Bickell, Ludwig [Editor]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 1): Kreis Gelnhausen: Textband — Marburg, 1901

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Der Hainerhof

Das Cisterzienserkloster Haina in Oberhessen besass schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts zur Ver-
waltung seiner Zinsen und Gefälle, besonders des Weinzehntens in der Kinziggegend, Höfe zu Bergen, Roth
und Gelnhausen. In Gelnhausen lag derselbe schon damals an der Grenze der Vorstadt hinter dem Hospital,
an der auf dem Stadtplan mit 13 bezeichneten Stelle. Die älteste Erwähnung desselben scheint in einer
Urkunde von 1248 (Urkb. I, p. 187) vorzuliegen, in welcher ein Geinhäuser Bürger dem Kloster einen Wein-
berg schenkt, gegen Zuwendung der bona que fiunt apud eos (d. h. der Gnadenmittel) und unter der Be-
dingung, dass sie ad ecclesiam suam tempore suo nos de/erent tumulandos. Die Verhandlung fand in Gelnhausen
vor Geinhäuser Zeugen statt, so dass vernünftigerweise nur eine Capelle des Hainerhofes, nicht die weit-
entlegene Klosterkirche zu Haina gemeint sein kann. Nach dem Vorgang der anderen Ordenshäuser ist die
Existenz einer Capelle wohl nicht zweifelhaft. Direkt genannt wird die Niederlassung erst 1311, als das Kloster
zur Vergrösserung derselben einen Hof von der Stadt kaufte: ex tina parte fosso nostro exteriori et ex altera eurie
monachorum in Heynes confinitam (Urk. II, p. 105). Im Jahre 1362 wird ein Haus, welches ihnen testamen-
tarisch zugedacht war, „neest irme tore" genannt (Urk. III, p. 456), und ihnen von dem Testator erlaubt es
zeu mime lybe (zu) buwen wan sy wollen zeu eyner kapellen odir anders zeu irme gemache, womit dem Sinn der
Urkunde nach nur das Thor des Hainerhofes bezeichnet sein kann, welches als einziger Rest der mittelalter-
lichen Anlage auf uns gekommen ist, während die übrigen Bauten innerhalb der noch wohl erkennbaren Um-
fassungsmauern zerstört, oder im vorigen Jahrhundert erneuert sind. Nach Angaben des Besitzers finden sich
unter den Gärten noch umfangreiche Kellergewölbe. Bei der Säkularisation von Haina gelangte auch der Hof
in landgräflichen Besitz und war um 1700 in dem der darmstädtischen Uinie (s. Geinhäuser Rathsprotokoll
dieses Jahres). Wann er in Privatbesitz kam ist nicht bekannt. Das durch Tab. 134 resp. 9 genügend
erläuterte schöne Eingangsthor ist völlig identisch mit dem des Hofes des Bischofs Siegfried von Chur (Stadt-
plan Nr. 22) hinter dem Eranziskanerkloster. Da nicht anzunehmen ist, dass die Nonnen des Klosters Himmelau
den ihnen zugefallenen Hof in besonders aufwendiger Weise umgebaut haben, dürfte dieses Thor noch am
Sehluss des 13. Jahrhunderts durch Siegfried errichtet sein, als er dort seine Residenz aufschlug.

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