Zeitschrift für christliche Kunst — 11.1898

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Abhandlungen.

Das Evangelienbuch des Erzbischöf-
lichen Priesterseminars zu Köln.

Mit 4 Abbildungen.

it dem Ausdrucke des
Dankes gegen den geist-
lichen Rath, Herrn Sub-
regens Dr. Pingsmann
habe ich zu beginnen;
denn ihm verdanke
ich die Kenntnifs eines
bis dahin unbeachteten
Evangelienbuches aus dem Beginn des XI. Jahrh.
Es fand sich unter den Handschriften der
Seminarbibliothek; über seine Herkunft aber
war nichts zu erfahren. Das auf den hintern
Holzdeckel im Innern aufgeklebte Pergament-
blatt trägt die neuestens eingetragene Bezeich-
nung: Num. 753 b. Die reiche Verzierung des
Einbandes ging verloren. Der hintere Deckel
hat noch eine 0,203 m hohe, 0,116 m breite,
viereckige Vertiefung, worin eine Elfenbeintafel
eingelassen war.

Der Codex selbst ist 0,316 m hoch und
0,23 m breit. Er enthält 28 Lagen. Auf der
ersten Seite einer jeden Lage ist von dem ersten
Schreiber unten eine Numerirung eingetragen
bis zur 15. Lage einschliefslich. Die meisten
Lagen haben vier Doppelblätter, doch ist ein-
mal ein ganzes Blatt ausgeschnitten, ohne dafs der
Text eine Lücke hat; drei Doppelblälter haben
die 8. und H. Lage, nur 2 hat die 22., worauf
die Zierblätter zum Johannesevangelium stehen.
Nur ein Doppelblatt findet sich in der lezten
Lage. Die 10. Lage (Blatt 81 f.) enthält fünf
Doppelblätter. Hier sind die beiden ersten
Doppelblätter, worauf der Text steht, regel-
mäfsig eingeheftet, dann aber ist das 3., danach
das 4. mit dem 5. Doppelblatt zwischen das
2. gelegt. Demnach ist die Folge der einzelnen
Blätter diese: la, 2a, 3a, 3b, 4a, 5a, 5b, 4b,
2b, Ib. Der Grund dieser Unregelmäfsigkeit
liegt darin, dafs 3 a leer blieb, während 3 b und
4 a auf beiden Seiten bemalt sind.

Der Inhalt der Handschrift ist im
Ganzen und Grofsen derselbe, welcher uns auch

in den übrigen Evangelienbüchern der karo-
lingischen und ottonischen Zeit entgegentritt.
Er ist bereits im I. Bande dieser Zeitschrift
Sp. 53—58 dargelegt worden. Hier kommt es
darum hauptsächlich darauf an, die Eigenheiten
des vorliegenden Exemplars hervorzuheben. Es
beginnt gleich auf der ersten Seite mit einer
in Purpur gefärbten, von reicher Umrahmung
eingefafsten Tafel. Sie war bestimmt, eine
Dedicationsinschrift aufzunehmen, die aber nie
eingetragen wurde. Vielleicht hat der Maler
die Tafel hergestellt, damit der Schreiber sie
ausfülle, vielleicht sollte sie ihre Schrift er-
halten, wenn man erführe, wer das Buch kaufen
oder zum Geschenk erhalten werde. Dem Buche
fehlt auch jede Hervorhebung eines oder des
andern Heiligen, woraus man schliefsen könnte,
es sei für irgend ein Benedictinerkloster, für
diese oder jene bischöfliche Kirche hergestellt
worden.

Die Rückseite des 1. Blattes trägt dieAbb. 1 *)
gegebene Miniatur. Da sitzt der Heiland
{IHC XPC) in grofser Figur zwischen den
auf Goldgrund gemalten, mit silbernen, schwarz-
geränderten Nimben versehenen Brustbildern
der Propheten „Hiezechiel, Daniel, Isaias, Hiere-
mias" und den Zeichen der Evangelisten. Die
dunkele Purpurfarbe der Pallien der beiden in
der untersten (4.) Reihe dargestellten Propheten
findet ihr Gegengewicht in der 3. Reihe in den
Flügeln der beiden Symbole der hh. Marcus
und Lucas, weil dort derselbe Ton verwendet
ist. In der folgenden (2.) Reihe haben die Flügel
des Menschen grüne Federn, deren Farbe oben,
in der 1. Reihe, im Pallium des Daniel wieder-
kehrt. Auf dem weifs-blauen Kleide Christi
laufen von den Schultern zwei goldene Streifen
hinab, neben denen nach innen je eine Reihe
weifser Punkte, nach aufsen ein rother Strich
angefügt ist. Goldene Punkte stehen zu vieren
oder fünfen hie und da auf dem gelben, weifs
gehöhten, braun contourirten Pallium Christi.

x) Unsere Abbildungen sind nach Photographien
des Herrn Anselm Schmitz zu Köln angefertigt, der
in 10 grofsen Tafeln alle Miniaturen und die wichtigern
Ziertitel der Handschrift aufgenommen hat. Diese
Aufnahmen sind von ihm zu beziehen.
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