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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0089

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Neufunde der frühen Urnenfelderzeit aus Baden

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weiter erhält* * * 4), um dann vor allem während der späten Hallstattzeit wieder die
alleinige Grabform zu werden. Ganz allmählich weicht der Brand dabei wieder
der Skelettbestattung. Wieder wird, wie schon während der Vollbronzezeit, der
Grabhügel abgelehnt. Solche Verhältnisse, in Singen auf engstem Raume, dabei
auf breiter Grundlage beobachtet, lassen eine Kontinuität, ein Beharrungsver-
mögen des einheimischen Elementes offenbar werden, wie es eindrucksvoller
nicht gedacht werden kann.
Eine Analyse der Tonware ergänzt dieses, möglicherweise nur lokal aus-
zuwertende Bild, in wesentlichen Punkten. In Erzingen (Taf. 17, 15), König-
schaffhausen (Taf. 18, A) und Mannheim (Taf. 18, B 3—5) erscheint der bronze-
zeitliche Henkelkrug in mannigfacher Schattierung: Groß und klein, mit und
ohne Henkel, weich geschwungen und scharfkantig profiliert. Zwar spiegelt der
Hang zur scharfen Randkantung, der abgesetzte zylindrische Hals, wohl auch
das Auftreten von „getriebenen“ Hohlbuckeln den Einfluß der Urnenfelder
wieder, jedoch ist die Grundform als solche bodenständig entwickelt und blickt
auf eine lange Geschichte zurück. Mit Ausnahme vielleicht der Buckel entspricht
auch die Verzierung durchaus einheimischer Übung. Lang ausgezogene, ge-
füllte Dreiecke, Rillenbänder, Zickzack- und Kerbreihen, Rautenmotive, läng-
liche Knubben gehören durchaus zum Musterschatz bronzezeitlicher Töpferei,
wie sie im Rheintal und auf der Alb geübt worden ist. Daß „getriebene“ Buckel
in den Kreis der Neubildungen gehören, möchten wir noch immer für wahr-
scheinlich halten, wenn auch die Buckelzier als solche etwa in der Bronzezeit
der Alb zu den geläufigen Dingen gehört. Auf alle Fälle war auch diese dem
bronzezeitlichen Töpfer durchaus geläufig; lediglich technisch ist eine Wandlung
eingetreten.
Auch die Trichterhalstöpfe der Pfullendorfer (Taf. 19, 1; 20a, 5) und Mann-
heimer (Taf. 18, 11) Art können gleichfalls nur Abkömmlinge der alten, bronze-
zeitlichen Krugform sein. Nur sind sie stark vergrößert, was mit dem Auf-
kommen der Urne Zusammenhängen mag. Uns scheint ein gerader Weg von
den Trichterhalstöpfen wie Pfullendorf (Taf. 19, 1; 20a, 5) und Immendingen
(Bad. Fundber. 13, 1937, 72 Abb. 3) über Mannheim (Taf. 18, 11) zu ausgebil-
deten Urnenformen wie etwa Binzen, Ldkrs. Lörrach, (Bad. Fundber. 17,
1941—1947, Taf. 48, 6) zu führen. Geändert hat sich lediglich die Funktion,
insofern nun der alte, als Beigabe gedachte Krug selbst zum „Sarg“ geworden
ist. In solcher Sicht wäre es nicht einmal notwendig, die voll ausgebildete Zy-
linderhalsurne der älteren Urnenfelder (Hallstatt A) als Fremdgut aus dem
Osten abzuleiten, wie es seit den Untersuchungen G. Krafts 5 *) allgemein ange-
nommen worden ist8). Auch die Urne hätte sich demnach unter der Ein-
wirkung der östlichen Brandsitte im Lande selbst entwickelt. Den inneren
Zusammenhang zweier Gefäße wie Mannheim (Taf. 18, 11 und 7), die beide
im gleichen Funde vorliegen, wird man kaum ableugnen können. Fügt man
dem Gefäß (Taf. 18, 7) noch einen Schrägrand zu, so ist die Zylinderhalsurne
des Normaltyps fertig!

■>) Steinkiste von Singen-Döbele, ältere Urnenfelder (Hallstatt A) bei W. Kimmig,
Urnenfelderkultur a. a. O. 28, Taf. 44,3; neuerdings mannslange Holzkiste mit aus-
gestreutem Leichenbrand, darauf ca. 30 Gefäße und ein Zierat aus Bronzeschei-
ben. Jüngere Urnenfelder (Hallstatt B). Noch unveröffentlicht.
5) Bonn. Jahrb. 131, 1927, 165 ff.
«) Bad. Fundber. 17, 1941—1947, 162.
 
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