Bickell, Ludwig [Editor]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 1): Kreis Gelnhausen: Textband — Marburg, 1901

Page: 149
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Hausen. Hellstein.

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befindet sich verkehrt eingemauert ein schönes der Fig. 2 Tab. 240 ähnliches Wappen aber von 1579, ein
weiteres an dem Wirthshaus von Kandelabersäulchen fiankirt und von 1581.

Der Bildstock bei g Tab. 240 Fig. 7 von einfachster Form ist 1570 datirt und also auch von Mainz
errichtet. Auf dem Weg nach Aufenau steht ein einfaches

Heiligenhäuschen mit unbedeutenden geschnitzten Heiligenfiguren aus dem Schluss des 18. Jahr-
hunderts etwa, daneben ein Grenzstein einerseits mit dem Wappen von Fulda (Kreuz) darunter B(isthum)
F(ulda) X. 79 anderseits mit dem Mainzer Rad darunter C(hur) M(ainz) N. 79 bezeichnet. Er kann also nicht
vor 1752 (Bisthum Fulda) entstanden sein. ■

Hellstein.

Dorf von 450 Einwohnern, 374 Stunden nordöstlich von Gelnhausen, ehemals zum Gericht Udenhain, jetzt
zum Amtsgericht Wächtersbach gehörig.

Aus dem frühen Mittelalter ist nur seine Erwähnung in der Grenzbeschreibung von Salmünster aus dem
Jahr 900 c. (Urk. I, p. 20) bekannt, wo es Ellenstein und Elentstein genannt ist. Die Lage zwischen Aufenau
und Sotzbach an der Bracht ergiebt, dass unser Ort damit gemeint ist, was bisher übersehen wurde. Später
wird es Hellinstein (1322), Hellensteyn (1347), Helinstein (1377), Hellenstein (1382) genannt. Simon (I, p. 63)
bringt den Namen kaum richtig in Verbindung mit der germanischen Todtengöttin heia, Arnold p. 480 leitet
ihn von hell (clarus) hell ab. Die neben der Kirche liegenden grossen hellen Sandsteinfelsen und die blendend
weissen Hügel — an denen für die Steingutfabrik Schlierbach, früher für die Glashütte u. s. w. Sand gegraben
wird — lassen diese Deutung naheliegend und richtig erscheinen.

Um 1384 war das halbe Dorf noch im Besitz eines Götz von Herublis (Herolz), der dort auch einen
gefreiten Hof besass und beides letzwillig an Johann v. Isenburg abtrat (Birstein rothes Buch fol. 123.).

Der einzige bemerkenswerthe Bau des Ortes ist die

Pfarrkirche.

Die Kirche war bis 1689 Filial von Spielberg, jetzt ist sie Hauptkirche, zu welcher Neuenschmitten,
Schlierbach und Udenhain gehören. Im Jahre 1842 fand eine Erweiterung derselben statt, bei welcher mil-
der alte Chor beibehalten ist.

Der Chor ftachgedeckt, quadratisch, hat rundbogige, unprofilirte schwache Gewände an den nach Innen
wenig erweiterte Fensteröffnungen. Unter der südlichen ist eine kleine rechteckige Nische, unter dem nörd-
lichen ein kleines Wandschränkchen angebracht. Die Technik des Mauerwerkes lässt soweit die Tünche es
gestattet ein unregelmässiges Bruchsteinwerk erkennen. Der Triumphbogen fehlt.

Das Schiff scheinbar auf den alten Fundamenten 1842 errichtet hat eine flache Decke, welche in
die des Chores direkt übergeht. Getragen von antikisirenden gedrehten Säulen umziehen flache Emporen alle
Seiten und greifen mit einer Abschrägung bis in den ('hör hinein. Die moderne Kanzel steht auf der Ostseite,
davor der Altartisch.

Der Dachreiter, unförmlich stark und von quadratischem Querschnitt enthält 2 Glocken.
Die grössere ältere von 0,705 Durchmesser, 0,55 m Höhe hat in lateinischen Grossbuchstaben und drei
Beiheu die Inschrift:

IN HÖREM (sie) DEI REGNANTE CELSISSIMO PRINCIPE ADOLF] 10 AH YSENBVRG ET BÜDINGEN
HAECCE CAMPANA NOVA FACTA ★ PASTORE H. 1). HFYL HANOIENSE ANNO MDCCLXXX DIE
SEPTEMBRIS XXVIII (Salbeiblatt) IX GOTTES NAMEN FLOSS ICH IOHANN GEORG BACH IN WIN-
DECKEN GOSS MICH.
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