Bickell, Ludwig [Editor]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 1): Kreis Gelnhausen: Textband — Marburg, 1901

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Kreis Gelnhausen.

Po Ii tisch war das Gebiet in den ältesten historischen Zeiten im Wesentlichen dem Reich direkt
unterstellt, welches hier umfangreiche Kammergüter besass. Die meisten Gerichte waren Freigerichte oder gingen
voin Reiche zu Lehen, wie Altenhasslau, Grindau, Mittlau, Somborn, Udenhain, Wolferborn, und
nur Reichenbach war fuldisches, Orb mainzisches, Wirtheini (mit Höchst und Cassel) aschaffenburgiscb.es Lehen.

Mit der Entwicklung der Territorialherrschaft kam der grösste Theil der genannten Gerichte in die
Hände verschiedener Dynastengeschlechter, schliesslich durch Erbschaft, Kauf und geschickte Politik fast aus-
schliesslich in die der Grafen von Hanau und Isenburg, dann an Hessen-Cassel und schliesslich an Preussen.

Kirchlich gehörte das Gebiet des Kreises grösstenteils zu dem Erzstift Mainz, nur einzelne Orte
zu Würzburg. Näheres wird in den einzelnen Ortsabschnitten angegeben werden.

Die Bewohner waren Franken, wie denn noch im 14. Jahrhundert (1360, Urk. III, 370) zu Gelnhausen
Frankenrecht galt, und das Gebiet gehörte zum Gau Wettereiba beziehungsweise dem Untergau Kinziggau, mit
Ausnahme der zum Maingau gerechneten Gerichte Bieber, Altenhasslau und Somborn.

Die Zahl der klösterlichen Niederlassungen war eine sehr geringe. Im 12. Jahrhundert entstand
Meerholz, das Tochterkloster von Seibold, zu Gelnhausen im 13. ein Eranziskanerkloster und im Anfang des
14. das Kloster Himmelau (ordinis Sanctae Ciarae). Dagegen besassen mehrere Orden und Klöster Pflegschaften
für ihren reichen Grundbesitz und Gefälle aller Art in der Stadt Gelnhausen.
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