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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0291

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Fundschau 1957—1959: Alamannisch-fränkische Zeit

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Die Kerbleiste um das Mittelrund der Adlerfibel ist ein bei den Preßblechfibeln häufig
wiederkehrendes Zierelement. Das als Zellefassung mit ursprünglichem Steinbesatz
ausgebildete Auge ist eine Besonderheit, ebenso wie der Randbelag mit geflochtenen
Golddrähten. Die letztgenannte Verzierungstechnik finden wir im südwestdeutschen
Fundstoff in den beiden Grabinventaren von Weingarten, Ldkrs. Karlsruhe (vgl.
F. Wagner, Fundstätten und Funde 2 [1911] 98, Fig. 98 a), auf einem geösten, braktea-
tenartigen Abschlag nach einem italischen Goldsolidus des Mauritius Tiberius (582—602)
und auf einem ebenfalls geösten Goldtriens des gleichen Herrschers aus Lahr, Ortsteil
Burgheim, Grab 10 (vgl. A. Eckerle, Neue Ausgrabungen in Deutschland, Berlin 1958,
484 ff., Abb. 2,1 und 3,1). Beide Grabfunde sind als „Stiftergräber“ in bzw. bei Eigen-
kirchen des späten 7. oder gar frühen 8. Jahrhunderts anzusprechen. Und in beiden
Fällen handelt es sich um Funde aus Steinkistengräbern mit Mörtelverwendung. Die
Münzanhänger selbst sind frühestens in der ersten Hälfte oder Mitte des 7. Jahrhun-
derts entstanden; die jüngsten Begleitfunde in Lahr-Burgheim, Grab 10 an das Ende des
7. oder die ersten Jahrzehnte des 8. Jahrhunderts zu datieren. Damit ist von der tech-
nischen Parallelität her eine Datierung der Adlerfibel von Göschweiler in die Mitte oder
zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts als Entstehungszeit gerechtfertigt. Über das Ent-
stehungsgebiet unserer Fibel ist mangels Vergleichsfunde kaum Verbindliches zu sagen.
Qualität und Technik lassen am ehesten Import aus dem langobardischen Italien ver-
muten.
In siedlungsgeschichtlicher Hinsicht hat P. Revellio (Bad. Fundber. III,
1933—1936, 383) von der Kirche des Unterdorfes von Göschweiler als von einer Eigen-
kirche eines mit besonderen Rechten ausgestatteten Hofes gesprochen, nach dem wahr-
scheinlich die „Hofäcker“ benannt sind. Die Kirche des Unterdorfes wird etwa um 850
urkundlich als eclesia Cozcerisvilare (H. Wartmann, Urkundenbuch der Abtei Sanct
Gallen, Zürich 1863 ff. 2, 392. — A. Krieger, Topogr. Wörterbuch des Großherzogtums
Baden 2,1, 1904, 734) genannt. Infolge der geringen Entfernung zwischen Kirche und
Reihengräberfriedhof in den „Hofäckern“ bezeichnet Revellio den letzteren als Grab-
stätte des Gründerhofes, während die Reihengräber im Gewann „Heuweg“ (II) zum
Oberdorf zu rechnen wären. Darüber hinaus ist Göschweiler der erste — weder — Ort
auf der Baar, der durch Reihengräber als frühe Ausbausiedlung (7. Jahrhundert) nach-
gewiesen ist.
Mtbl. 131/8115 Lenzkirch. — Verbleib: Kreismuseum für Ur- und Frühgeschichte in
den F. F. Slgn. Donaueschingen. (Unser, Garscha)
Hügelheim (Müllheim).
1. „Klingenthal“, 0,7 km O. Gräber
1957: Bei der Rebumlegung wurden durch Planierraupen menschliche Skelette heraus-
gefahren, die zwar von den Landwirten Karl Schöler und Hans Hirsch beobachtet wor-
den waren. Die herausgefahrenen Knochenteile konnten nur noch gesammelt werden,
wobei eine genaue Beobachtung einzelner Gräber nicht mehr möglich war. Starker Re-
gen hatte dazu noch das rigolte Gelände so verschwemmt, daß auch Grabgruben nicht
mehr feststellbar waren. Offenbar handelt es sich um Reste eines alamannischen Fried-
hofes.
 
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