Bieńkowski, Piotr
Die Darstellungen der Gallier in der hellenistischen Kunst — Wien, 1908

Seite: 29
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Fig. 42.

II.

DER TORSO VON DELOS UND DIE KÖPFE VON
MYKONOS UND VON GIZEH.

Im Anschluß an das vorhergehende Kapitel mögen drei Originalwerke aus Marmor folgen,
die, obwohl keine direkten Schöpfungen der pergamenischen Werkstätten, doch dasselbe gewaltige
Pathos zeigen und in Bezug auf die Frische der Auffassung und Virtuosität der Ausführung unter
allen in diesem Buch besprochenen Gallierdarstellungen obenan stehen. Zunächst:

20) Der Kriegertorso von Delos im Nationalmuseum in Athen. Abg. bei Brunn-Bruckmann,
Denkmäler Taf. 9. Hier (Fig. 42) nach einer Photographie, auf der leider die antike Plinthe mit
Besten der Zehen wegretouchiert wurde. Ausreichende Beschreibung dieser von S. Beinach im Jahre
1882 auf Delos gefundenen Figur gibt samt einer Heliogravüre im Bull, de corr. hell. 1889, 113,
pl. IL derselbe Gelehrte, der ihn dem Agasias, dem Sohn des Menophilos aus Ephesos und Vetter
des auf dem Baumstamm des Borghesischen Fechters unterzeichneten gleichnamigen Bildhauers,
zuschreiben möchte. Doch hat Wolters (Athen. Mitteil. 1890, 188) überzeugend nachgewiesen, daß
der Krieger von einem Denkmal herrührt, durch das ein sonst unbekannter Sosikrates auf Delos
einen Sieg gefeiert hat, den des Attalos I. dritter Sohn, Philctairos während der Begierung
seines Bruders Eumenes II. (197 — 159 v.Chr.), wahrscheinlich um das Jahr 171, erfocht. Von der
auf dem Postament aufgestellten Kampfgruppe von der Hand des Bildhauers Nikeratos, zu dem
jetzt das Jahrbuch des arch. Inst. XX. 26 zu vergleichen ist, wäre nur der in Bede stehende Torso
des auf die Knie niedergesunkenen Kriegers noch erhalten, während die Figur des vermutlich
zu Pferde dargestellten Siegers, also des Philctairos, als verloren gilt; denn das erhaltene Por-
trät des Philetairos (abg. bei Arndt-Bruckmann, Griech. u. röm. Porträts, Taf. 107, 108) hat selbst-
verständlich damit nichts zu tun. Doch sehen wir näher zu.
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