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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0159

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Fränkische Tauschierarbeiten aus frühen Reihengräbern am Oberrhein

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im rechtsrheinischen Teil der Stadt Basel65a) deshalb die Aufmerksamkeit, weil die dort
gegebene Beschreibung „Fragment einer ovalen Schnalle, Kern aus Eisen, Überzug aus
Bronze mit breiten Rippen ..." in Anbetracht des übrigen Grabinhalts (Glas und Feuer-
stahl) in ihrer lapidaren Kürze genau die Charakteristika der von Holmqvist und
Evison herausgearbeiteten und durch Röntgenaufnahmen einwandfrei belegten Befunde
der angelsächsischen, gebuckelten Schnallen aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts
ansprach. Die Autopsie des Stückes im Historischen Museum in Basel erhöhte den Ver-
dacht und führte zugleich und wahrhaft zufällig zur Entdeckung einer zweiten der-
artigen Eisenschnalle aus dem ebenfalls rechtsrheinischen Alamannenfriedhof von Klein-
hüningen, am Nordrand von Basel (Grab 229). Schließlich fiel dem Verfasser wenige
Tage später eine Notiz über ein Bruchstück von einem messingtauschierten Schnallen-
rahmen aus dem aufgesammelten Grabinhalt des zerstörten Männergrabes 29 von Bod-
man (Ldkrs. Stockach)66) wieder in die Hand, das bei der viele Jahre zurückliegenden
Inventarisation des Gräberfeldes als „nicht alltäglich“ aufgefallen war.
Die Klärung der Frage, ob bei diesen drei Fundstücken der gleiche Befund wie bei den
englischen Schnallen vorliegt, konnte angesichts des schlechten Erhaltungszustandes bei
den beiden Stücken aus Basel nur auf dem Wege der Röntgenphotographie versucht und
auch durchgeführt werden. Das Römisch-Germanische Zentralmuseum Mainz stellte die
Röntgennegative zur Verfügung; die vom Verfasser im folgenden gegebene Beschrei-
bung der Schnallen aus Basel kombiniert — wo möglich — den optischen und röntgen-
photographischen Befund.
1. Die gebuckelte Eisenschnalle von Basel, „Gotterbarmweg“, Grab 17 (Inventar Nr.
1916. 28) besteht aus einem im Umriß nierenförmigen, im Kern aus Eisen bestehenden
Rahmen mit nur teilweise, auf der linken Schnallenseite erhaltener, waagrechter und in
einem Knick vom Schnallenbogen abgesetzter Basis (Taf. 44, 7). Die Maße sind: L. 3,3
cm; Br. 5,2 cm; Rahmenbr. 0,8—0,9 cm; die heutige Dicke der Schnalle beträgt in der
besser erhaltenen linken Hälfte 0,8 cm. Hinsichtlich der Dicke entspricht wohl der heute
stark aufgequollene, sehr weiche, zundrige Eisenrost auf der Unterseite in seinem Vo-
lumen nicht ganz dem ursprünglichen Zustand, den man sich wahrscheinlich so denken
muß, daß der Schnallenrahmen auf dem Außenrand mit der abgerundeten Kante etwa
waagrecht auflag, in der Mitte etwas ausgehöhlt war und der Innenrand höher lag, doch
nicht um soviel, wie bei der Schnalle von Herten (Taf. 44, 4 und Abb. 2,1). Die Ober-
fläche der Schnalle scheint vor der Veröffentlichung nur vorsichtig mechanisch gereinigt
zu sein, da ihre Kontur auch im Vergleich mit der Röntgenaufnahme im wesentlichen
noch die ursprüngliche ist, ja sogar am Innenrand der Schnalle und in der rechten
Schnallenhälfte auch am Außenrand noch eine geringfügige Rostschicht erkennbar ist
(Taf. 44, 7—8). Sie ist nur noch auf dem linken oberen Viertel der Schnalle einiger-
maßen erhalten, an der Dornauflage und der gesamten rechten Schnallenhälfte stärker
zerstört. An dem besser erhaltenen linken Teil der Schnalle sind optisch ziemlich scharf-
kantige, im Querschnitt dreieckige Rinnen in die Rahmenoberfläche eingeschnitten;
diese Kerbrinnen sind am Außenrand am tiefsten und nehmen in Richtung auf die
Schnallenmitte also bei radialer Anordnung bis zur höchsten Stelle der Rahmenwölbung

65a) Anz. f. Schweiz. Altkde. NF. 32, 1930, 145—164, Taf. 7—11; insbes. 154, Abb. 5, 4.
”) Veröffentl. Karlsruhe, 2. Heft, 1899,99.
 
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