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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0056

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Franz Fischer

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sich dabei um Anlagen, die keine nennenswerte Dauerbesiedlung besessen hätten, die
über die Bestimmung als große refugia niemals hinausgekommen seien und die daher
nur sehr bedingt den großen oppida Galliens zur Seite gestellt werden dürfen“51). Der
im weiteren Zusammenhang mit diesem Zitat ausführlich besprochene, nicht befriedi-
gende Forschungsstand ist der Hintergrund, der nicht übersehen werden sollte, wenn
diese viel beachtete Formulierung herangezogen wird. Denn die Fundleere kann täuschen.
Vielfach sind, wie in der Spätlatenesiedlung von Breisach-Hochstetten52) und im oppidum
von Altenburg-Rheinau53), aber ebenso auch im oppidum von Manching unweit Ingol-
stadt54), die Kulturschichten aus Gründen geologischer Natur, die wir hier nicht im
einzelnen zu erörtern haben, so hoch überdeckt, daß der Pflug sie mindestens nicht mehr
spürbar anreißen konnte; deshalb gelangten trotz oft jahrhundertelanger Überackerung
weder Scherben noch sonstige Kleinfunde an die Oberfläche. Erst bei tieferen Eingriffen,
wie beispielsweise Bauarbeiten, Kiesabbau oder — wie in Manching — beim Anlegen
von Sondiergräben, wurden sie angeschnitten und erkannt. Diese Beispiele ließen sich
leicht erheblich vermehren. Das völlige Ausbleiben von Oberflächenfunden, die man als
Indiz für eine Innenbesiedlung erwarten möchte, ist demnach keineswegs verbindlich.
Dies gilt für Tarodunum55) so gut wie für den Burgstall bei Finsterlohr56), aber auch für
den „Eisachstadt“ genannten Abschnitt des oppidums am Heidengraben bei Graben-
stetten auf der Uracher Alb57). In keiner dieser Anlagen ist der siedlungsverdächtige
Innenraum bisher durch Bauarbeiten oder sonstige Eingriffe, auch nicht durch Aus-
grabungen aufgeschlossen worden. Erst solche planmäßige Untersuchungen aber könnten
uns in Tarodunum wie anderswo dazu befähigen, über Vorhandensein, Umfang und
Bedeutung einer Siedlung innerhalb der Befestigung wie auch über die Rolle zu urteilen,
welche die ganze Anlage während der späteren Laünezeit in ihrer näheren und weiteren
Umgebung gespielt haben mochte58). Dies um so mehr, als die antike Überlieferung über
die Geschicke der rechtsrheinischen Teile der Provinz Germania superior südlich des
Mains nicht nur bis zu dem Zeitpunkt, als die römischen Truppen den äußeren Limes
51) Württembergisch Franken NF 24/25, 1949/50, 70.
52) G. Kraft, Bad. Fundber. III 1933—1936, 225 ff., bes. 232 f.
53) Zuletzt Bad. Fundber. 19, 1951, 168 ff.
54) Vgl. W. Krämer, Germania 35, 1957, 38. Zum Fund vom Leisenhartfeld zuletzt G. Ulbert,
Bayer. Vorgeschichtsbl. 25, 1960, 69 ff. mit Anm. 2.
55) Aus der Schilderung der Bodenverhältnisse an der Stelle des römischen Gehöfts, die G.
Kraft gegeben hat (Bad. Fundber. 13, 1937, 103), wird unmittelbar verständlich, daß H.
Wirth erst nach jahrzehntelangem Suchen zum Ziele kam: die Fundschicht lag zu tief, als
daß der Pflug sie hätte erreichen können.
56) Vgl. zuletzt K. Bittel, Württ. Franken NF 24/25, 1949/50, 69 ff., ferner Fundber. aus Schwa-
ben NF 15, 1959, 159.
57) K. Bittel, Die Kelten in Württemberg (Röm.-Germ. Forschungen 8, Berlin und Leipzig
1934) 48 ff. mit älterer Literatur. — Ein Wasserleitungsgraben, der im Frühjahr 1960 von
Hülben bis zum Wald Berghau am Burrenhof vorbei gezogen wurde und die „Eisachstadt“
nicht berührte, war völlig fundleer, wie ich mich selbst überzeugen konnte; ein kurzer
Bericht darüber wird in den Fundberichten aus Schwaben NF 16 erscheinen.
58) Auf die Notwendigkeit planmäßiger Untersuchungen hat K. Bittel (Anm. 56) mit großem
Nachdruck hingewiesen. Seitdem sind in Mitteleuropa wenigstens in Manching, auf der Enge-
halbinsel bei Bern und auf dem Magdalensberg in Kärnten (s. Anm. 1) wesentliche Fort-
schritte erzielt worden.
 
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