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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0024

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Edward Sangmeister

Auftretens eines späthügelgräberzeitlichen Anhängers in diesem Zusammenhang viel-
leicht weniger gewichtig. Freilich muß es zunächst erschrecken, wenn eine Form, die mit
der Stufe Bz C aus der Mode gekommen sein sollte, nun in Ha A, und zwar wahr-
scheinlich A 2, noch da ist. Das hieße, sie habe ein bis zwei Stufen unseres Systems und
2—300 Jahre überlebt. Jedoch könnte man nun hier erwägen, wieweit den umgekehrt
herzförmigen Anhängern der Hügelgräberzeit nicht nur Schmuckfunktion, sondern auch
Symbolgehalt zukam. Traf letzteres zu, könnte man längeres Nachleben leichter ver-
stehen, könnte man vor allem auch die Verbindung mit anderen Anhängern mit ur-
sprünglichem Symbolgehalt begreifen. Denn nach dem vorher Erörterten möchten wir
wenigstens für die Kammanhänger nicht von einer Entleerung des Symbolgehaltes
sprechen, eher eben von einer Übertragung oder Kombination zweier verschiedener
Symbolgehalte. Es wäre also daran zu denken, daß hier am Nordrand der schweizeri-
schen Gruppe und etwa am Südrand der Hügelgräberkultur der Alb, sich das Symbol des
umgekehrt herzförmigen Anhängers in der Idee (und in Einzelfällen in konkreter
Form) bis in diese Zeit hinein gehalten haben könnte. Das aber würde leichter ver-
ständlich, wenn man die Stufe Bronze D nicht erst nach Abschluß der Stufe Bz C,
sondern mit Holste (Fremdgruppen) Bz D schon neben Bz C beginnen ließe oder,
anders ausgedrückt, wenn Bz C z. T. noch zeitgleich mit Bz D wäre. Das würde zu-
gleich der Hügelgräberkultur, deren Beginn ja recht weit herabgedrückt worden ist,
eine etwas längere Lebensdauer geben.
Eine Begegnung zwischen der Kultur der Stufe Bz D und der Stufe C am Rande der
Baar wird durch den Einzelfund der Mohnkopfnadel vom Bereich des ehemaligen
Urnengräberfeldes Hüfingen deutlich, mag sie doch belegen, daß hier der Friedhof
vielleicht schon in dieser Stufe begann. Das wäre wichtig, da sonst Gräber der gleichen
Stufe Bz D in der Nachbarschaft teils isoliert vorkommen (Immendingen28), anderer-
seits aber auch in Zusammenhang mit älterer Urnenfelder-Kultur (Singen29). Umgekehrt
scheinen Gräber mit echtem Inventar der Hügelgräberkultur weiter südlich selten
vorzukommen, da Gräber vom Typus Tiengen heute noch recht vereinzelt dastehen30).
Wir befinden uns in einer Zone des Austauschs von Kulturelementen, der in der schwie-
rigen Deutung der letzten Bronzezeiterscheinungen schon faßbar, in der Auseinander-
setzung der untermainisch-schwäbischen und der rheinisch-schweizerischen Gruppe der
älteren Umenfelderkultur fortgesetzt und in der Vorrangstellung der Schweiz in der
jüngeren Urnenfelderkultur besonders deutlich wird.

28) F. Garscha, Bad. Fundber. 13, 1937, 68 ff.
29) Hegaumuseum Singen.
»“) W. Kimmig, Germania 32, 1954, 147 ff; Bad. Fundber. 21, 1958, 234.
 
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