Bickell, Ludwig [Editor]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 1): Kreis Gelnhausen: Textband — Marburg, 1901

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Hellstein. Höchst.

Das Profil der Haube hat die bei Bach beliebte scharfe überstehende Platte und die um ein starkes
Mittelohr gruppirten Bügel der Krone sind an der Aussenseite mit menschlichen Fratzen verziert. Ueber der
Inschrift läuft ein breiter Ornamentfries.

Die kleinere Glocke von 0,65 Durchmesser, 0,48 m Höhe hat in gleichen Buchstaben die zwei-
zeilige Inschrift:

DIESE GLOCKE GOSS PH. G. BACH ZU WINDECKEN IM IAHR 1856 | FUER DIE EVANGELISCHE

KIRCHE ZU HELLSTEIN.

Das Profil des Halses ist das gleiche wie an der älteren Glocke, die Bügel achteckig glatt, ein zier-
licher Ornamentstreif läuft über der Inschrift her.

Von Altargeräthen verdient Erwähnung ein einfacher, silberner, innen vergoldeter Kelch aus dem
18. Jahrhundert. Eine zinnerne Abendmahlskanne von schwach kegelförmiger Grundform mit kräftiger Schnautze
und einfachen Profilen aus dem 17. Jahrhundert, sowie eine zinnerne Taufschüssel einfachster Form aus dem
18. Jahrhundert.

Höchst.

Dorf von 550 Einwohnern, ■'/, Stunden östlich von Gelnhausen, gehörte ehemals zum Gericht Wirtheim,
jetzt zum Amtsgericht Orb.

Der Ort wird schon 976 (siehe auch Cassel u. Wirtheim) als hosti genannt.

Aus späterer mittelalterlicher Zeit fehlen Nachrichten, doch soll nach Wolf (p. 162—3) dort ein Bet-
häuschen bestanden haben an dessen Stelle im Jahr 1415 nach der glücklichen Abwendung einer Viehseuche
eine dem Schutzpatron des Ackerbaues dem heil. Wendelin geweihte Capelle trat. Nachdem die Reformation
in der Umgegend eingeführt worden, und die reichen Spenden an die Capelle ausblieben, sei dieselbe ver-
fallen und habe von 1552—1570 ohne Dach gestanden. Nachdem der Ort längst wieder katholisch geworden,
wurde sie wohl zugleich mit Anlage eines Todtenhofes hergestellt und zu Todtenmessen benutzt. Im Jahr 1892
ist eine neue grosse Kirche im Ort selbst erbaut, welcher nach Wirtheim eingepfarrt ist.

Die Wendelincapelle

liegt höchst malerisch am Ausgang eines Waldthaies inmitten des Todtenhofes etwa 5 Minuten östlich vom Ort
(Tafel 242 C, Fig. 1—6). Sie ist ein einschiffiger, östlich polygen geschlossener flachgedeckter Bruchsteinbau.
Auf der dem Thal zugewandten Nordseite ist die alte mit Hohlkehle zwischen schrägen Plättchen protilirte
Spitzbogenthüre, ein ebenfalls altes gefasstes schmales Rundbogen- und ein kleines gefasstes Rechteckfenster
erhalten, eine neue rechteckige Thüre 1735 (I) eingebrochen. Am Chor durchbricht eine Rose mit Vierpass
(Fig. 3) die Ostwand, kleine gefasste rechteckige Fenster die schrägen Seiten. Auf der Südseite liegt dem
langen Rundbogenfenster ein gleiches gegenüber. Auf dem steilen Schieferdach sitzt ein vierseitiger jetzt nur
mit 2 Rundöffnungen durchbrochener, mit schlankem Helm und einfachem Kreuz gekrönter Dachreiter.

Das ansteigende Terrain gewährt auf der Westseite mit wenigen Stufen den Zugang zu einer kleinen
Empore, welche 1701 bei der Herstellung angelegt und mit viereckigen aus dem massiven Holz profilirten
Ständern (Fig. 4) und gedrehten Docken construirt ist.

Das kahle Innere ist nur geschmückt durch den:

Altar von dürftiger handwerklicher Ausführung. Er hat ein halbrund geschlossenes Hauptbild auf
Leinwand, den heil. Wendelin, umrahmt von einer Säulenstellung mit geradem Gebälk,, auf dessen Mitte die
Holzstatue einer Madonna steht. Ein

Beichtstuhl von origineller handwerklicher Form (Fig. 5) steht unter der Empore.
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