumeisler zu Berlin.
Mit 27 Tafeln nach Originalaufnahmen und 113 Text-
figuren. Baumgärtner, Leipzig 1898. (Preis 36 Mk.)
Das merkwürdige Auftreten des romanischen Back-
steinbaues in Oberitalien, Dänemark, den Niederlanden
und Norddeutschland hatte zwar längst zu Beobach-
tungen und Prüfungen Veranlassung gegeben, aber
nicht zu eigentlichen, gründlichen, vergleichenden
Untersuchungen, für welche nicht so sehr von der
historischen Kritik, als von der technischen Forschung
zuverlässige Resultate zu erwarten waren. Vorwiegend
kam es darauf an, festzustellen, welchem Lande die
Priorität in der Anwendung des Backsteins zukomme,
zumal die bisher herrschende Ansicht, dafs der Ziegel-
bau von den Niederlanden in Norddeutschland Ein-
gang gefunden habe, nicht recht begründet zu sein
schien. — Für den Verfasser war daher angesichts einer
italienischen Studienreise der Rath seines Lehrers
Professor Karl Schäfer, diese Frage zum Gegenstand
einer gründlichen Prüfung an den Denkmälern selbst
zu machen, eine sehr zeitgemäfse, und die erleuchtete
Hingebung, mit welcher er ihn befolgt hat, tritt in
der vorliegenden Grofsfoliopublikation auf's glänzendste
in die Erscheinung. Bis in die kleinsten Einzelheiten
spürt der unermüdliche Forscher die bezüglichen ober-
italienischen Denkmäler aus, die namentlich in Mai-
land, Pavia, Cremona, Vercelli, aber auch in kleinen
Orten sich finden, und an die Zeichnung und Be-
schreibung derselben knüpft er eine vortreffliche Er-
örterung über ihre Technik und Formen, Sowie über
die wichtige Frage ihrer Chronologie. — Bei der ge-
ringen Zahl und Bedeutung der dänischen und nieder-
ländischen Backsteinbauten beschränkte er sich auf
deren kurze Charakteristik, um desto gründlicher die
norddeutschen Denkmäler in Mecklenburg, Wagrien,
Altmark und Mark Brandenburg, sowie in Pommern
zu beleuchten. In dem Schlufskapitel über „Formge-
bung und Chronologie der nordischen Backsteinbau-
kunst" fafst der Verfasser die Ergebnisse seiner müh-
samen, nicht nur die gröfseren Bauglieder sondern
auch die kleinsten Eigenthümlichkeiten beachtenden
Prüfung zusammen, welche den vollkommenen Indi-
zienbeweis für die Priorität des italienischen Ziegel-
baues bringt, der erst mit dem letzten Drittel des

XII. Jahrh. seine Wanderung in den Norden ange-
treten ist, diesem den Weg eigenartiger Formengebung
überlassend. — Ebenso geschickt ausgewählte wie
ausgeführte Illustrationen erläutern in reicher Fülle das
klare Beweisverfahren, welches dem Wesen nach als
stringent bezeichnet werden darf. Schnütgen.

Die Aufnahmen mittelalterlicher Wand-
und Deckenmalereien in Deutschland,
herausgegeben von R. Borrmann, bewähren sich
auch in der IV. Lieferung durch gute Auswahl,
Zeichnung und Reproduktion. Sonderbar in Darstellung
und Färbung sind die romanischen Ornamentmalereien
aus St. Maria zur Höhe in Soest, von vollendeter
Grazie die Friese u. s. w. aus der Liebfrauenkirche
zu Halberstadt und dem Dom zu Braunschweig, von
entzückender Wirkung die figürlich wie ornamental
gleich reiche frühgothische Dekoration des Chores der
Wienhausener Klosterkirche. Italienisch beeinflufst
in den Formen wie im Kolorit, mehr noch in den
Ornamenten als in den Figuren erscheinen die Proben
aus dem Kloster Neustift wie der Terlaner Kirche in
Tirol, und noch stärker tritt dieser Einflui's hervor in
der interessanten Bemalung des spitzbogigen Tonnen-
gewölbes der St. Martinskirche zu Campill bei Bozen.
Ebenfalls spätgothische Motive zeigt die vornehmlich
aus Stoffmustern zusammengesetzte, überaus vornehm
gestimmte Ausstattung des Bibliothekgeniachs der
Burg Hohensalzburg. — Alle Tafeln, für welche der
beigegebene mit einigen Illustrationen versehene Text
nähere Erklärung bietet, haben grofsen archäologischen
Werth, die meisten zugleich unmittelbare vorbildliche
Bedeutung. Schnütgen.

Von den Bilderbogen fUr Schule und H au s
(angezeigt Bd. XI, Sp. 62) bringt das II. Heft auf
25 Grofsfol.-Tafeln (3 Mk.) Darstellungen aus dem Be.
reiche der hl. Schrift (Moses vor dem brennenden
Dornbusch, Auferweckung des Lazarus), der hl. Ge-
schichte (St. Severinus, Kreuzfahrer), der Kunstge-
schichte ^romanische Klosleranlage und Patrizierwoh-
nung), der Welt-, Kultur- und Naturgeschichte, der
Sage, des Wirlhschaflsbelriebs u. s. w. Den zum Theil
recht guten, zeichnerisch wie technisch nicht gleich-
werthigen Blättern wäre durchweg gröfserer Anschlufs
an ältere Darstellungen, wie stärkere Betonung der
Konturen zu wünschen, : s.
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