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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0203

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Zur Besiedlungsgeschidite im Stadtgebiet von Tauberbischofsheim

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Wie bei jedem größeren Fundbestand legt sich auch bei den Tauberbischofsheimer Fun-
den eine erste grobe Aufteilung nach der Größe nahe. Neben großen Formaten, die als
mehr oder weniger unbewegliche Vorratsgefäße anzusprechen sind, erscheint eine
Gruppe von Gefäßen mittlerer Größe, denen als dritter Bestandteil die kleineren
Gefäßtypen folgen. Der Gruppierung nach Formaten entspricht bis zu einem gewissen
Grade eine Einteilung, die sich nach den Formen treffen läßt, so daß in Größe und
Form eine Funktionstypenfolge erkennbar wird, die sich etwa mit der Reihe Haus-
gefäße — Küchengefäße — Tischgefäße umschreiben läßt. Diese, in den Merkmalen Größe
und Form sich deckende Einteilung läßt sich aber nicht mehr weiterführen hinsichtlich
der Sorgfalt und Qualität in Herstellung und Ausführung. In allen drei Gruppen
kommen grobe und dickwandige Formen mit rauher Oberfläche neben eleganten, dünn-
wandigen und feingeglätteten Stücken vor, doch erscheint nur bei den kleinen Gefäßen
Grob- und Feinausführung derselben Form nebeneinander. Während in der Mittel-
gruppe die Feinausführung überhaupt stark zurücktritt, trennen die Unterschiede der
Machart bei den Großgefäßen gleichzeitig zwei Formengruppen voneinander. Von den
Großgefäßen grober Art konnte eines zur vollständigen Form ergänzt werden
(Taf. 53, 13). Die vorliegenden Randstücke der übrigen Großgefäße sind durchweg dick-
wandig, grob gemagert und zeigen alle den kantig ausgelegten Urnenfelderrand in
wechselnder Breite. Der in verschiedener Art ausgeführte Wulst, der oft den Wechsel
vom derb gerauhten Unterteil zum glatter gehaltenen Oberteil markiert, ist in einem
Fall (Taf. 54, 20) als plumper Strickwulst unmittelbar in die Halskehle gerückt.
An Feingefäßen großen Formates sind zu nennen die Ränder großer Zylinderhals-
gefäße (Taf. 54, 7. 22) sowie der Oberteil einer schwarzen Urne mit glattem Halsfeld,
dem ein ähnliches, sehr feines Stück mit Graphitstreifenbemalung an die Seite gestellt
werden kann (Taf. 56,14. 11).
In der Gruppe der mittelgroßen Stücke fällt durch mehrfache Wiederkehr ein ge-
wölbter Topf mit breitem Standboden auf. Er erscheint in zwei Varianten, einer
schlankeren, dünnwandigen, mit scharf umgelegtem, dünnem Schrägrand, die häufig
in der Halskehle oder darunter mit schrägen Einstichen versehen ist (Taf. 52, 2), einer
Zier, die gerade bei den Topfformen der Mittelgruppe vorherrscht. Die zweite Variante
ist im ganzen plumper, hat stumpfen, nur mäßig ausgelegten Rand. Die Form ist offen-
bar immer unverziert, doch kommt einmal gekerbter Rand vor (Taf. 56,15). Bei beiden
ist die Oberfläche stets in einer feinen, rechtsfallenden Streifenstruktur gerauht.
Von großer Variabilität im einzelnen, im ganzen aber formenarm, ist die Gruppe der
kleinen Gefäße. Sie wird beherrscht von den weitmündigen Schalen, die in drei Haupt-
formen zahlreich vertreten sind. Alle drei erscheinen in einer feinen und einer derben
Fazies. Der ersteren verleiht der feingemagerte Ton und die sorgfältige Glättung eine
samtartige Oberfläche, bei der letzteren bedingt die gröbere Magerung sowohl größere
Wandstärke als unebene Oberfläche. Neben der randlosen Schale, die meist dünnwandig
und flach gewölbt ist, erscheint die Schale mit Schrägrand, bei der die konischen
Formen mit gestreckter Wand vorzuherrschen scheinen. Zu ihnen gehören zumeist die
offenbar ziemlich großen, flachen und dickwandigen Schalen mit Graphitstreifenbema-
lung auf der polierten Innenfläche. Weniger sorgfältig in Qualität und Ausführung,
aber an Zahl häufig ist die konische Schale (Taf. 53, 10).

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