Bickell, Ludwig [Editor]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 1): Kreis Gelnhausen: Textband — Marburg, 1901

Page: 183
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Orb.

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Der Marktbrunnen.

Bis zum Abbruch des alten Rathauses im Jähr 1868 war auch der Brunnen in der Mitte des Marktes
noch in seinem ursprünglichen Zustand. In einem viereckigen Kumpf aus Steinplatten erhol) sieh eine ge-
wundene Steinsäule von ähnlicher Bildung, wie die Säulen des Hochaltares, auf welche eine kleine broncene
unbekleidete Knabenfigur mit einer Windfahne stand. Aus unbekannten Gründen wurde die Anlage zerstört,
und die Säule zu einer Mariensäule vor dem vom König Ludwig L erlernten Hospital verwendet, für die
Broucefigur eine neue kurze Säule angefertigt, Nachrichten über die Entstehungszeit und den schaffenden
Künstler oder Inschriften fehlen, doch ist das Ganze nach der Form der Säule und den Charakter der Sculptur
in die Mitte des 17. Jahrhunderts zu setzen. Tab. 802. (' giebt eine Vorstellung von der Figur.

Die Saline.

Es kann hier natürlich nicht näher auf die interessante Geschichte des Salzwerkes eingegangen worden,
über welches sich ausführliehe Nachrichten in einem Memorienbuch des Stadtarchivs linden, welches u. a.
eine Instruction für die Sälzer vom Jahre 1399, sowie eine Salz- und Holzordnung von 1420 enthält. Auch
zahlreiche Pläne und Constructionszeichnungen der Kunsträder und Pumpwerke, sowie umfangreiche Salzakten
sind mit dem Besitz der Saline aus dem bayrischen Salzamt an die Stadt Orb übergegangen.

Ks mag nur erwähnt werden, dass das Salzwerk (seit 1399 wenigstens) unter einem Salzgrafen
stand, als welcher meistens der herrschaftliche Amtskellermeister fungirfe, dass die Ausbeute nach Brunnen-
und Pfannentheilen schon früh an eine Reihe von Theilhabern verliehen war, von denen um 1420 sechszehn
genannt, und dem entsprechend auch ebensoviel Siedehäuser aufgezählt werden, deren jedes seinen eigenen
Namen hatte (zum Löwen, Adler etc., nieist aber nach dem Besitzer).

Die alte Hauptquelle liegt an der auf dem Plan südlich in den Rand einschneidenden Stelle, in einem
gewölbten mit Spitzbogenthor versehenen, später thurmartig erhöhten Bau, mit anschliessendem ummauertem
Hof, über dessen Tbüre ein mainzisches Wappen mit der Jahreszahl 1580 eingehauen ist (cf. Tab. 299). Inner-
halb dieses Hofes lag eine weitere alte Quelle, der ..Katzenwenzel'-, und es wurde hier im 18. Jahrhundert
ein achteckiger Pavillon errichtet, in dem die Pumpen für beide alte Quellen lagen, welche durch ein Kunst-
gestänge von der Orb aus betrieben wurden. Ursprünglich wurde die Soole durch das natürliche Gefälle in
grosse flache mit Holz verkleidete Behälter geleitet, welche zwischen der Sohlgasse und der Stadtmauer, dem
höchsten Punkt innerhalb der Stadt, welcher noch zu erreichen war, lagen. Hier scheint die Soole der Con-
centration durch Verdunsten überlassen worden zu sein. Ks setzten sich infolge dessen auf dem Boden der
Behälter grosse Massen von Niederschlägen an, welche über einen Meter dicke steinharte Bänke bilden, die
jetzt ärmlichen kleinen Häuseben theils als Fundament, theils als Uecke von Kellern und Ställen dienen. Die
senkrechten glatten Flächen der Bänke bewahren Kindrücke der Bretterbekleidung und sind fast auf der ganzen
Länge der engen tief eingeschnittenen Sohlgasse zu sehen. Von da lief die Soole zu den Siedehäusern,
welche zumeist um den Sool platz lagen, welcher später zur Anlage der neuen Strasse bebaut wurde
(Wolf 119).

Von diesen Siedehäusern hat sich keins mehr erhalten. Das letzte bestand, zu einer Scheuer umge-
wandelt, noch im Jahr 1895, hatte ehemals einen Staffelgiebel gehabt, und trug über dem gefasten Rund-
bogenthor die Jahreszahl 1620 (Plan Nr. 504). Kr ist auf Tab. 298 im Hintergrund deutlieh zu erkennen.

Gradirhäuser scheinen in Orb erst im 17. Jahrhundert aufgekommen, und anfänglieh mit Stroh gefüllt
gewesen zu sein. Erst im Jahr 1715 wurde die Verwendung von Reissigholz eingeführt und grössere Gradir-
häuser errichtet. In der Umgegend wurde aber in älterer Zeit nachweislich vielfach die concentrirte Soole
direkt benutzt.

Im Jahr 1763 übernahm die Landsherrschaft den Betrieb des Salzwerkes und legte ausserhalb des
Ortes einen umfangreichen planmäs§igen Neubau an, der noch grösstenteils erhalten ist. Es wurden nein;
Quellen erbohrt, und durch Pumpwerke mit umfänglichem Kunstgestänge von mehreren Kunsträdern aus die
Soole auf die entfernt und hochgelegenen Gradirhäuser geschafft. So blühte das Werk auf, bis in den siebziger
Jahren die grosse Stassfurter Produktion alle diese kleinen Salinen lahm legte, von denen einige darunter
auch Orb als Heilquellen eine neue Bedeutung zu gewinnen begonnen halten.
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