Bickell, Ludwig [Editor]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 1): Kreis Gelnhausen: Textband — Marburg, 1901

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Die Höfe des deutschen Ordens,

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Die Capelle ist sehr klein1) (ca. 5 M. im Quadrat), hat ein Kreuzgewölbe mit hohlprofilirten Rippen und
an dem Schlussstein ein agnus dei. Das noch 1881 vom Verfasser seizzirte Ostfenster fehlt jetzt, da die Capelle
als Kuhstall dient. In dem zugehörigen Garten fand sich das Masswerk eines zweitheiligen Fensters, welches
einem Raum angehört haben muss, dessen eine Wand Rubi noch sah, von der er aber (in seiner Schrift „Ge-
bäude des Mittelalters zu Gelnhausen" p. 31 irrthümlich sagt: „Mit diesem Gebäude (demWohnbau) stand eine
Kirche in Verbindung, von deren Chor sich eine Mauer mit reich verzierten Spitzbogenfenstern erhalten hat".
Ks wird ein Saal, das Refektorium, der Hauptraum der Anlage gewesen sein, während der noch bestehende
nur kleine Wohnzelleh enthielt. Leider ist die Mauer etwa in den 40er Jahren abgerissen worden, als man
nördlich ein grösseres neues Wohnhaus anbaute. Unter dem Dach desselben sollen an der Aussenseite des
alten Wohnhauses noch Malereien mit Wappen zu erkennen sein. Leider waren sie stets unter Heu und Stroh
begraben, und nicht frei zu machen. Das erwähnte Masswerk ist vom Verfasser erworben und in der Thor-
halle der Burg deponirt worden.

Die Höfe des deutschen Ordens.

A) Zur Comthurei Marburg gehörig.
Das Ordenshaus zu Marburg besass Grundstücke und Gefälle in Gelnhausen, scheint aber noch
1263 kein eigenes Haus besessen zu haben, da es seinen Wein in dem Keller des Friedrich von Breidenbach
aufbewahrte (Urk. I, p. 285). Schon 1364 jedoch verpachtete es sein steinenhus gelegen an dem Kirchhove
zw Geilnhusin mit der Keltern davor gelegen (Urk. III, p. 501). Dasselbe Haus wird 1380, gelegen geyii dem
(■(ijijti/liiii Inj dem steinen hörnen (Urk. III, 184) und 1426 gelegen in der Heiczergassen (Berlin Stadtbuch)
bezeichnet, muss also das Eckhaus mit geräumigem Hof gewesen sein, welches bereits 1700 von der Stadt
erworben war (Rathsprotokoll dies Jahres) und in den 80 er Jahren nach den Plänen des Landesbau-
inspektor Wohlfarth durch eine landwirthschaftliche Winterschule ersetzt ist. Den alten Zustand lässt Tab. IX.
bei Rubi, den jetzigen unsere Tab. 54 erkennen.

B) Zur Comthurei Sachsenhausen gehörig.

Auch das Ordenshaus zu Sachsenhausen besass schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts in und
um Gelnhausen zahlreiche Güter, Weinberge, Gefälle und Miihlenantheile. Eine der ersten bekundeten Er-
werbungen war die der Wasenmühle 1273 (Urk. I, 346).

Im Jahr 1303 verkaufte Arnold von Glauburg ein Haus apud valvam que dicitur Holzdor nebst zuge-
hörigen Weinbergen an die Herrn von Sachsenhausen, deren Sitz es fortan blieb (Urk. II, p. 15). In demselben
Jahr erwarben diese dann ein anstossendes dem Kloster Meerholz gehöriges Haus.

Das umfangreiche Grundstück war von einer Mauer umgeben, in der nach der ehemals „Gunsenergasse"
jetzt „am Schlachthaus" genannten Strasse zu, ein schon 1356 erwähntes Thor (Urk. II, p. 224), weiterhin
nach der Stadtmauer ein Spitzbogenpförtchen sich befindet, wie der Stadtplan Nr. 11 andeutet. Die Mauer
umfasst neben mehreren Wirtschaftsgebäuden die jetzt zum Theil in Privatbesitz übergegangen sind, das
Hauptwöhnhaus, welches in einer Erneuerung des beginnenden 16. Jahrb. noch besteht, aber stark modernisirt
ist. Es fehlt vor allem die alte wohl mit Wappen und Jahreszahl versehene Eingangsthür nach der Holz-
gasse. Die rechteckigen schmalen mit Karniesprotil und Schalterfalz versehenen Fenster sind grösstenteils

>) Was ja auch zu der Erwähnung von 1428 passt.
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