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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0217

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Oberrheinische und hodirheinische Frühbronzezeitler im anthropologischen Gruppenvergleich

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finden sich sogleich mit je einem guten Repräsentanten unter den wenigen (neun) Ad-
lerberger Berühmtheiten.“ Vergleichen wir weiter: Zunächst entspricht in Singen das
Kranium 52/6 typologisch dem berühmtesten Tauriden, namens Adlerberg 34 (meine
Dioptrographenzeichnungen von ihm finden sich zuletzt wiedergegeben — allerdings
ohne Quellenangabe — bei Kurth 1959 Abb. 61 a und b). Zum „Klotz“ Adlerberg 17
(Gerhardt 1953 Taf. 10,4 a—c) paßt sehr gut das brachymorph-cromagnide Kranium
Singen 52/5 und — das darf an dieser Stelle hinzugefügt werden —: Noch mehrere an-
dere Singener reihen sich eindrucksvoll an. Unter den oben angeführten Singener Leit-
schädeln ist kein Alpinider (Alpiner), wie ihn in Adlerberg das Kranium 26 (Gerhardt
1953 Taf. 1, 5 a—c) repräsentiert. Dies besagt aber nicht, daß dieser kleine „Kurvocci-
pitale Rundkopf“ in Singen fehlte: Ich habe nur nicht das Kranium Singen 53/18 zu
den Leitschädeln gefügt, weil es zu viele Substanzlücken zeigt. In typologischer Hin-
sicht liegen jedoch glücklicherweise genug richtungweisende Indizien vor, welche die
Annahme der Zugehörigkeit zum alpinen Typus rechtfertigen. Es möge daher an dieser
Stelle die Darstellung des Kraniums Singen 53/18 nachgeholt werden:
Skelett aus Grab 53/18 (Taf. 69)
Erhaltung :
Nur in wenigen Resten übriggebliebenes Kranium. Zusammenfügbar sind der größte
Teil der Stirn mit der oberen Hälfte beider Nasenbeine, das rechte Scheitelbein und ein Teil
der Oberschuppe des Hinterhauptsbeines. Als isolierte Stücke liegen neben kleinen Hirn-
schalenscherben beide stark bestoßenen Ohrpartien vor und ein Teil der Umrandung
des Hinterhauptsloches. Vom Gesicht sind erhalten: der Unterkieferkörper mit dem
Anfang des linken Astes, zwei Fragmente des Oberkieferkörpers und eine Anzahl loser
Zähne. Vom Körperskelett liegen mäßig viele zertrümmerte Reste aller Regionen vor,
annähernd ganz erhalten ist nur das linke Oberarmbein (Humerus).
Alter:
Die Reste der Kranznaht — rechte Hälfte — und der Pfeilnaht sind fast völlig ver-
knöchert. Im Unterkieferfragment waren beide Weisheitszähne mit glatt geschliffener
Oberfläche vorhanden. Auch die übrigen erhaltenen Zähne zeigen starken, oberflächigen
Abschliff. Danach ist m a t u r e s Alter anzunehmen.
Geschlecht:
Der Hirnschädel ist absolut klein, weich modelliert, die Überaugenbögen sind kleine,
weiche Erhabenheiten, die Nasenwurzel ist weitbogig eingezogen, der Unterkiefer ist
klein, im Körper plump und hat einen winzigen, schwachen Kinnpunkt. Die Skelett-
reste sind dünnschäftig mit sehr kleinen Gelenkenden und schwacher Muskelmarkie-
rung. Danach ist weibliches Geschlecht eindeutig.
Typendiagnose:
Obwohl nur wenige und noch dazu lückenhafte Überreste vorhanden sind, bieten sie
doch mit ihren Formeigenheiten Anhalte genug, um einerseits die Zugehörigkeit zu
mehreren Kraniotypen auszuschließen und andererseits recht deutlich in eine be-
stimmte typologische Richtung zu weisen.
In der Seitenansicht zeichnet sich der Hirnschädel durch seine offensichtliche Annähe-
rung an die Kreisform aus: Aus tief-weitbogig eingezogener Nasenwurzel, deren am

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