Werner, Wilfried
Cimelia Heidelbergensia: 30 illuminierte Handschriften der Universitätsbibliothek Heidelberg — Wiesbaden, 1975

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(Trübner 112) Rituale et Processionale

begegnet 327r ein Bild Christi mit den 12 Aposteln und der Beischrift »Ite in orbem vniuersum«. Auf Blatt
379r wiederholen sich die verschiedenen Eintragungen zur Entstehung der Handschrift, die schon in Sal. IXc zu
finden waren.

1 Walther, Carm. 8953.

2 De signis Zodiaci incipit: »Nil capiti noceas aries cum luna refulget . . .«, Walthhk. Carm. 11780. Vorangestellt ist jeweils
eine allgemeine Regel, wie: »Aries calidum et siecum: Bonum«.

3 >Oratio beati Ambrosii ante missam dicenda< 340v-343v, »Summe sacerdos et vere pontifex«. Migni; PL i 7. 829-833.

R. Sii.lib, Verzeichnis der Handschriften und Drucke im Ausstellungssaal der Großherzoglichen Univ.-Bibl. in Heidelberg.
Heidelberg 1912. S. 8 (Nr. 24. 25). - H. Ron. Quellen und Forschungen zur südwestdeutschen und schweizerischen
Kunstgeschichte im 15. und 16. Jahrhundert. I. Bodenseegebiet. Text (1933) S. 1361'.. Quellen (1033) S. 150. -
E. Jammers. Die Salemer Handschriftensammlung. - In: Bibliotheca Docet. Festgabe für Carl Wehmer. Amsterdam IM65.
S. 58.

Rituale et Processionale 6

Trübner 112, Pergament, 154 Bl., 17,5 X 12,3 cm, Frankreich, 15. Jahrhundert Tafm Sun 32

Das Buch enthält - in lateinischer Sprache - nicht nur die Gesänge für die verschiedenen Prozessionen ( Anti-
phonen, Responsorien, Hymnen, Litaneien), sondern auch die an bestimmten Festtagen oder aus bestimmten
Anlässen gesprochenen Segnungen und Gebete sowie gelegentlich Anweisungen für das Zeremoniell, das
dabei zu beobachten ist.

Den Anfang bildet die Kerzenweihe (T) an Maria Lichtmeß (2. Februar). Es folgen Antiphonen, deren
Melodien mit Hilfe französischer Quadratnoten im Vierliniensystem aufgezeichnet sind, sowie Gebete. Auf
Blatt 6r beginnen die Texte für Aschermittwoch: man findet die Anfangsworte der 7 Bußpsalmen, Antiphonen
und Responsorien, Gebet und Absolution, ferner die Aschenweihe; dazu rituelle Anweisungen. Aus ähnlichen
Elementen setzen sich die Texte für die weiteren Feste zusammen, wie Palmsonntag ( 12') und Gründonnerstag
(ab Blatt 25r) mit einem >ordo altarium abluendorum . . .<L - Zur Fußwaschung ist die Evangeliumslesung
nach Johannes ( 13,1-17,26) in vollem Umfang wiedergegeben. Auf Blatt 65r beginnen die Texte und Melo-
dien für die Gründonnerstags-Vesper (mit Meßfeier), Blatt 67r für Karfreitag (mit Adoratio crucis 73r). Es
folgen die Prozessionen zu Ostern (82v), Himmelfahrt Christi (85r) und Fronleichnam (88'). Auch an den
Festen Johannes des Täufers (92r), des Hl. Dominikus (96r), Maria Himmelfahrt (99v) finden Prozessionen
statt. Besondere Riten gelten für den Empfang von geistlichen Würdenträgern (104r). weltlichen Fürsten
(105v) oder eines Konvents (107s) sowie für die Aufnahme und Einkleidung einer Novizin ( Benedictio
vestimentorum< 109r). Die Pfingstsequenz »Veni creator spiritus« ( 109v). Gesänge >de saneta Agnete<. Texte
>pro capitulo et pro pergentibus ad illud< beschließen den ersten Teil der Handschrift. Die 13. Lage ist offen-
sichtlich beim Einbinden in Unordnung geraten: Blatt 112r bildet die Fortsetzung von Blatt 103\ Mit Blatt
113r (14.Lage) setzt eine andere, etwas spätere Schreiberhand ein.

Dieser Teil enthält ein vollständiges Totenofficium (>Vigiliae defunctorum< 113r) mit drei Nokturnen und ein
>Officium sepulture< (143r)- Die Texte schließen auf Blatt 154v.

Aus Anweisungen wie >Sorores intra chorum cantent< (20v) und ähnlichen geht hervor, daß das Buch für
eine Gemeinschaft geistlicher Frauen geschrieben wurde. Die Angabe »ordo altarium abluendorum in ecclesia
beati Ludovici de Pissiaco< ermöglicht eine genaue Lokalisierung der Handschrift. Sie wurde benutzt von den
Dominikanerinnen des im Jahre 1304 durch König Philipp den Schönen gegründeten Klosters in Poissy, dessen
Kirche dem Hl. Ludwig geweiht war2. Die Handschrift ist durchgehend mit sehr bemerkenswertem Buch-
schmuck ausgestattet. Die Anfangsseiten der Hauptfeste sind dabei besonders hervorgehoben: Der Text ist

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