Werner, Wilfried
Cimelia Heidelbergensia: 30 illuminierte Handschriften der Universitätsbibliothek Heidelberg — Wiesbaden, 1975

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Vorbemerkung

Die Konzeption zu diesem Buch ist aus der Praxis heraus entstanden. Der Verfasser hat einige Jahre lang zahl-
reiche Besucher der Heidelberger Universitätsbibliothek - Wissenschaftler, Fachseminare, Schulklassen und
Gruppen interessierter Laien aus aller Welt - durch den Ausstellungsraum der Handschriftenabteilung geführt.
Die Fragen, die dabei an ihn gestellt wurden, waren sehr unterschiedlicher Art. Sie betrafen sowohl die
Geschichte der Heidelberger Sammlungen als auch das Schicksal der einzelnen Manuskripte, ihren Inhalt und
ihre literarische Bedeutung ebenso wie die Technik ihrer Herstellung und ihre künstlerische Ausstattung.

Hier sind die Antworten auf solche Fragen für jede Handschrift in einen zusammenhängend lesbaren Text
gebracht. Dabei wurde nicht eine möglichst gleichförmige Behandlung aller 30 Handschriften angestrebt. Viel-
mehr orientiert sich die Darstellung nach Ausführlichkeit und Akzentuierung an den Objekten selbst: Buch-
geschichtlich interessante Stücke werden unter diesem Blickwinkel betrachtet, literarisch, künstlerisch oder
kulturhistorisch bemerkenswerte Kodizes erhalten eine in solcher Hinsicht detailliertere Beschreibung. Da die
Kenntnis geschichtlicher, theologischer, künstlerischer und kultureller Vorgänge. Verhältnisse und Begriffe
des Mittelalters sicher nicht bei jedem Interessierten vorausgesetzt werden kann, hielt es der Verfasser für
redlicher, soweit wie möglich Sacherklärungen zu geben und Spezialbegriffe zu erläutern.

Die Auswahl war - bei Beschränkung auf die Bilderhandschriften - unter verschiedenen Gesichtspunkten
zu treffen. Es mußten zunächst einmal diejenigen Manuskripte berücksichtigt werden, die als die schönsten, die
kunstgeschichtlich wichtigsten und die bekanntesten der Universitätsbibliothek Heidelberg gelten: Zu ihnen
gehören zweifellos die Manessische Liederhandschrift und das Petershausener Sakramentar. Es sollten aber
auch - wenigstens durch repräsentative Beispiele - die Bücher vertreten sein, die - wie die zahlreichen spät-
mittelalterlichen »Werkstatthandschriften« und die Blockbücher - einen besonders charakteristischen Bestand-
teil der Heidelberger Sammlungen bilden, auch wenn sie, einzeln genommen, neben jenen der ersten Gruppe
verblassen. Und schließlich ging es darum, Handschriften vorzustellen, die außerhalb Heidelbergs bisher kaum
oder gar nicht bekannt geworden sind, sei es, daß sie zu einem spät erworbenen und wenig bearbeiteten Fonds
gehören wie die Trübner-Kodizes, sei es, daß sie aus chronologischen oder sonstigen formalen Gründen in den
bisherigen Darstellungen illuminierter Handschriften nicht berücksichtigt wurden, wie die lateinischen Manu-
skripte des späten Mittelalters. Die Bezeichnung »Zimelie« mag für einige der ausgewählten Werke dieser
Gruppe nicht im engsten Sinne zutreffen; aus diesem oder jenem Grunde aber tragen alle dazu bei. das Bild
vom vielfältigen Bestand an illuminierten Handschriften in Heidelberg abzurunden.

Daß die reinen Texthandschriften unberücksichtigt geblieben sind - die »Anthologia Palatina« ebenso wie
der »König Rother« und die »Kleine Heidelberger Liederhandschrift« — mag mancher mit Kritik feststellen.
Natürlich sind sie in erheblichem Maße am Ruhme der Heidelberger Sammlung beteiligt. Jedoch entspricht ihre
optische Wirkung nur selten ihrer literarischen Bedeutung. Das wird bei der Schwarzweißabbildung einer
isolierten Seite unter Umständen besonders sichtbar. Auf die Abbildungen aber kam es wesentlich an. Minde-
stens eine ist für jede der behandelten Handschriften ausgewählt. Dabei wurde die Entscheidung möglichst
zugunsten solcher Miniaturen und Zierseiten getroffen, die bisher nicht bekannt und veröffentlicht waren.

Mit den bibliographischen Angaben war kein lückenloser Nachweis für alle in den Beschreibungen ange-
sprochenen Fragen beabsichtigt. Lediglich auf die Handschrift als solche bezogene relevante Literatur sollte
möglichst vollständig mitgeteilt werden. Aber auch die - je nachdem maßgebenden oder leicht erreichbaren -
Textausgaben und die wichtigsten benutzten literaturgeschichtlichen Arbeiten waren im Hinblick auf den
angesprochenen weiteren Benutzerkreis zu nennen.

Für jede denkbare Unterstützung habe ich dem Direktor der Universitätsbibliothek, Herrn Dr. Walter
Koschorreck, zu danken, für das Lesen der Korrektur meinem langjährigen Mitarbeiter, Herrn Helmut
Salowsky, und nicht zuletzt Herrn Verleger Dr. Reichert für sein großzügiges Entgegenkommen bei der Aus-
stattung des Buches.

Wilfried Wfrnf.r
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