Bickell, Ludwig [Editor]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 1): Kreis Gelnhausen: Textband — Marburg, 1901

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Der Gutleuthof

das Beghinenhaus und das Heiligenhäuschen.

Da Gelnhausen an einer lebhaften Verkehrsstrasse lag, wird es schon im 13. Jahrhundert auch ein
Leprosenhaus gehabt haben. Genannt wird ein solches erst 1319 in einem Zinsregister des »Spitals (Staats-
archiv Marburg, Depot der Stadt Gelnhausen), decimam novi montis juxta leprosos sitam, und 1380 (ebendaselbst)
„gelegen bii guden luden henesiit der lantgewer". Reste desselben haben sicli leider nicht erhalten, ja es ist
sogar die Stelle desselben nicht genau nachweisbar, wenn sie auch in einem Rathsprotokoll von 1687 mit
den Worten „St. Georgen Bau sonst der gute Leuthof genannt vorm Thürngen gelegen" nochmals erwähnt
wird. Das Haus hatte eine wohl sehr bescheidene Capelle mit einem eigenen Caplan zu St. Georgen zu den
guden luden (Zinsreg. des Spitals von 1470, w. o.). Schon nach der Spitalordnung von 1560 waren die
Grundstücke und Gefälle des Hofes dem Hospital zugewiesen, der Bau also wohl aufgegeben.

Ein Gotteshaus zur Pflege von armen und wandernden Leuten wurde 1358 von den Töchtern des
Siegfried Klaffhuser in ihrem steinernen Haus gestiftet und mit zwei guten geistlichen Frauen besetzt, es lag in
der Aussengasse hinter dem Rathaus, bestand in dem (väterlichen?) steinernen Haus und einem weitern Hof
(rothes Buch, Abschrift p. 111 und 112), und wurde bereits 1425 als baufällig abgebrochen (Berlin, Stadthuch
von Gelnhausen, Bl. 90). Daneben wird ein Beghinenhaus erwähnt, dessen Schutzberr der Schöff Johann von
Glauburg 1434 war (Junghans p. 221 Quelle?), der wohl der alten Stiftung ein neues Heim gegeben hatte.

lieber die Aussengasse vergleiche p. 13.

An dem Weg nach Haitz in der Nähe des Klosters Himmelau liegt in der Nähe der Weinberge ein
interessanter kleiner aus Bruchsteinen errichteter Gewölbebau, welcher in einem Werschaftsbuch der Stadt
(Staatsarch. Marburg) 1613 als „Heiligenhaus, beim Heitzerthor" (1672 „beim Kloster Himmelau") genannt
wird und auf Tab. 123 nach einer Federzeichnung Rubis dargestellt ist, welche mit dem heutigen Befund noch
ganz übereinstimmt.

Es dürfte mit den bei der Weinlese üblichen kirchlichen Gebräuchen zusammenhängen, deren Rest sich
noch jetzt in dem Umfragen einer kleinen mittelalterlichen geschnitzten Heiligenfigur des „Urbanus'chens" er-
halten hat. Dieses Figürchen wird bei jedem Umzug (der jetzt nur in guten Jahren stattfindet) mit einem
neuen „Mäntelchen" geschmückt, ohne dass das alte beseitigt wird, sodass die wohl ursprünglich einem Altar-
werk angebörige sitzende Figur des Pabstes Urbanus (welche man überdies in lächerlicher Weise beweglich
gemacht bat), jetzt einen unförmlichen Stoffhallen darstellt.
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