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Werner, Wilfried
Cimelia Heidelbergensia: 30 illuminierte Handschriften der Universitätsbibliothek Heidelberg — Wiesbaden, 1975

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https://doi.org/10.11588/diglit.2051#0036

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(Cod. Sal. ixf) Horarium

Horarium

Cod. Sah IXf., Pergament, 190(194)B1., 10X7 cm, flämisch,
Anfang des 16. Jahrhunderts

Im November 1559, am Fest »Maria Tempelgang«, zogen die ersten vier Patres in das neu gegründete
Jesuitenkolleg in München ein. Zwei Männer hatten seit Jahren auf dieses Ereignis hingewirkt: Herzog
Albrecht V., der sich von dem Orden insbesondere eine Förderung des Schulwesens in seiner Stadt erhoffte,
und Petrus Canisius, der — 1521 in Nymwegen geboren — eigentlich Pieter de Hondt hieß und der — als der erste
deutsche Jesuit - die Ordensorganisation in Deutschland betrieb. Ein halbes Jahr später überreichten die
Jesuiten der Herzogin Anna von Bayern das vorliegende Büchlein als Geschenk. Die aus diesem Anlaß hinzu-
gefügte Widmung auf einem Vorsatzblatt lautet:
»Ihs./Illustrissi[m]ae & pientiss[imae] D./

D. Annae vtriusque Bau. /
principi patronae suae
clementiss[imae] Collegium So= /
cietatis IESV Monachij /
nuper erectum, hunc d./
d. libellum. Anno Dni/
1560. diel4Maij.«

Der Kalender (lr-12v) läßt zwar keine sehr enge Lokalisierung zu, doch deutet er auf Flandern (Tournai?)
als Bestimmungsgebiet hin. Mit roter Tinte sind u.a. folgende Feste eingetragen: Amandi et Vedasti (6.2.),
Remigii et Bavonis (1.10.), Dionysii sociorumque (9.10.), Lebuini (12.11.), Nichasii sociorumque (14.12.).
Bemerkenswert sind ferner Gudule virginis (8.1., schwarz) und Tecle maegt (23. 9., schwarz).

Die Recto-Seiten des Kalenders sind von einem goldfarbenen oder roten Rahmen eingefaßt, aus dem oben
der Raum für das Tierkreiszeichen, unten für das Monatsbild ausgespart ist, und der mit Akanthusblattranken.
Vögeln oder naturalistischen Blüten. Schmetterlingen oder Käfern besetzt ist. Auf den Rückseiten sind Vögel
und Blumen ohne Rahmen auf das weiße Pergament gemalt. Die Textseiten sind mit winzigen Zierinitialen aus
Blattwerk in goldenem Feld geschmückt, der äußere Rand zeigt mitunter ein farbiges Feld, das mit Blumen
und Tieren gefüllt ist.

Während Blüten und Tiere in liebevoller Detaillierung ausgeführt sind, ist die Personendarstellung zwar
gleichfalls sorgfältig, doch oft recht plump und ungeschickt. Das gilt für die meisten der gerahmten, oben durch
Flachbogen begrenzten Vollbilder, die regelmäßig auf einer Verso-Seite untergebracht sind, während die
gegenüberliegende Seite - mit dem Beginn der zugehörigen Höre (oder Messe) - als gerahmte Zierseite aus-
gestaltet ist: 13v Haupt Christi, 16v Kreuzigung, 23v Ausgießung des Hl. Geistes, 29v Marienbild, 42v Maria
Verkündigung (zur Matutin, Tafel S. 38), 61v Maria Heimsuchung (zu den Laudes), 73v Geburt Christi (zur
Prim), 79v Verkündigung an die Hirten (zur Terz), 84v Anbetung der Könige (zur Sext), 89v Darstellung im
Tempel (zur Non), 94v Kindermord in Bethlehem (zur Vesper), 103v Flucht nach Ägypten (zur Komplet),
110v Kreuzesabnahme (mit »Oratio devota de nostra domina: Obsecro te domina sancta Maria« lllr)> 129v
Bathseba (zu den sieben Bußpsalmen), 146v Auferweckung des Lazarus (zum Totenoffizium). Kleine Bild-
chen in Verbindung mit Initialen und Zierrahmen finden sich zu den Evangelienperikopen 36r, 37r, 38v, 40r
(Schreiberbilder), zum Namen Jesu 118r, zur Trinität 121r, zu Michael 121v. Johannes Baptista 122r, Johannes
Evangelista 122v, Peter und Paul 123r, Jakobus 124r, Georg 124\ Franziskus 125\ Antonius 126r, Katharina
126v, Margareta 127v und Barbara 128r.

Die Handschrift ist bisher in der Literatur nicht behandelt worden.

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