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Kreis Aschersleben.

nicht durch Werke ersten Ranges, so doch von hervorragendem Werte. Sie
findet ihre Betätigung erst mit Yollendung der großen Kirche, der fast alle
angehören, und eine ziemlich lange Reihe von Meistern, die aber fast nie
genannt sind, hat die zahlreichen Werke geschaffen, die meist Tafelgemälde
sind. Wo die Gemälde herstammen, ist meist unbekannt. Aschersleben selbst
hat wohl kaum die Maler auch der geringeren Werke hervorgebracht. Daß man
später Halberstädter Meister beschäftigte, ist sicher; vielleicht geschah es auch
schon früher; die Maler werden der fränkischen Schule nahe gestanden haben,
von denen Cranachscher Schule zu Wittenberg abgesehen. Es kann hier nur
versucht werden, die wertvollsten der erhaltenen Bilder in der zu vermutenden
chronologischen Folge noch einmal zu überblicken.

Zu den ältesten Werken gehört wohl die heilige Sippe (Tafel XV); es ist
zugleich eins der tüchtigsten. Sodann dürften folgen Xo. 22 der oben gegebenen
örtlichen Aufzählung: Christi Geburt; No. 24 u. 25, die offenbar zusammengehören:
Katharina und Barbara auf einem Flügel, St. Georg und Maria Magdalena auf
dem anderen; beide Rückseiten zweiteilig. Einen besonders tüchtigen Meister
bekundet No. 26: Stephanus und Katharina. Hieran schließen sich die Gemälde
Cranachscher Schule (No. 1—3, Tafeln X—XIV). Leider ist bisher keine Notiz
gefunden, aus der sich die näheren Umstände dieser wertvollen Erwerbung
ergäben. Einen achtungswerten Meister läßt No. 20: Himmelfahrt Christi, er-
kennen, der wohl in die Mitte des 16. Jahrhunderts zu setzen ist. Zwei datierte
Gemälde von 1555 und 1557 (No. 30 u. 21) haben keinen Kunstwert. Kein Kunst-
werk, aber bezeichnend für den Geschmack der Zeit ist No. 28: Das jüngste
Gericht. Die nun folgenden Gemälde, schlichte, aber tüchtige Leistungen, befinden
sich an dem Ehrengedächtnis Stockeibrandts, das nur kleinere Porträts hat, und
an dem Herwigs, dessen Gemäldeschmuck über das gewöhnliche Maß künst-
lerischer Betätigung dieser Zeit hinausgeht. Weiter ins 17. Jahrhundert ragt
No. 13 herein: Moses erschlägt den Ägypter. Der begabte Meister zeigt in Kom-
position und Farbe eine anders geartete Zeit, in welche auch das figurenreiche
Gemälde der Auferweckung des Lazarus gehören dürfte (No. 36). Gegen beide
fallen völlig ab das kleine Bild No. 33: Christi Himmelfahrt und No. 29: Elias
die Totengebeine zum Leben erweckend. Zwei Kruzifixe (No. 31 u. 32) verraten
gute Maler; der von No. 32 ist aber kein Kenner des menschlichen Körpers.

Die zahlreichen Porträts rühren meist von dem Halberstädter Maler Wrulf
Ernst Lindemeyer her. Sie sind lebenswahre, wenn auch nicht gerade scharf
charakterisierte Gestalten von guter Farbengebung. Lindemeyer hatte schon
1656 die Kanzel der Stephanskirche mit ausgestattet. 26 Porträts, von denen 21
erhalten sind, rühren vor allem von ihm her und sind 1663 gemalt. Die lebens-
großen Porträtfiguren von Johann Hertzog (f 1636), Georg Titius (f 1665),
Johannes Fügenspan und Yalentin Hardgen darf man auch dem Halberstädter
Meister zuschreiben, vielleicht auch das Porträt des Orgelbauers Georg Not-
nagel (f 1665).

Yon Werken außer denen der Stephanskirche verdient nur das Porträt von
Balthasar Breitsprache in der Margaretenkirche Erwähnung (1689) und allenfalls
das des Magisters Christian Schüler ebenda (1691). Sämtliche Porträts zeigen
ruhige Würde ohne Gespreiztheit und Übertreibung.
 
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