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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0057

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Beiträge zur Kenntnis von Tarodunum

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erreichten, fast ganz schweigt und infolgedessen von dieser Seite her kein Licht auf die
ältere Geschichte der oppida in diesem Gebiet fällt. Immerhin sind wir nicht ganz ohne
Anhaltspunkte. Es ist schon oft bemerkt worden, daß die römische Verwaltung hier bei
der Einrichtung von civitates nirgends an Stammes- oder Gaunamen der einheimischen
Bevölkerung anknüpft. Das läßt in Übereinstimmung mit Tacitus Germania cap. 29
darauf schließen, daß spätestens in frühflavischer Zeit hier keine einigermaßen fest-
gefügte staatliche beziehungsweise stammesmäßige Ordnung mehr herrschte, wenn auch
das Gebiet sicher keineswegs menschenleer war. Daher liegt die Vermutung nahe, daß
die oben genannten oppida im 1. Jahrhundert nach Christi Geburt ihre Bedeutung
bereits eingebüßt hatten, wenn nicht überhaupt verlassen waren, ein Zustand, der in
Tarodunum wie in Altenburg-Rheinau59) wohl schon unter Augustus eingetreten ist.
Jedoch berechtigt uns diese Vermutung nicht zu Rückschlüssen auf vorchristliche Zeit.
Die Siedlung im oppidum von Tarodunum, die man auf Grund dieser Überlegungen
voraussetzen möchte, hat am Ort selbst, innerhalb des alten Befestigungsrings, keine
Nachfolgerin gefunden; der Bruch scheint mit dem Ende des latenezeitlichen Tarodunum
eingetreten zu sein. Ob das erwähnte römische Gehöft den Namen übernahm, ist nicht
zu sagen. Doch muß der Name Tarodunum bei der einheimischen Bevölkerung weiter-
gelebt haben, so daß er an die seit dem 3. Jahrhundert eindringenden Alamannen weiter-
gegeben werden konnte. Zwar fehlen alamannische Grabfunde im Zartener Talkessel
bisher völlig, doch belegt die Urkunde von 765 (vgl. Anm. 41) eine verhältnismäßig
frühe Ansiedlung in Zarten oder Kirchzarten60). Das Areal des keltischen Tarodunum
aber hat später als Einheit keine Rolle mehr gespielt. Es wurde vielmehr zwischen den
verschiedenen, ausnahmslos am Rande der einst befestigten Fläche angelegten Höfen,
deren Geschichte hier nicht weiter verfolgt werden kann, aufgeteilt, so daß heute zwei
Dorfgemarkungen — Buchenbach und Burg — daran Anteil haben. Bei den Aus-
einandersetzungen zwischen den Grafen von Hohenberg und den Herzogen von
Zähringen waren, wie schon die Burg Wiesneck, insbesondere aber die Gründung der
Stadt Freiburg deutlich macht, andere Gewichte im Spiel.

59) Bei Altenburg - Rheinau ist anzunehmen, daß die Siedlung auf dem rechtsrheinischen
„Schwaben“ im Zusammenhang mit der Gründung von Vindonissa geräumt wurde; die
Funde passen gut dazu.
80) Diese läßt sich, so weit ich sehe, vorläufig mit einer bedeutenderen, später bekannten
Hochadelsfamilie nicht in Verbindung bringen, weil für jenen Drutpertus, der 765 seinen
Besitz ganz oder teilweise an St. Gallen vergab, ein genealogischer Zusammenhang nicht
herzustellen ist. — Auf den früher eher skeptisch beurteilten Zusammenhang zwischen den
Namen Zarten und Zähringer, den vor Jahren H. Wirth vorgeschlagen hat, ist neuerdings
H. Jänichen wieder zurückgekommen (Alemann. Jahrb. 1959, 49 f.).

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