Werner, Wilfried
Cimelia Heidelbergensia: 30 illuminierte Handschriften der Universitätsbibliothek Heidelberg — Wiesbaden, 1975

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(Cod. Pal. Lat.) Le pelerinage de vie humaine

gefunden worden, die zwischen 1399 und 1420 illuminiert wurden. Seit kurzem kennt man auch den Namen
des Meisters: Es ist Heinrich Aurhaym, wahrscheinlich ein Laie und professioneller Buchmaler, der in Inner-
österreich, zeitweise wohl am Hof Erzherzog Ernsts des Eisernen, gearbeitet hat. Sein Werk steht unter dem
Einfluß der böhmischen Hofkunst.

Unsere Bilder zeigen eine der Figureninitialen, »Frau Werlt« (35r, Tafel S. 69), und eine rein ornamentale
Zierseite (25v, Tafel S. 2), beide mit Rankenausläufern und einer Reihe der oben beschriebenen Schmuck-
elemente.

E. Jammers, Hugo von Montforts Liederhandschrift. - In: Ruperto-Carola 9 (21) 1957. S. 58-64. - K. Oettinger, Der
Illuminator Erzherzog Ernsts des Eisernen. - In: Festschrift A. Goldschmidt (1935) S. 57-63. - Fr. Unterkircher,
Namen, die noch nicht im Thieme-Becker stehen. I. Heinrich Aurhaym. - In: Beiträge zur Kunstgeschichte Tirols. Fest-
schrift J. Weingartner. Innsbruck 1955 (Schlern-Schriften. 139) S. 181-183. - Fl. Röhrig, Miniaturen zum Evangelium
von Heinrich Aurhaym (Klosterneuburger Kunstschätze. 1) 1961. - A. Stange, Deutsche Malerei der Gotik. 11. Öster-
reich . . . von 1400- 1500 (1961) S. 37f. - G. Moczygemba, Hugo von Montfort. T. 1. - In: 34. Jahresbericht des Bundes-
gymnasiums . . . Fürstenfeld. 1963/64. - P. Runge, Die Lieder des Hugo von Montfort mit Melodien des Burk Mangolt.
1906. - E. Jammers, Die Melodien Hugos von Montfort. -In: Archiv für Musikwissenschaft 13 ( 1956) S. 217-235. -Aus-
gaben von K. Bartsch (Bibliothek des Stuttgarter Literarischen Vereins. 143) 1879, und J.E. Wackf.rneli. (Ältere
Tirolische Dichter. 3) 1881.

Guillaume de Diguelleville 21

LE PELERINAGE DE VIE HUMAINE

Cod. Pal. Lat. 1969, Pergament, 84 Bl., 29,5 X 20,5 cm, Frankreich, Tafel Sfitf 72

Mitte des 14. Jahrhunderts

Die »Pelerinage de vie humaine« entstand als erster der drei allegorischen Traumromane des Zisterzienser-
priors von Chaalis in den Jahren 1330-1332. Vorbild war der etwa 100 Jahre ältere berühmte Rosenroman
des Guillaume de Lorris und seines Fortsetzers Jean de Meun. Während es in jenem jedoch um ein rein inner-
weltliches Thema ging: die Frage des richtigen Verhaltens bei der Werbung um die Frau, wird hier das Leben
des Menschen gesehen als eine Pilgerfahrt zum himmlischen Jerusalem und zu Christus. Aufgabe der Seele im
irdischen Leibe ist es. auf dieser Fahrt die Waffen des christlichen Glaubens gebrauchen zu lernen im Kampf
gegen die Schwächen des Fleisches, die Verführungen durch die Laster - die als sprechende Personen auf-
treten — und sich der »Vernunft« und der »Göttlichen Gnade« anzuvertrauen, auch dies handelnde Gestalten,
die die verirrte Seele immer wieder auf den rechten Weg zurückbringen und sie schließlich aus dem Meer
des Lebens auf das Schiff einer vita contemplativa klösterlichen Lebens retten.

Diese Lehrdichtung mit einem Umfang von 13540 Achtsilblern erfuhr etwa 25 Jahre später eine Umar-
beitung durch den Dichter selbst, der auch zwei fortsetzende Teile verfaßte (»Pelerinage de Farne«, 1355.
und »Pelerinage de Jhesu crist«, 1358). Unser Text gibt die erste Fassung wieder. Das Werk hat eine unge-
wöhnliche Wirkung gehabt. Das wird einmal durch die große Zahl der erhaltenen Handschriften (mehr als 70)
dokumentiert, zum andern durch die frühen Prosa- und Versübersetzungen ins Englische, Deutsche, Nieder-
ländische, Spanische, und schließlich durch die frühen Drucke.

Die deutschen Übersetzungen des 15. Jahrhunderts, von denen eine auf die Gräfin Elisabeth von Nassau-
Saarbrücken zurückgeht, sind bekannt unter dem Titel »Die Pilgerfahrt des träumenden Mönchs«.

Eine größere Anzahl früherer und späterer Handschriften ist mit Miniaturen ausgestattet, ja, schon der
Dichter selbst nimmt Bezug auf Zeichnungen in seinem Manuskript.

Der Palatinus enthält 127 Bilder im Format 5,5 (-7,3) x 7,3 cm, die im Stil französischer Miniatur-

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