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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0111

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Das alamannische Gräberfeld von Binningen im Hegau, Ldkrs. Konstanz

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die Bodenplatte erhalten ist, war vermutlich mit Preßblech belegt. Falls diese Annahme
das Richtige trifft, ließe sich die oben vorgeschlagene Datierung gut bestätigen, doch
scheidet für eine schärfere Zeitbestimmung dieses Stück ebenso aus wie das eiserne
Gehänge, das im ganzen siebten Jahrhundert gebräuchlich scheint. Als Beispiel aus dem
fraglichen Zeitraum kann das münzdatierte Grab von Kobern dienen82).
Auch eine Feindatierung der zu den Wadenbinden gehörigen Riemenzungen ist nicht
möglich, da die bei kostbaren Stücken sich abzeichnende Gliederung (gepreßte Zier-
bleche, teilweise in Stil II — gegossene Exemplare mit „degenerierter“ Ornamentik;
vgl. Anm. 47) für die einfachen Formen nicht verbindlich sein kann.
Zweite Hälfte des siebten Jahrhunderts.
Grab 22:
Datierung abhängig von der Beurteilung der tauschierten Schnalle.
Trifft der Vergleich mit Bülach Grab 4 zu (vgl. Anm. 53), kann auch zeitlich kein großer
Abstand bestehen. Da jedoch durch Grab 21 für die östliche Reihe ein spätes Datum
vorliegt, erscheint eine Datierung noch in die erste Hälfte des siebten Jahrhunderts
zumindest fraglich.
*
Schon eingangs wurde betont, daß der chronologischen und siedlungsgeschichtlichen
Auswertung eines kleinen Friedhofteiles enge Grenzen gesetzt sind. Alle Kombinationen
in dieser Richtung wurden daher bewußt vermieden. Dagegen erlaubten die relativ gut
ausgestatteten Frauengräber detaillierte Aussagen über verschiedene Bestandteile der
Tracht, wie sie andernorts nur an wesentlich umfangreicherem Material erarbeitet wer-
den konnten. Weiter ließen sich neben Produkten des einheimischen, vielleicht sogar
örtlichen Handwerks Zeugnisse weitreichender Handelsverbindungen herausstellen.
So belegt zumindest die Glasschale aus Grab 2 Beziehungen zum fränkischen Rhein-
land, woher nachweislich auch die Vorbilder der Scheibenfibel (Taf. 31, 2) aus Grab 12
und des Gehänges (Taf. 34, 6—12) aus Grab 21 stammen. Auch die Vergleichsstücke der
Schnalle mit festem Beschläg (Taf. 33, 8) aus Grab 14 führen in dieselbe Richtung.
Nach dem Gesagten rechtfertigt sich die Ausführlichkeit der Materialvorlage wie der Dar-
stellung in erster Linie durch die Reichhaltigkeit der Funde aus nur wenigen Gräbern, die
einen Zeitraum von rund hundertfünfzig Jahren umfassen. Diese Feststellung berechtigt
zu der Annahme, daß in Binningen ein Gräberfeld von mehr als lokaler Bedeutung
zerstört worden ist.
Katalog Binningen: Vorbemerkungen
Die hier gewählte Form der Materialvorlage geht etwas über den Rahmen eines einfachen Fund-
kataloges hinaus. Die zwischen die Beschreibung der einzelnen Objekte eingefügten Kommen-
tare und Rekonstruktionsvorschläge sollen einmal den Text entlasten, zum andern den Quellen-
wert jedes einzelnen Grabes für die trachtgeschichtliche Auswertung unterstreichen.
Da eine anthropologische Untersuchung noch aussteht — im Augenblick auch nicht möglich
ist — erfolgte die Geschlechtsbestimmung ausschließlich nach den Beigaben.

82) Werner, Austras. Grabfunde, Taf. 35, A.
 
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