Werner, Wilfried
Cimelia Heidelbergensia: 30 illuminierte Handschriften der Universitätsbibliothek Heidelberg — Wiesbaden, 1975

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Breviarium (Cod. Sal. ixc)

erhebt sich der Stamm des Kreuzes genau in der Mitte des Bildes. Der Nimbus reicht teilweise in den Rahmen
hinein. Bemerkenswert ist die beseelte Darstellung der Gesichter und die ausdrucksvolle Gebärdensprache der
Hände. Eine überzeugende und selbständige Lösung ist für die Gestalt der Maria gefunden. Körperhaltung
und Neigung des Kopfes lassen als Begrenzung nach rechts hin eine einfache flache Bogenlinie entstehen. Sie
bestimmt auch den harmonischen Fluß der unten in einem Punkte zusammenlaufenden Falten des Gewandes,
dessen Gold zu dem Blau des Mantels in einem wirkungsvollen Kontrast steht, der durch das rote Obergewand
des Johannes einen weiteren Akzent erhält. Kleine schwebende Engel fangen in Kelchen das Blut Christi auf.
Der breite Leistenrahmen des Bildes ist in Blau und Blaßocker gehalten und mit Deckweiß ornamentiert.
Quadrate, mit Flechtwerk gefüllt, betonen die Seitenmitte, während in den Eckstücken die Evangelisten-
symbole untergebracht sind. Um diesen Rahmen sind an drei äußeren Stegen locker gefügte Bordüren aus
Fadenranken mit dreiblättrigen goldenen, blauen und blaßroten Blüten herumgelegt. Die Mitten sind wiederum
betont durch Engeldarstellungen bzw. Kreuzblumen.

1 Vergl. M. Schoengen, Monasticon Batavum. II. De Augustijnsche orden. Amsterdam 1941 (Verhandelingen der Neder-
landsche Akademie van Wetensch., Afd. Letterk., N.R. 45) S. 17f. - LH. van Eeghen, Vrouwenkloosters en Begijnhof in
Amsterdam van de 14e tot het eind der 16c eeuw. Diss. Amsterdam (1941), S. 215ff. -Die Reihe der sieben dort (S. 220f.)
angeführten ehemaligen Handschriften dieses Klosters mit teilweise völlig gleichlautenden Besitzeinträgen ist also um unser
Missale zu erweitern. - B.J.M. de Bont, Statuten der Susteren Regularissen des Capittels van Hollant. -In: Nederlandsche
Archief voor Kerkgeschiedenis. N.S. 6 (1909) S. 48-120.

Die Handschrift ist in der Literatur bisher nicht erwähnt.

5 Breviarium

Cod. Sal. IXc. IXd., Pergament, 344 (345) und 380 Bl., 18,5 X 13,5 cm,
Tafeln Seite 27, 29 geschrieben 1493/95 in Salem

Die Bezeichnung Breviarium (von lat. brevis = kurz) galt zunächst einer Zusammenstellung von Textanfängen
für das von der Kirche vorgeschriebene priesterliche Stundengebet. Die Texte selbst mußte man den verschie-
densten liturgischen Büchern entnehmen: dem Psalterium, dem Antiphonar, dem Hymnar, dem Lektionar,
dem Legendär oder Passional, dem Sermonar, dem Homihar, dem Collectar. Die Zusammenfassung der voll-
ständigen Texte von Psalmen, Antiphonen, Hymnen, Bibel- und Kirchenväterlesungen, Legenden, Gebeten
usw. in einem einzigen Buch, wie sie seit dem 12. Jahrhundert allmählich üblich wurde, bedeutete eine wesent-
liche Vereinfachung.

Die Texte sind angeordnet entsprechend der Reihenfolge ihrer Verwendung in den acht täglichen Stunden-
gebeten des »Officium divinum«: Matutin (Nachtgebet), Laudes (gegen Morgen an die Matutin anschließend),
Prim (6 Uhr), Terz (9 Uhr), Sext (12 Uhr), Non (15), Vesper (18 Uhr), Komplet (bei Tagesabschluß).
Getrennt sind die Texte für Sonn-, Feier- und Wochentage (»de Tempore«) von denen für die Heiligenfeste
(»de Sanctis«).

Unser Brevier ist in zwei Bände aufgeteilt, von denen der eine (Cod. Sal. IXc) den Winterteil, der andere
(Cod. Sal. IXd) den Sommerteil enthält.

Beide Bände beginnen mit einem Kalender für den Zisterzienser orden. Er findet sich in Salem IXc auf den
Blättern lr-13r. Die erste Seite enthält als Hinweis auf die Salemer Herkunft von einer Hand des 17./18. Jahr-
hunderts den Eintrag »B Mariae in Salem«. Die Initialen KL zu Beginn eines jeden Monats sind in Deckfarben
unter Verwendung von Krautblattmotiven und goldenen Federranken für die Füllungen ausgeführt. Auf jeden
Monat folgen Kalenderverse, die Verhaltensregeln empfehlen, welche der Gesundheit dienlich sind, wie z.B.

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