Zeitschrift für christliche Kunst — 11.1898

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1898. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 2.

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der Fenster eher kalt wie warm zu nennen ist.
Ob diese etwas kalte Färbung mit Absicht ge-
wählt ist, um den Hochaltar mehr zur Geltung
zu bringen, oder ob sie dem Zufall zuzu-
schreiben, weil man keine anderen Töne zur
Verfügung hatte, wage ich nicht zu entscheiden.
Nach Wiederherstellung dieser Fenster ist die
Gesammtwirkung eine vorzügliche zu nennen
und wird sich jedenfalls noch bedeutend er-
höhen, wenn auch die übrigen Chorfenster,
welche jetzt ein falsches Licht in den Chor-
raum werfen, in derselben Weise restaurirt sein
werden. Da diese Restauration demnächst in
Angriff genommen werden soll, so ist zu er-
warten, dafs die Sammlung dieser herrlichen
Muster bald eine bedeutende Bereicherung er-
fahren wird.

Was die Art der Wiederherstellung anbe-
trifft, so bleibe nicht unerwähnt, dafs die noch
vorhandenen alten Stücke ohne jegliche An-
wendung von Säuren, die in der Regel die
Leuchtkraft und Durchsichtigkeit des Glases

stark beeinträchtigen, gereinigt wurden, wobei
die vorzügliche Qualität des Glases allerdings
sehr zu statten kam. Die braune Kruste, welche
die meisten Stücke bedeckte, rührte glücklicher-
weise nicht von der Zersetzung des Glases
her, sondern war, wie sich herausstellte, durch
von den Eisenstäben heruntergelaufene Rost-
brühe bewirkt, welche verhältnifsmäfsig leicht
zu entfernen war.

Auf diese Weise war es möglich, fast
sämmtliche alten Stücke zu verwerthen, mit
Ausnahme weniger Fragmente, welche auf Ver-
anlassung des Herrn Dr. Clemen, dem Pro-
vinzialmuseum in Bonn einverleibt wurden.

Die fehlenden Theile, etwa die Hälfte des
Ganzen, wurden genau nach den vorhandenen
alten Stücken ergänzt, was jetzt, nachdem man
endlich wieder gelernt hat, in Folge zahl-
reicher Versuche, die alten Farbtöne in Antik-
glas auszuführen, mit keinen zu grofsen Schwie-
rigkeiten mehr verbunden ist.

Köln. Christian Schneiders.

Modellstudium in der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts.

Mit Abbildung.

ie Bibliothek des bayrischen National- [ Ausschmückung mit der Konstanzer Buchmaler-
museums in München besitzt unter | schule in Verbindung, welche durch das Konzil

Nr. 2502,

2°einege-
bundene Papierhand-
schrift (766 Seiten)
des XV.Jahrh, welche
die in Prosa aufge-
löste Weltchronik des
Rudolf von Ems ent-
hält. Das Papier (36
: 27 cm) hat als Wasser-
zeichen einen Stierkopf
en face; die Minuskel-
schrift ist schwarz, die
Kapitel-Ueberschriften
und Initialen sind roth
und blau. Mehrere
Kapitel sind mit Il-
lustrationen versehen,
welche als kolorirte
Federzeichnungen die betreffenden Episoden
mit grofser Lebendigkeit erzählen. Janitschek
erwähnt in seiner »Geschichte der deutschen
Malerei«, p. 244 die Handschrift und bringt ihre

Ausführung einer Grabfieur nnch einem Modell
Mitte XV. Jrvhrh.

1414—1418 einen be-
deutenden Aufschwung
nahm. Die Provenienz
der Handschrift be-
dürfte jedoch noch
einer genauen Unter-
suchung; sie wird nach
der Rüstungsart und
der Tracht der darge-
stellten Personen (Tap-
pert mit wenig Zaddel-
werk) in den Jahren
1430 — 1450 entstan-
den sein.

Diesmal interessirt
uns blos eine Illu-
stration auf p. 71 der
genannten Handschrift
und zwar die zu den
Worten: Da nun der richedele legen ym sin vat'.
gestorben zvas Do det minus als einen der sinen
vater lieb hett und detl nach sinen totten valter
ein bild machen mit schöner richheit. Die lllustra-
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