Bickell, Ludwig [Editor]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 1): Kreis Gelnhausen: Textband — Marburg, 1901

Page: 145
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Gettenbach. Gonsroth.

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Der Ort war der Sitz eines der zwölf Förster des Büdingerwäldes, und als 1377 die Orte bezeichnet
wurden, an denen Hüten für die Mastsehweine anzulegen seien, wenn die Bucheckern geriethen („wenn ein
eckern ist") wird getmbach in der Knusenhof genannt (Urk. IV, p. 48). In demselben Jahr war Fritz Knuse
einer der drei Förster des Vorderamtes (des Büdingerwäldes) (Urk. IV, p. 50). Aus diesem Forsthof hat
sich der jetzt als Witwensitz der Grafen von Isenburg-Meerholz benutzte Herrensitz, das sog. Schloss, ein in
der Thalsohle gelegener aus schmucklosem ungetünchtem Bruchstein errichteter Bau mit umfänglichen Wirth-
schaftsgebäuden entwickelt. Auch das unzugängliche Innere soll nach zuverlässiger Mittheilung des gräfl.
Kammerdirektors zu Meerholz keinerlei baulichen Schmuck enthalten.

Im Schrolsgrund oberhalb Gettenbach haben im Jahre 1698 die Grafen von Ysenburg eine neue gemein*
schaftliehe Glashütte angelegt, welche aber wieder eingegangen ist, nachdem zu Gettenbach bereits eine solche
1682 bestanden.

Gonsroth.

Dorf von 300 Einwohnern, l3/4 Stunden südwestlich von Gelnhausen, im alten Gericht »Seibold jetzt
Meerholz.

Der Name, welcher 1151 Gonsrode, 1234 Gunsrode, 1536 wieder Gonsrode lautet, ist (nach Arnold
]). 454) von dem Eigennamen Gunzo abzuleiten.

Der Ort war der Sitz einer adligen Familie von Gondsroth, und zwei Brüder aus derselben bestimmten
im Jahre 1234 eine Hufe von ihrem patriononium in dotem Capelle in Gonsrode, womit wohl das Gründungs-
jahr derselben bezeichnet wird (Urk. I, p. 143). Zwar nennt die gefälschte Urkunde von 1151 unter den Be-
sitzungen des Klosters Selbold auch Gonsrode, da aber in der ächten gleichen Inhaltes von 1158 der Ort nicht
aufgeführt ist, wird 1234 als Gründungsjahr gelten müssen. Schon 1238 wird die Capelle aber ausdrücklich
als im Besitz des Klosters aufgeführt. Sie hatte einen eigenen Caplän, welcher seit 1343 auch die neu-
gestiftete Capelle zu Neuenhasslau mit zu versehen hatte (Urk. II, p. 612) und aus den KIostergeistlielie.il ge-
nommen wurde.

Bei der Säcularisation 1543 kam die Capelle zu Gonsroth als Filial an die Kirche auf dem Berg
(Niedergründau) später zu Niedermittlau. Aus Baurechnungen des Archivs zu Büdingen geht hervor, dass der
Thurm 1646 reparirt, neu gedeckt und dass im Jahre 1659 Emporbühnen angelegt wurden (Kulturwesen
Nr. 421 (1642—83) und Nr. 47). Im Jahr 1717 musste eine Landescöllecte (Isenburgisehe) zur Reparatur der
sehr baufälligen Kirche verwilligt werden.

Die Filialkirche.

Der mittelalterliche Titel derselben ist unbekannt.

Der bestehende schlichte Bruchsteinbau ist ohne eigentlichen Chor im Osten halb achtseitig geschlossen,
und hat im Westen einen quadratischen starken Thurm, mit hohem achtseitigem Helm zwischen schlanken
Giebeln aus Fachwerk. Den Hanpteingang bildet ein Spitzbogenthor mit sich durchdringenden Gliederungen
auf der Westseite des Thurmes, dessen mit einem rippenlosen Kreuzgewölbe gedecktes Erdgeschoss als Vor-
halle dient (Tab. 235 und 36). Die Thurmwände durchbrechen nur schmale rechteckige Fensterschlitze, und
der Glockenstuhl liegt deshalb in dem Hehn, dessen Giebel SchaJlöffnUngen besitzen.

Das Schiff hat moderne nnprofilirte im Stichbogen geschlossene, wohl aus dem Neubau von 1659 her-
rührende Fenster, und einen Dachsims, welcher durch die reichgekehlte äussere Mauerlatte gebildet wird. Die
Decke bildet ein Brettergewölbe von Korbbogenform, welches mit den Emporen gleichzeitig entstand und auf

Tab. 237 dargestellt ist. Die mangelhafte Construction des Dachverbandes hat die Mauern auseinander

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